Panorama

Babys in die Parlamente Was in New York geht und in Erfurt nicht

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Die Bilder aus New York werden wohl in Neves Babyalbum landen.

(Foto: REUTERS)

Bisher durften Politiker nur im Wahlkampf ihr Familienleben vorzeigen. Inzwischen schließen sich selbst Mutterschaft und Polit-Karriere nicht mehr aus. Es ist aber ein Unterschied, ob man neuseeländische Premierministerin oder Grünen-Abgeordnete in Thüringen ist.

Zwei Situationen, das gleiche Problem: In Erfurt will die Abgeordnete Madeleine Henfling ihren Sohn mit in eine Landtagssitzung nehmen. Die Sitzung wird daraufhin unterbrochen, bis sie den Saal verlässt. In der UN-Vollversammlung bringt die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern ihre Tochter mit, während Arderns Redebeitrag passt der Vater auf das Kind auf.

Die Bilder von Ardern gehen um die Welt. Neben ihr sitzt ihr Partner Clarke Gayford und hat die kleine Neve auf dem Schoß. Manchmal hat aber auch die Regierungschefin das drei Monate alte Kind auf dem Arm. Bei Twitter veröffentlichte Gayford ein Foto vom UN-Zugangsausweis seiner kleinen Tochter, auf dem sie als "Neuseelands First Baby" bezeichnet wird. "Weil alle hier auf Twitter gefragt haben, wo Neves UN-Ausweis ist, haben die Mitarbeiter einen hervorgezaubert", schrieb Gayford.

Das ist längst nicht alles, was man von diesem Besuch erfährt. Medienberichten zufolge stillt Ardern noch, deshalb kam eine Reise nach New York ohne den Säugling nicht in Frage. Der US-Sender NBC fragte die 38-Jährige, was schwieriger sei, Neuseeland zu regieren oder ein 17-stündiger Flug mit Baby. Ardern antwortete, das nehme sich nicht viel. Um der neuen Lebenssituation von Ardern Rechnung zu tragen, verabschiedete Neuseeland inzwischen Regeln, die es dem Premierminister und Ministern ermöglichen, mit Nanny zu reisen. Die zusätzlichen Kosten trägt der Steuerzahler.

So kommt Gayford beim nächsten Mal vielleicht dazu, Termine aus dem diplomatischen Ehegatten-Programm wahrzunehmen. Diesmal war er noch anderweitig beschäftigt. "Ich wünschte, ich hätte den verwirrten Ausdruck einiger japanischer Vertreter festhalten können, als sie gestern in einen UN-Konferenzraum kamen, in dem gerade die Windel gewechselt wurde", schrieb er bei Twitter. Ardern hatte ihr Kind am 21. Juni zur Welt gebracht und kehrte nach einem sechswöchigen Mutterschaftsurlaub zurück.

Verantwortungsvolle Abgeordnete, schlechte Mutter?

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Henfling und ihr Sohn werden erst rausgeworfen und dann toleriert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Thüringer Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling ist derzeit mit ihrem dritten Kind noch im Mutterschutz, wollte aber trotzdem ihrer Sitzungspflicht nachkommen. Dem "Spiegel" sagte sie, dass ihr bei Nichterscheinen Geld von ihrer Diät abgezogen werden. Das sei aber nicht der Hauptgrund für ihr Erscheinen gewesen. "Es geht mir um die Abstimmungen. Wenn ich bei ihnen fehle und es knappe Mehrheiten gibt, bin ich eventuell dafür verantwortlich, dass wir einen Antrag oder ein Gesetz nicht durchbekommen", so Henfling.

Besonders aufgebracht reagierte sie auf den Rausschmiss, weil Landtagspräsident Christian Carius ihr unterstellt habe, sie würde durch die Geräusche und das Licht im Plenarsaal das Wohl ihres Kindes gefährden. Er riet ihr, sie solle ihren Sohn betreuen lassen. Inzwischen erklärte sich Carius "bis auf Weiteres" bereit, "zu tolerieren", dass die Abgeordnete ihr Kind mitbringt. Demnächst soll die Geschäftsordnung des Thüringer Landtages dahin geändert werden, dass dieses Recht dort ausdrücklich niedergeschrieben ist. Einen entsprechenden Eilantrag beim Landesverfassungsgericht zogen die Grünen deshalb inzwischen zurück.

Zahlreiche Landtage haben ihre Regelungen längst angepasst, auch im Bundestag ist ein Mandatsträger mit Kind kein Problem. Wie man in New York sieht, kann es sogar ein politisches Signal an Frauen sein, dass sich Mutterschaft und verantwortungsvolle Arbeit nicht ausschließen.

Quelle: ntv.de, sba