Panorama

Der "Affen"-Pulli von H&M "Vollkommen überflüssig"

"Coolster Affe im Dschungel": Der schwedische Modekonzern H&M erhitzt die Gemüter. Schuld ist ein Kapuzenpulli aus der aktuellen Kollektion. Der Affen-Spruch darauf und die Tatsache, dass ein schwarzer Junge für den Hoodie wirbt, empört viele Menschen. Im Netz tobt eine Protest-Aktion. Rassismus-Eklat oder nicht? n-tv.de hat mit Professor Andreas Zick gesprochen. Er ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld und Autor des Buches: "Vorurteile und Rassismus".

n-tv.de: Sind die Rassismus-Vorwürfe gegen H&M berechtigt?

Andreas Zick: Die Verbindung zwischen dem abgebildeten jungen Menschen und dem Aufdruck ist rassistisch, ob das nun bewusst oder einfach nur unbedacht ist. Menschen mit schwarzer Hautfarbe werden sich zu Recht entmenschlicht fühlen. Solange es rassistische Vorurteile gibt, die auf der Einteilung von Menschen nach Hautfarbe basieren, ist solch ein Bild vollkommen fehl am Platz.

Ein ähnliches Pullover-Modell mit dem Aufdruck "Survival Expert" wird von einem weißen Jungen getragen … Zufall oder Rassismus?

Ich bin nicht sicher, ob jemand das mit dem Motiv der rassistischen Unterscheidung auf den Markt gebracht hat, aber es ist dumm und unüberlegt, der Hautfarbe der Kinder solche Unterscheidungen von Affe und Überlebensexperte zuzuordnen. Insgeheim produziert man damit Wahrnehmungen, die heutzutage vollkommen überflüssig sind.

Der Begriff "Affe" hat eine lange Geschichte als rassistische Beleidigung gegenüber Schwarzen. Viele Menschen glauben, dass sich H&M der negativen Konnotationen bewusst ist. Andere Stimmen sagen, warum darf ein schwarzer Junge denn nicht der coolste Affe im Dschungel sein – jetzt wo unsere Welt immer bunter wird? Sind wir zu empfindlich?

Ich würde zunächst an die Empfindungen von Menschen denken, die sich diskriminiert fühlen. Wir können den Rassismus nicht einfach wegdenken, indem wir meinen, wir wären zu empfindlich. Es sind immer wieder dieselben Assoziationen und sie treffen Menschen, die sich ja massenhaft beschweren. Das hat nichts mit politischer Korrektheit zu tun, sondern mit Normen und Wertvorstellungen, die sich mühselig über Jahrhunderte ändern. Insofern wiegt der Schutz vor Rassismus höher, als der Spaß ein Tabu zu brechen.

H&M hat die Werbung mittlerweile auf allen Kanälen entfernt und eine ehemalige Mitarbeiterin versuchte zu schlichten. Sie schrieb: "Der Hauptsitz in Schweden ist sehr isoliert von Rassismus, kulturellen und sozialen Herausforderungen. Sie denken ernsthaft, dass das süß ist." Also alles nur ein "süßer" Werbegag? Ein Schrei nach Aufmerksamkeit?

In der Forschung wissen wir, dass Menschen subtil und unbewusst rassistische Bilder, die in der Gesellschaft kursieren, weitertransportieren. Die Werbung ist in der Welt, daher muss sich H&M, was immer die Firma als "süß" findet, der Kritik aussetzen. Menschen fühlen sich abgewertet aufgrund einer uralten rassistischen Verbindung der Hautfarbe mit Tierassoziationen. Das scheint aufgrund des Aufschreis Normen und Gefühle zu verletzen und das sollte die Firma ernst nehmen. Auch eine Verniedlichung kann entwertend sein.

Mit Andreas Zick sprach Diana Sierpinski

Quelle: n-tv.de

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