Panorama

Absurdes Video geht viral Wenn selbst Putin-Fans hinter Gittern landen

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Vier Polizisten tragen in Moskau eine Frau weg, die gegen den Krieg demonstriert hat.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Das Wort "Krieg" ist in Russland verboten. Das ist schon absurd genug. Doch Putins Schergen zeigen nun: Es geht noch schlimmer. Am Wochenende nehmen sie in ganz Russland willkürlich Menschen fest. Und selbst vor Kriegsbefürwortern machen sie keinen Halt.

Bei Anti-Kriegs-Demonstrationen sind am Wochenende in ganz Russland erneut Hunderte Menschen festgenommen worden. Viele von ihnen protestieren dabei gar nicht gegen den "Krieg" - wer das Wort verwendet, riskiert schließlich eine mehrjährige Haftstrafe. Wer den problematischen Begriff umgehen kann, kriegt dagegen normalerweise "nur" eine Geldstrafe oder 15 Tage Haft.

Einige Russen greifen daher zu kreativen Lösungen. So schrieb am Sonntag ein Moskauer Aktivist auf seinem Plakat "*** *****", was offensichtlich für "Net Wojne" (auf Deutsch: "Kein Krieg") steht, aber eben auch beliebig anders interpretiert werden kann. Der junge Mann wurde sofort festgenommen.

Auch die Aktion einer jungen Frau in Nischni Nowgorod, einer Großstadt rund 400 Kilometer von Moskau entfernt, dürfte bei so manchem Russen für Kopfschütteln sorgen. Sie wurde festgenommen, weil sie auf einem Platz ihrer Stadt mit einem weißen Blatt Papier in den Händen stand. Wie auf dem Video bei Instagram zu sehen ist, skandierte sie keine Parolen, auf dem Papier war nichts geschrieben oder gezeichnet.

"Ich bin mit der 'Spezialoperation' einverstanden"

Doch ausgerechnet ein Video, das in sozialen Medien auf der ganzen Welt verbreitet wird, veranschaulicht am besten die willkürliche Brutalität, mit der Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Schergen gegen eigene Bürger vorgehen. Zunächst ist im Bild eine Frau zu sehen. Sie steht am Sonntag auf dem Maneschnaja-Platz im Zentrum von Moskau und hält in ihren Händen einen kleinen Zettel, auf dem "Dwa Slowa" - "Zwei Worte" steht, wiederum als Anspielung auf den verbreiteten Slogan "Kein Krieg".

Sie fragt den Reporter des Portals Activatica.org, der sie filmt: "Was denken Sie, wenn ich hier einfach 'Zwei Worte' sage, werde ich festgenommen?" Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Ausgerechnet in diesem Moment stürzen sich drei Polizisten in Kampfmontur auf die junge Frau und zerren sie zu den Gefangenentransportern. "Sie werden jetzt gerade festgenommen", kann der Reporter der Frau nur noch hinterherrufen. "Das ist Irrsinn", kommentiert er.

Was danach geschieht, ist noch absurder. Eine weitere Frau tritt vor die Kamera und fragt: "Filmen Sie nur Oppositionelle?" Der Reporter verneint. Die Frau fragt dann, ob das Kamerateam auch diejenigen filmt, die "eine andere Meinung haben", also Putins "Spezialoperation" unterstützen. Der Reporter entgegnet: "Wir zeigen alle Meinungen."

Dann will die Frau ihre Meinung äußern: "Ich bin mit der 'Spezialoperation' einverstanden …" Doch plötzlich wird sie unterbrochen. Zwei Polizisten packen die Frau und zerren auch sie zu den Transportern. Der Reporter bleibt verdutzt stehen. Ob sie auch heute noch Putins Krieg unterstützt? Ungewiss.

Quelle: ntv.de

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