Panorama

Acht Jahre nach dem Mord Verlobter von Maria Baumer steht vor Gericht

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Die 26-jährige Maria Baumer war im Mai 2012 verschwunden. 16 Monate später fanden Pilzsammler ihr Skelett in einem Wald bei Regensburg.

(Foto: dpa)

Prozessbeginn im Mordfall Maria Baumer: Christian F. trat im Fernsehen als verzweifelter Angehöriger auf, der nach seiner vermissten Verlobten sucht. Doch dann entdecken Pilzsammler die Leiche der jungen Frau und immer mehr Indizien weisen auf F. als Täter hin. Wird er nun sein Schweigen brechen?

Es ist einer der rätselhaftesten Mordfälle der vergangenen Jahre in Bayern. An Pfingsten 2012 verschwand die 26 Jahre alte Maria Baumer. Nach erfolglosen Suchaufrufen ihres Verlobten inklusive eines Auftritts in der TV-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" entdeckten Pilzsammler zufällig mehr als ein Jahr später ihre Leiche. Erst Ende vergangenen Jahres gelang es den Ermittlern, einen Verdacht gegen den Verlobten zu erhärten - dieser steht jetzt wegen Mordvorwurfs in Regensburg vor Gericht.

Der seit dem 11. Dezember vergangenen Jahres wieder in Untersuchungshaft sitzende Christian F. will zu der Anklage schweigen, wie einer seiner drei Verteidiger auf Anfrage sagt. F. galt direkt nach dem Auffinden der Leiche 2013 als der mögliche Mörder. Doch die Ermittlungen gegen ihn mussten mangels Beweisen eingestellt werden.

Ein Grund dafür war der weit fortgeschrittene Verwesungszustand der Leiche. Diesen soll F. selbst verursacht haben. Laut Anklage bestreute er die Leiche seiner Verlobten mit Anhydritbinder und Branntkalk und löste mit einer Flüssigkeit eine chemische Reaktion aus, durch die sich das Gewebe in kürzester Zeit verflüssigte.

Neue Labortechnik führt erneut zum Verlobten

Erst als im vergangenen Jahr mit neuer Labortechnik das Medikament Lorazepam an Marias sterblichen Überresten festgestellt werden konnte, gab es einen handfesten Hinweis auf F.: Dieser hatte als Krankenpfleger unkontrolliert Zugriff auf das Medikament. Außerdem hatte der zwischenzeitlich wegen Missbrauchs verurteilte F. in einem anderen Fall eine Bekannte mit Lorazepam betäubt.

Mit dem angekündigten Schweigen von Marias Partner dürfte sich auch die Hoffnung der Eltern, der Zwillingsschwester und der drei älteren Brüder zerschlagen, die volle Wahrheit über den Tod zu erfahren. Es droht ein reiner Indizienprozess, an dessen Ende auf Grundlage der Spurenlage und von Gutachten eine Verurteilung wegen Mordes oder ein Freispruch stehen wird.

Was genau am Tattag geschah, kann nur der Mörder sagen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der als Pfleger in einem Bezirksklinikum arbeitende Angeklagte ein Doppelleben führte. Er soll sich in eine Patientin verliebt haben. Obwohl die Frau die Gefühle nicht erwiderte, soll nach Auffassung der Ankläger F. die im September 2012 mit 300 Gästen geplante Hochzeit mit der gerade erst zur Landesvorsitzenden der Landjugend gewählten Maria als Hindernis für eine gemeinsame Zukunft mit dieser Frau gesehen haben.

Vor der Tat "der perfekte Mord" gegoogelt

Dazu kam, dass F. Schwierigkeiten in seinem Medizinstudium hatte und laut Staatsanwaltschaft mit dem angeblichen Verschwinden seiner Verlobten den Abbruch des Studiums rechtfertigen wollte. Über Jahre soll er ein Lügengebäude zu seinen angeblichen Studienfortschritten aufgebaut haben.

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Als weiteren Hinweis auf eine Täterschaft sieht die Anklage, dass er in den Wochen vor Marias Verschwinden Tötungsmethoden recherchierte und dazu konkret zu den Wirkungen von Lorazepam suchte. Auch nach "der perfekte Mord" habe er gegoogelt.

Bis Oktober will das Landgericht Regensburg in dem Fall verhandeln. Ob F. in der Zeit womöglich doch noch sein Schweigen brechen wird, ist nicht absehbar.

Quelle: ntv.de, Ralf Isermann, AFP