Panorama

40 Kilometer vor Reykjavik Vulkan auf Island bricht aus

Der letzte Ausbruch des Vulkansystems Krýsuvík ist 900 Jahre her. Seit Wochen brodelt es wieder im Berg Fagradalsfjall. Jetzt hat die Eruption begonnen.

Unweit der isländischen Hauptstadt Reykjavik ist es zu einem Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall gekommen. Laut dem Meteorologischen Dienst des Inselstaats wurden in der Nacht zwar nur leichte seismologische Ausschläge gemessen. Dennoch riss die Oberfläche des Vulkans auf einer Länge von 500 Metern auf und kleine Lavafontänen spritzten in die Höhe. Ein glühender Strom flüssigen Gesteins ergoss sich entlang der Bergflanken und erreichte den Angaben zufolge eine Größe von etwa einem Quadratkilometer.

Der Zivil- und Katastrophenschutz warnte davor, sich dem Vulkan zu nähern und die anrückenden Einsatzkräfte zu behindern. Ein Hubschrauber der Küstenwache wurde zum Ort des Geschehens geschickt, um Ausmaß und Folgen des Vulkanausbruchs besser einschätzen zu können. Das rote Leuchten über der Silhouette des Vulkans war am Nachthimmel kilometerweit zu sehen.

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Am Nachthimmel lässt sich der Ausbruch auch aus der Entfernung gut beobachten.

(Foto: dpa)

Der Berg Fagradalsfjall liegt auf der Halbinsel Reykjanes, etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Reykjavik entfernt, unweit des internationalen Flughafens Keflavik und des kleinen Fischereihafens Grindavik. Da das Gebiet unbewohnt ist, droht für die Bevölkerung nach Behördenangaben keine unmittelbare Gefahr. Die Bürger wurden vom Zivil- und Katastrophenschutz aber angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen und Fenster geschlossen zu halten. Der Schwefeldioxid-Gehalt in der Luft müsse noch ermittelt werden. Das farblose, aber stechend riechende Gas ist giftig und kann Atemnot und Entzündungen der Atemwege hervorrufen.

Kleine Erdbeben kündigen Ausbruch an

Das betroffene Vulkansystem Krýsuvík war in den vergangenen 900 Jahren inaktiv. Die Region steht jedoch seit einigen Wochen unter verstärkter Beobachtung, nachdem Ende Februar ein Erdbeben der Stärke 5,7 in der Nähe des Berges Keilir registriert worden war. In der Folge kam es zu einer ganzen Serie kleinerer Erschütterungen. Insgesamt wurden mehr als 50.000 Erdbeben gemessen, die höchste Zahl seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen 1991.

Island hat 32 aktive Vulkansysteme, im Schnitt kommt es alle fünf Jahre zu einem Ausbruch. Im April 2010 hatte die Eruption des kleineren Vulkans Eyjafjallajökull einen Monat lang den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Mehr als 100.000 Flüge wurden damals gestrichen, gut zehn Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang auf Flughäfen fest. Nennenswerte Behinderungen im Flugverkehr gibt es zunächst nicht. Der staatliche Flughafenbetreiber Isavia verhängte lediglich eine Drohnen-Sperrzone im Umkreis von fünf Kilometern um den Vulkan. Der wichtigste Inselflughafen Keflavik, über den praktisch der gesamte internationale Luftverkehr läuft, wies zwar auf erhöhte Aschewerte in der Luft hin. Etwaige Flugabsagen seien aber Sache der Airlines.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa