Panorama
Von Nora Illi bekam der Zuschauer nur die Augen zu sehen.
Von Nora Illi bekam der Zuschauer nur die Augen zu sehen.(Foto: dpa)
Montag, 07. November 2016

Schweizer Konvertitin: Wer ist die Niqab-Frau bei Anne Will?

Von Solveig Bach

In der sonntäglichen Gesprächsrunde bei Anne Will sitzt eine frühere Punkerin und preist den Islam als frauenfreundliche Religion. Die junge Frau ist vollverschleiert und Zweitfrau eines Islamisten.

In der Talkshow von Anne Will geht es um die Frage "Mein Leben für Allah – Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?". In der Runde sitzt auch die Frauenbeauftrage des "Islamischen Zentralrats Schweiz", Nora Illi. Die 32-Jährige ist vollverschleiert. Und was sie sagt, werten viele Zuschauer als Aufruf zum Dschihad.

Bilderserie

Aber wer ist diese Frau? Der bei Will veröffentlichten Kurzbiografie kann man entnehmen, dass Illi 1984 in Zürich geboren wurde. Der "Bild-Zeitung" berichtete sie, ihr Vater sei Psychotherapeut, ihre Mutter Sozialarbeiterin gewesen, "weder reich noch arm". Die Religion habe in ihrer Familie keine große Rolle gespielt, lediglich Ostern und Weihnachten habe man gefeiert.

Nach einem normalen Teenagerleben, in dem sie sich auch mit Jungs traf und in der Punkszene unterwegs war, habe sie im Alter von 16 Jahren bewusst begonnen, nach Gott zu suchen.

Illi fand nach eigenen Angaben jedoch weder im Christentum noch im Judentum oder Buddhismus religiöse Erfüllung. Erst der Gebetsruf eines Muezzins auf einer Reise in Dubai habe sie erreicht. Mit 18 konvertiert sie zum Islam. Bei Anne Will berichtet sie, dass ihr Übertritt ein monatelanger Prozess gewesen sei. Sie habe ihre Eltern daran beteiligt und die hätten ihren Weg auch akzeptiert. Als Radikalisierung will sie ihren Weg nicht begreifen. Zu dieser Zeit ist sie bereits mit Patric Jerome Illi liiert, der sich inzwischen Qaasim nennt und Vorstandsmitglied des radikal-islamischen Vereins "Islamischer Zentralrat Schweiz" ist. Der Verein vertritt eine extreme Minderheit der Schweizer Muslime.

Gelebte Vielehe

Das Paar heiratet 2003, vier Kinder werden geboren. Nora Illis Berufswunsch soll Journalistin gewesen sein, am Ende wurde sie Mediengestalterin, inzwischen ist sie Hausfrau. Seit ihrem Übertritt zum Islam zeigt sie sich in der Öffentlichkeit nur noch mit Gesichtsschleier. 2011 heiratete ihr Mann eine weitere Frau.

Für Illi ist das kein Problem, sie befürwortet die Einführung der Mehrehe, weil sie den Frauen Entlastung bringe. Dem Schweizer "Blick" sagte sie, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der sexuelle Trieb von Männern größer als der von Frauen sei. Außerdem sei der Mann zu Fairness gegenüber den Frauen verpflichtet, in sexueller wie in finanzieller Hinsicht. Nach Berichten Schweizer Medien lebt Illis Familie in eher bescheidenen Verhältnissen, finanziell unterstützt von den Eltern.

Schon ein Auftritt von Illi im Jahr 2012 bei Sandra Maischberger hatte beim Publikum für großes Unverständnis geführt. Auch jetzt irritiert sie viele Zuschauer - mit ihrem Aussehen, vor allem aber mit ihren Ansichten. "Mich hat am Islam seine Vielfältigkeit fasziniert", sagt Illi bei Will. Sehr interessiert habe sie außerdem die Rolle der Frau und die Gemeinschaft, die sie vor allem im gemeinsamen Gebet erlebe. Auf Wills kritische Nachfrage, was denn die Frauenfreundlichkeit des Islam ausmache, antwortete Illi: "Es ist so, dass die Frau im Islam ganz viele Rechte und Möglichkeiten hat, sich auszuleben. Wir müssen diesen Spagat, den andere Frauen zwischen Familienfrau und Karrierefrau machen, weniger machen. Wir können uns in unserer Rolle selbst entfalten." Wenn eine muslimische Frau beispielweise arbeite, müsse sie damit nicht zum Familienunterhalt beitragen.

Schwierige Frage des Respekts

Die Radikalisierung junger Muslime wird nach Illis Ansicht davon begünstigt, weil die Gesellschaft nicht bereit sei, beispielsweise ihre Gesichtsverschleierung als freie Wahl zu akzeptieren. Illi sprach sich aus diesem Grund auch vehement gegen ein Burka-Verbot in öffentlichen Räumen aus. Die Argumente der männlichen Gesprächspartner, dass sie durch die Verschleierung als Bedrohung eingeordnet würden und dass in der westlichen Gesellschaft das offene Gesicht Teil des Wertekanons ist, lässt die Schweizerin nicht gelten.

Will zitierte aus einem Text von Illi, in dem sie Verständnis für die Entscheidung von jungen Leuten äußerte, nach Syrien zu ziehen. Als Begründung gab sie an, dass Muslime "massivsten Repressionen" ausgesetzt seien. Der Krieg in Syrien sei aber eine "bitterharte Langzeitprüfung". Illi bestritt jedoch, dass sie damit zum Dschihad aufruft.

Quelle: n-tv.de