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Autobahnbrücke stürzt ein Was bisher zum Unglück in Genua bekannt ist

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Tonnenschwere Trümmerteile: Der Einsturz der Morandi-Brücke wirft ernste Fragen zur Sicherheit der italienischen Infrastruktur auf.

dpa

Mitten im Mittagsverkehr stürzt in der norditalienischen Hafenstadt Genua eine Autobahnbrücke ein. Mindestens 35 Menschen sterben. Ein Überblick über die bisher bekannten Details der Katastrophe.

Was ist passiert?

Im norditalienischen Genua ist eine Autobahnbrücke der Autostrada A10 zur Mittagszeit teilweise eingestürzt. Der betroffene Abschnitt verlief an der Unglücksstelle in einer Höhe von mehr als 40 Metern. Die Länge der Lücke beträgt zwischen 100 und 200 Meter. Der Einsturz verlief offenbar in mehreren Phasen: Zunächst brach offenbar eine der drei Pfeilerkonstruktionen zusammen, kurz darauf stürzten weitere Fahrbahnabschnitte in die Tiefe. Auf einem Video der Polizei ist zu sehen, wie einer der Stützpfeiler in sich zusammensackt.

Gibt es Tote und Verletzte?

Beim Einsturz der Brücke kamen nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa 35 Menschen ums Leben. Bei den nächtlichen Rettungsarbeiten seien weitere Leichen geborgen worden, hieß es am Morgen nach dem Unglückstag. Unter den 35 Opfern sind auch drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren, wie Ansa in der Nacht unter Berufung auf das Innenministerium meldete. Darüber hinaus seien 16 Menschen verletzt worden. Darunter sind neun Schwerverletzte. Es steht zu befürchten, dass weitere Opfer unter den teils tonnenschweren Trümmerteilen begraben liegen.

Dutzende Autos und Lastwagen waren mit der herabfallenden Fahrbahn in die Tiefe gestürzt. Mehrere Fahrzeuge wurden zwischen Betonbrocken eingequetscht oder beim Aufprall am Boden zerschmettert. Zudem stürzten mehrere Lastwagen in den unter der Brücke fließenden Sturzbach Polvecera.

Wo befindet sich die Brücke?

Die Unglücksstelle befindet sich im Nordwesten der Großstadt Genua, knapp zwei Kilometer vom Hafen an der ligurischen Küste entfernt. Der eingestürzte Streckenabschnitt der italienischen Autobahn A10 quert an der Unglücksstelle die Gleise eines Rangierbahnhofs, ein Industriegebiet sowie die Fernverkehrsstrecke der Bahn. Durch den Einsturz sind mehrere Hauptverkehrsverbindungen in der Region unterbrochen. Betroffen davon sind neben der A10 selbst auch der Schienenverkehr von und nach Genua. Die Behörden vor Ort rechnen damit, dass die Aufräumarbeiten Monate dauern könnten.

Warum ist die Brücke eingestürzt?

Noch liegt die Ursache für den Einsturz der Brücke vollkommen im Dunkeln. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte in Genua ein starkes Unwetter. Augenzeugen berichten von einem Blitzeinschlag in einen der Pfeiler. Dass dies den Einsturz ausgelöst haben könnte, halten Experten bislang für sehr unwahrscheinlich. Die Brücke verfügte wie üblich über Blitzableiter. Der Autobahn-Betreiber Autostrade erklärte, es seien Arbeiten im Gange gewesen, um das Fundament der Fahrbahn auf dem Viadukt zu verstärken. "Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht", teilte das Unternehmen mit. Bereits vor zwei Jahren war eine Instandsetzung des Bauwerks durchgeführt worden.

Um was für ein Bauwerk handelt es sich?

Die vierspurige Autobahnbrücke trägt den Namen Polcevera-Viadukt und ist in der Region auch als Ponte Morandi bekannt. Der Italienischen Gesellschaft für Wasserleitungen (Società Italiana per Condotte d'Acqua) zufolge handelt es sich um die erste in Europa gebaute Schrägseilbrücke.

Wie alt ist die Brücke?

Das insgesamt 1882 Meter lange Bauwerk mit seiner vierspurigen Fahrbahn in bis zu 45 Metern Höhe wurde am 4. September 1967 nach knapp vierjähriger Bauzeit, fertiggestellt.

Welche Bedeutung hat die Brücke?

Die Autostrada A10 ist nicht nur Teil der bekannten Urlauberroute "Autostrada dei Fiori", sondern auch eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei. Aus dem Verkehrsministerium in Rom hieß es, der Einsturz dürfte weitreichende Konsequenzen für den lokalen, regionalen und überregionalen Verkehr haben. Die Brücke müsse wohl komplett abgerissen werden. Das werde "schwerwiegende Auswirkungen" auf den Fernverkehr haben.

Hat der Einsturz politische Folgen?

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung machte bereits wenige Stunden nach dem Einsturz die mangelhafte Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, "alles bezahlen, teuer bezahlen", erklärte er.

Der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio erklärte dagegen laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei respektlos gegenüber den Opfern, jetzt schon politische Spekulationen aufzuwerfen. Die Brücken-Katastrophe lässt in Italien tatsächlich vielerorts alle Alarmglocken schrillen. Laut der Tageszeitung "La Repubblica" gelten rund 300 Brücken und Tunnel im Land als marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

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Quelle: n-tv.de, cri/rts/dpa/AFP

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