Panorama

Wer sie wo bekommt Was in Sachen Impfung geplant ist

Logistik, Kühlung und Organisation von Impfzentren: Die geplante Massenimpfung gegen das Coronavirus stellt Bund und Länder vor enorme Herausforderungen. Sobald ein Impfstoff in Europa zugelassen ist, soll es losgehen - laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im günstigsten Fall noch im Dezember. Ein Überblick:

Organisation: Die Bundesregierung ist für die Beschaffung des Impfstoffs und die Auslieferung an die Bundesländer verantwortlich. Die Impfstoffe werden deutschlandweit an rund 60 Standorte verteilt, je nach Bevölkerungsanteil. Für die weitere Lagerung und Logistik vor Ort sind dann die Länder zuständig. In deren Hand liegt neben der Impforganisation auch die Beschaffung von Spritzen, Kanülen, Desinfektionsmitteln oder Tupfern. Die Bundeswehr stellte ebenfalls 26 Impfstationen in Aussicht.

Transport: Weltweit rüsten sich große Logistikunternehmen für den Transport von Milliarden Impfstoffdosen. Auch in den Bundesländern wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die Impflogistik so reibungslos wie möglich läuft. Ein Knackpunkt ist vor allem die Kühlung, weshalb einige Länder Ultratiefkühltruhen und Kühlcontainer anschaffen.

Lagerung: Einige der Impfstoffe sind besonders anspruchsvoll, was die Kühlung betrifft. Der Impfstoff des Mainzer Impfstoffentwicklers Biontech und seines US-Partners Pfizer muss bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Dafür wurden eigens Boxen entwickelt, die mit Trockeneis befüllt den Impfstoff bis zu 15 Tage lagern können. Aufgetaut kann er dann bis zu fünf Tage bei Kühlschranktemperatur zwischen 2 und 8 Grad aufbewahrt werden. Der vom US-Biotechnologieunternehmen Moderna entwickelte Impfstoff kann bei minus 20 Grad gelagert werden. Für andere Impfstoffe ist wie bei der Grippeimpfung ein Kühlschrank ausreichend. Der ebenfalls vielversprechende Impfstoff des Tübinger Pharmaunternehmens Curevac soll bei 5 Grad mindestens drei Monate lang stabil bleiben.

Impfzentren: Die Impfzentren sollen bis zum 15. Dezember einsatzbereit sein. Dort wird dann mit Unterstützung von niedergelassenen Ärzten oder Trägern wie dem Roten Kreuz geimpft. Die Länder entscheiden selbst, wie viele Impfzentren sie einrichten. Zahlreiche Länder planen mindestens ein Impfzentrum in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt. Das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen etwa will mindestens 53 Impfzentren einrichten, in Bayern wären es mindestens 96. In Berlin entstehen 6 Impfzentren unter anderem in einer Messehalle und in den ehemaligen Flughäfen Tegel und Tempelhof. Alle Impfzentren werden gut bewacht.

Priorisierung: Da zunächst nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird, sollen gesundheitlich oder beruflich besonders stark gefährdete Gruppen Vorrang haben. Das sind Menschen hohen Alters und mit Vorerkrankungen, etwa Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Priorität sollen aber auch Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich sowie Berufsgruppen wie Polizei, Feuerwehr, öffentliches Gesundheitswesen sowie Lehrer und Erzieher haben. Die Feinabstimmung will die Ständige Impfkommission (Stiko) erst später vornehmen, was teilweise auf Unverständnis stößt. Die Stiko wartet aber zunächst die Zulassung von Impfstoffen und weitere wissenschaftliche Daten ab. Denn es ist gut möglich, dass Impfstoffe verschiedene Bevölkerungsgruppen wie Ältere oder Jüngere unterschiedlich gut schützen oder unterschiedlich verträglich sind.

Verbreitung: Grundsätzlich sollte laut Robert-Koch-Institut(RKI) jeder, der sich gegen Covid-19 impfen lassen möchte, eine Impfung bekommen können. Allerdings sei derzeit nicht vorhersagbar, inwieweit eine Immunität die Virus-Transmission (Übertragung) verhindert oder wenigstens reduzieren kann. Dem RKI zufolge müssen sich etwa 70 Prozent der Menschen im Land impfen lassen, um die Pandemie einzudämmen. Das zeigten mathematische Modelle. Es fehlten auch noch Daten darüber, wie wirksam die einzelnen Impfstoffe sind und wie lange der Impfschutz anhält. Auch dies beeinflusse, wie viel Prozent der Bevölkerung sich impfen lassen müssten, um bei 70 Prozent eine Immunität entstehen zu lassen.

Impforganisation: In der Anfangsphase werden von den Impfzentren koordinierte mobile Impfteams vor allem in Alten- und Pflegeheime gehen. Für andere gefährdete Menschen wird es eine telefonische oder digitale Terminvereinbarung geben, etwa über Callcenter oder die bundesweit einheitliche Servicenummer 116 117. Dabei werden jeweils zwei Impftermine für ein Impfzentrum vereinbart. Derzeit ist von zwei Impfdosen im Abstand von drei bis vier Wochen auszugehen.

Es wird geschätzt, dass in einem Impfzentrum täglich mindestens 1500 Menschen geimpft werden können, mancherorts sogar deutlich mehr. Die zentrale Impfung ist nicht nur für die korrekte Impfstofflagerung von Vorteil, sondern auch für die Dokumentation etwa von Impfquoten und Studien zur Arzneimittelsicherheit. In der zweiten Phase, wenn mehr Impfstoff für die Allgemeinheit zur Verfügung steht, kann in normalen Arztpraxen geimpft werden.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP