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Verdeckt bei Menschenschmugglern "Wehre dich nicht, vertraue auf Gott"

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CNN-Reporterin Nima Elbagir schleuste sich mit versteckter Kamera bei Menschenschmugglern ein.

(Foto: Youtube/PVL Channel)

Zwei Reporterinnen geben sich als Migrantinnen aus. Angeblich wollen sie von Nigeria nach Europa reisen, um dort ein neues Leben zu starten. Der Menschenschmuggler gibt ihnen Kondome - und einen schockierenden Rat.

Ihre Undercover-Mission beginnt in Edo. In einem rot getünchten Hotelzimmer, das gleichzeitig als Bordell fungiert, geben sich Nima Elbagir und Lilian Leposo als Migrantinnen aus. Den Menschenschmugglern erzählen sie, dass sie ein neues Leben in Europa suchen. Wie viele Tausende andere auch wollen sie angeblich über Italien nach London gelangen. Als das Geld auf dem Tisch liegt, stellen die Schmuggler keine weiteren Fragen mehr und die Undercover-Reise der beiden CNN-Reporterinnen kann beginnen.

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Edo gilt als Dreh- und Angelpunkt für Menschenschmuggel in Nigeria. Die meisten Flüchtlinge haben alles verkauft, was sie besitzen, um die Reise zu finanzieren. Doch viele von ihnen kommen oft nicht weiter als nach Libyen.

Elbagir und Leposo bezahlen für die Route nach Libyen je rund 1400 Dollar. Dafür gibt es ein sogenanntes "VIP-Paket". Dieses Paket beinhaltet die Dienste eines Schmugglers, der die beiden Frauen von Kano im Norden Nigerias über die Grenze nach Libyen bringen soll. Bevor es losgeht, bekommen die Undercover-Journalistinnen Kondome gereicht. Dann werden die beiden Frauen darüber aufgeklärt, dass Migrantinnen in nahezu jedem Reiseabschnitt misshandelt werden. "In diesem Leben bekommt man nichts umsonst. "Sie haben Glück, die Männer warten manchmal sechs Monate, bevor sie auf das Schiff nach Europa gesetzt werden." Frauen, die so aussehen wie sie, würden manchmal schon am nächsten Tag ein Boot bekommen.

"Wehre dich nicht!"

Es folgt eine Warnung: Sie würden in Libyen Männer brauchen, die ihnen gut gesinnt seien. "Sie werden Dinge haben, die die anderen wollen, verstehen Sie?", fragt der Schmuggler und lässt einen gut gemeinten Rat folgen: "Wehre dich nicht, wenn du vergewaltigt wirst. (…) Vertraue auf Gott."

Die Reise zu arrangieren war "unglaublich einfach", berichtet Elbagir in ihrer CNN-Reportage. Nur einen Tag nach dem Gespräch seien sie in der Stadt Auchi in einen Nachtbus gestiegen, der sie nach Kano bringen sollte. Für diese erste Reise benutzen die Schmuggler den öffentlichen Verkehr, für nigerianische Behörden sei eine Kontrolle schier unmöglich. An einer belebten Haltestelle am Stadtrand von Auchi können die beiden Undercover-Journalistinnen unbeobachtet aus dem Bus schlüpfen und so den Schmugglern entkommen.

Dort wartet Produzent Hassan John auf sie. "Wir waren sehr erleichtert, ihn zu sehen", schreibt Elbagir, die erst im November 2017 mit einer verdeckt recherchierten Berichterstattung über den Sklavenhandel in Libyen Aufsehen erregte. Wären Elbagir und Leposo im Bus geblieben, wären sie 14 Stunden später in Kano angekommen. Von da aus wäre es dann weiter nach Sabha im Süden Libyens gegangen.

Quelle: ntv.de, dsi