Panorama
Im Londoner Stadtmuseum sind Reste jenes legendären Fettklopses zu sehen, der 2017 in der Kanalisation entdeckt wurde.
Im Londoner Stadtmuseum sind Reste jenes legendären Fettklopses zu sehen, der 2017 in der Kanalisation entdeckt wurde.(Foto: REUTERS)
Montag, 12. Februar 2018

London stellt "Fatberg!" aus : Wer will den Monster-Fettklops sehen?

So schwer wie ein Blauwal, länger als zwei Fußballfelder und einen grauenvoll beißenden Gestank ausströmend: Ein riesiger Fettklops verstopfte die Londoner Kanalisation. Teile des stinkenden Ungetüms kommen jetzt ins Museum - und sollen aufklären.

Der Londoner Wasserversorger taufte ihn zum "Monster von Whitechapel", nach dem Bezirk, in dessen Kanalisation er jahrelang gewachsen war. Wochenlang sorgte der Riesen-Fettklops weit über die Grenzen der britischen Hauptstadt hinaus für Schlagzeilen - jetzt ist er ein Fall fürs Museum.

Seit dem vergangenen Wochenende läuft im Museum of London eine Ausstellung mit dem Namen "Fatberg!". Besucher können dort Stücke des berühmten Fettklumpens bewundern. Mit einem Monster, das einmal so schwer wie elf Doppeldeckerbusse oder einem Blauwal und so lang wie zwei Fußballfelder war, haben die grau-braunen Ausstellungsstücke allerdings wenig zu tun.

"Der Fettklumpen erzählt eine Geschichte davon, wie das moderne London sich verändert", erklärte die Sammlungsverwalterin Sharon Robinson-Calver britischen Medien. "Unsere Kanalisation wird von einer neuzeitlichen Krise bedroht." Die wachsende Bevölkerung und eine fettreiche Ernährung hätten Kanalverstopfungen zu einem immer wiederkehrenden Problem gemacht.

Der Fund der 250 Meter langen Fettansammlung hatte aber auch erfahrene Kanalarbeiter schockiert. "Dieser Fettberg ist einer der größten, die wir je gesehen haben. Er ist ein totales Monster und es braucht eine Menge Arbeiter und Maschinen, um ihn zu entfernen", sagte damals der Abfallbeauftragte des Wasserversorgers Thames Water, Matt Rimmer. "Es ist so, als ob man versucht Beton zu spalten." Rimmer veranschlagte drei Wochen für die Beseitigung des Fettberges. Tatsächlich benötigten die Arbeiter neun Wochen, um mit Hochdruckreinigern den 130-Tonnen-Koloss aus Fett, Windeln und Feuchttüchern zu lösen.

"Don't feed fatbergs"

Vor dem eklig stinkenden Geruch und möglichen Krankheitserregern sind die Besucher gut geschützt: Das Fett wird in einem luftdichten Glaskasten aufbewahrt. Neben Lebensmittelfett und Feuchttüchern enthält er nach Angaben der Londoner Wasserwerke unter anderem alte Spritzen, benutzte Kondome und Medikamentenreste. Kuratorin Vyki Sparkes beschrieb die Konsistenz als eine Mischung aus Parmesan und Mondgestein. Bei näherer Betrachtung sind auch winzige Fliegen zu erkennen.

Die neuesten Ausstellungsstücke sollen den Besuchern aber nicht nur einen Blick in den Untergrund gewähren, sondern vor allem eins: Aufklären. Die aus der Viktorianischen Ära stammende Kanalisation in London sei nie geschaffen worden für all das, was Menschen und Unternehmen heute an Abfall und Fett entsorgen, so Sparkes. "Don't feed fatbergs" steht deshalb auf den Broschüren, die im Museum ausliegen. Darin wird erläutert, was nicht ins Klo, sondern in den Abfalleimer gehört. Denn eines ist klar: Unter dem regen Treiben der Stadt lauern und wachsen schon die nächsten Fettberge.

Quelle: n-tv.de