Keine Spur vom TäterVor 25 Jahren verschwand Peggy in Lichtenberg

Am 7. Mai 2001 kommt die damals neunjährige Peggy nicht von der Schule nach Hause. Über Jahre kann ihr Schicksal nicht aufgeklärt werden. Erst 2016 wird Peggys Leiche gefunden, doch vom Täter oder den Tätern fehlt bis heute jede Spur.
Suchtrupps, Bundeswehr-Tornados, ein Appell der Mutter - alles vergeblich. Vor 25 Jahren, am 7. Mai 2001, verschwand im kleinen Ort Lichtenberg ganz im Norden Bayerns das Mädchen Peggy. Jahrelang wusste man nicht, wo ihre Leiche war. Und was genau mit dem neunjährigen Kind geschehen ist, weiß man bis heute nicht.
Der Fall Peggy zählt zu den bekanntesten Cold Cases der Republik. Zahlreiche True-Crime-Formate haben sich schon am Schicksal des Mädchens abgearbeitet: Gab es Unregelmäßigkeiten bei den Ermittlungen? Gibt es eine bis dato unentdeckte Spur? Wie und wann und vor allem durch wen kam Peggy zu Tode?
Die Akten in dem an Irrungen und Wirrungen reichen Fall sind geschlossen. "Derzeit gibt es keinerlei weitere Ermittlungsansätze", teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bayreuth mit. Es sei derzeit auch nicht denkbar, dass durch etwaige neue Untersuchungsmöglichkeiten frische Erkenntnisse gewonnen werden könnten. "Es wurde alles bereits unternommen."
Mehrere Verdächtige, kein Täter
Das Mädchen verschwand im Mai 2001 auf dem Heimweg nach der Schule im oberfränkischen Lichtenberg (Landkreis Hof) spurlos. Zahlreiche Suchaktionen blieben erfolglos, zahlreiche Ermittlungsansätze liefen ins Leere. Auch eine Pressekonferenz, die Peggys Mutter in Tränen aufgelöst wenige Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter gab, brachte keine Ergebnisse.
Dann aber präsentierten die Ermittler einen Tatverdächtigen - einen jungen, geistig eingeschränkten Mann aus Lichtenberg. Er wurde verurteilt, kam aber Jahre später nach einem Wiederaufnahmeverfahren frei.
2016 wurde endlich Peggys Leiche gefunden. Ein Pilzsammler entdeckte die sterblichen Überreste in einem Waldstück in Thüringen. Kurzzeitig geriet ein weiterer Mann ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Doch bei ihm kam es erst gar nicht zum Prozess.
Er hatte bei Vernehmungen angegeben, Peggys Leiche im Mai 2001 in ein Waldstück geschafft zu haben. Zuvor habe er den leblosen Körper des Mädchens von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle in Lichtenberg entgegengenommen. Später gab er an, das Geständnis sei unter Druck zustande gekommen, gleichzeitig kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass es so nicht gewesen sein kann. Ein Versuch von Peggys Mutter, von dem Mann Schmerzensgeld zu bekommen, scheiterte vor Gericht.
Zeitweise rückte der Fall sogar mit den Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle NSU zusammen, was sich später als Panne der Kriminaltechnik herausstellte. Die DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt war durch einen verunreinigten Zollstock an Peggys Fundort gelangt.
Es bleibt ein vielleicht
Dass bei Cold Cases - also lange ungelösten Kriminalfällen - die Akten doch wieder geöffnet werden, kommt immer wieder vor. So beginnt just am heutigen 7. Mai - also 25 Jahre nach Peggys Verschwinden - in Aschaffenburg ein Mordprozess in einem vier Jahrzehnte alten Fall: Ein Mann steht vor Gericht, weil er 1984 eine 19-Jährige erdrosselt haben soll.
In Schwaben und Mittelfranken haben Ermittler den Mord an einem zwölfjährigen Mädchen nahe Fürth vor etwa 50 Jahren wieder aufgerollt, weil sie einen Zusammenhang mit einem ähnlichen Fall im Allgäu vermuten.
Am Landgericht Düsseldorf wird seit Februar 2026 der Mord an einem Psychologieprofessor verhandelt, der 1984 in seinem Haus in Hilden mit 24 Messerstichen getötet wurde. Eine DNA-Spur führte die Ermittler Jahrzehnte später zu einem heute 62-jährigen Italiener. Er wurde ausgeliefert und wegen heimtückischen Mordes angeklagt.