Panorama

Lange Haftstrafen drohen Was über die inhaftierten Malle-Urlauber bekannt ist

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13 Mitglieder eines Kegelvereins aus Münster waren vor gut zwei Wochen in das Gefängnis in Palma gekommen, acht sitzen weiterhin in U-Haft.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Eine Reisegruppe von Keglern aus Münster wird verdächtigt, auf Mallorca einen Brand gestiftet zu haben. Wie viele der Kegelbrüder noch immer in U-Haft sitzen, wie eine mögliche Strafe aussehen könnte und was die Verdächtigen selbst sagen. Hier die wichtigsten Informationen im Überblick.

Seit mehr als zwei Wochen sitzen acht junge deutsche Urlauber auf Mallorca in Untersuchungshaft. Sie und vier weitere sollen für einen Brand mit zwei Verletzten verantwortlich sein. Was bisher über den Fall bekannt ist:

Was wird den deutschen Urlaubern vorgeworfen?

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Die abgebrannte Bar neben dem Hotel, in dem die Kegelbrüder untergebracht waren.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Die Verdächtigen sollen am 20. Mai einen Brand in der Nähe des Ballermanns ausgelöst haben. Sie hätten vom Balkon ihrer Hotelzimmer brennende Zigarettenkippen und Alkohol auf das Schilfdach der Terrasse einer darunterliegenden Gaststätte geworfen. Das Dach fing Feuer, und zwei Gaststätten, eine Wohnung und Teile des Restaurants wurden beschädigt. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen. Beim Sachschaden stand zunächst eine Summe von rund 150.000 Euro im Raum.

Wer sind die Verdächtigen?

Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Tatverdächtigen um 13 Männer im Alter zwischen 24 und 29 Jahren, die einem Kegelclub aus Münster angehören. Die Gruppe wollte demnach ein langes Wochenende auf Mallorca verbringen.

Wie viele sind bereits wieder auf freiem Fuß?

Vier der Deutschen wurden auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Laut WDR, weil ihre Zimmer nicht auf der Straßenseite lagen, auf der der Brand ausgebrochen war. Die jungen Männer verließen das Gefängnis in der Hauptstadt Palma am Dienstagabend gegen 22 Uhr, wie die Zeitung "Diario de Mallorca" und andere Regionalmedien unter Berufung auf Justizkreise der spanischen Insel berichtete. Zuvor seien die von Angehörigen in Deutschland überwiesenen Kautionszahlungen in Höhe von jeweils 12.000 Euro eingegangen, hieß es. Die Überweisung habe sich wegen der Pfingstfeiertage verzögert, schrieb der Anwalt.

Einer der Verdächtigen wurde bereits am Freitag ohne Auflagen freigelassen. Er konnte nachweisen, dass er unter der Dusche war, als der Brand ausbrach.

Warum sitzen acht Mitglieder der Reisegruppe noch immer in U-Haft?

Der mit dem Fall befasste Ermittlungsrichter lehnte eine Freilassung der verbliebenen acht Deutschen auf Kaution ab. Die "Mallorca Zeitung" schreibt, ein Zeuge habe gesehen, wie diese den Brand verursachten. Allerdings erwähnt das Blatt "offenbar widersprüchliche Zeugenaussagen". Es gibt aber Augenzeugenberichte, nach denen die jungen Männer zunächst gegrölt, gelacht und die ersten Flammen mit ihren Handys gefilmt hätten, bevor sie den Ernst der Lage erfassten.

Was sagen die Männer selbst?

Bei einer Vernehmung am vergangenen Donnerstag bestritten die Inhaftierten laut "Mallorca Zeitung", den Brand verursacht zu haben. Sie hätten das Feuer bemerkt und bei der Bekämpfung helfen wollen. Um Alarm zu schlagen, seien sie über den Balkon geklettert. Das wurde ihnen als Fluchtversuch ausgelegt. Die Kegelbrüder verwiesen demnach auf ihre Chatverläufe, die ihre Version der Geschichte bestätigen würden.

Wie geht es weiter?

Die Familien der verdächtigten Urlauber haben nach Angaben ihres Rechtsanwalts 500.000 Euro für eine gemeinschaftliche Haftung zusammengelegt. Die Summe hatte der spanische Untersuchungsrichter für die Begleichung von Schäden durch das Feuer im Falle einer Verurteilung festgesetzt. Das Geld werde in Kürze bei der spanischen Justiz hinterlegt, teilte Anwalt Raban Funk aus dem niedersächsischen Stolzenau mit. Damit wollten die Tatverdächtigen ihre Kooperationsbereitschaft bekräftigen, schrieb der Anwalt in einer Mitteilung.

Der Anwalt teilte weiter mit, ein von der spanischen Ermittlungsbehörde in Auftrag gegebenes Gutachten zur Entstehung des Brandes liege noch nicht vor. Dieses Gutachten werde aber "weitere, objektiv entlastende Momente offenbaren", schrieb der Anwalt. Die "Mallorca Zeitung" schrieb, der Ermittlungsrichter habe auch weitere Zeugenanhörungen angesetzt, von denen sich die Rechtsanwälte der Deutschen eine Klärung der Brandursache erhofften. Noch ist unklar, ob es zu einer Anklage kommt.

Welche Strafe droht den Urlaubern?

Nach Einschätzung von zwei befragten Anwälten können die Verdächtigen zu einem Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren verurteilt werden, wenn sie angeklagt und der fahrlässigen Brandstiftung für schuldig befunden werden. Bei Vorsatz und der Gefährdung von Menschenleben könne das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen, hieß es. Brandstiftung ist eines der am härtesten bestraften Verbrechen in Spanien.

RTL interviewte den mit dem spanischen Recht vertrauten Anwalt Arno Meuser. Demnach ist sogar eine Haftstrafe von 10 bis 20 Jahren möglich. Wichtig sei die Unterscheidung zwischen Fahrlässigkeit und Vorsatz: "Wenn jemand einen glühenden Zigarettenschnipsel vom Dach wirft, klingt das schon deutlich nach Fahrlässigkeit", sagte Meuser.

Wie lange könnten die Deutschen noch in U-Haft sitzen?

Von einem schnellen Abschluss des Untersuchungsverfahrens geht Rechtsanwalt Meuser nicht aus. Bei so vielen möglichen Tatbeteiligten könne es sogar einige Monate dauern. Dabei komme es auch darauf an, wie sehr die Deutschen kooperierten: "Solche Fälle können länger dauern, auch durchaus mal ein Jahr. Maximale Untersuchungshaftzeit sind in Spanien zwei Jahre", so Meuser gegenüber RTL. In Ausnahmefällen kann diese auf vier Jahre verlängert werden.

Dürfen die auf Kaution freigelassenen Deutschen ausreisen?

"Das spanische Gesetz sieht grundsätzlich vor, dass sich jemand, der unter Auflagen freigelassen wird, bei der örtlichen Polizeistation in Intervallen melden muss", ordnete Arno Meuser für RTL ein. Weil die Verdächtigen aber alle keinen festen Wohnsitz auf Mallorca hätten, sei es unwahrscheinlich, dass sie über Monate im Hotel sitzen müssten, um sich ab und zu bei der mallorquinischen Polizeiwache zu melden. "Es wird eine Interimslösung geben müssen", so Meuser. Er könne sich beispielsweise eine Kooperation mit den deutschen Behörden vorstellen.

Quelle: ntv.de, lwe mit dpa

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