Panorama
Ein Wetter wie bei David Caspar Friedrich: Der Schwarze See bei Falkenhagen im Landkreis Märkisch-Oderland ist zugefroren.
Ein Wetter wie bei David Caspar Friedrich: Der Schwarze See bei Falkenhagen im Landkreis Märkisch-Oderland ist zugefroren.(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)
Samstag, 03. März 2018

Kältewelle verliert an Kraft: Wetterexperten warnen vor Blitzeis

Gefrorene Böden, einsetzender Nieselregen: In Teilen Deutschlands müssen sich Autofahrer am Wochenende auf gefährlich glatte Bedingungen im Straßenverkehr einstellen. Von Südwesten her dringen mildere Temperaturen vor. Im Nordosten bleibt es eiskalt.

Während die Kältewelle der vergangenen Tage im Süden und Westen Deutschlands abebbt, herrschen im Norden und Osten des Landes weiterhin eisige Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Die Daten zweier Messstationen zeigen, wie groß die Unterschiede ausfallen: In Barth an der Ostsee etwa wurden am frühen Morgen minus 18,6 Grad gemessen, in der Nähe von Karlsruhe waren es hingegen zum gleichen Zeitpunkt verhältnismäßig milde minus 1,3 Grad.

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Von Nordrhein-Westfalen bis Bayern erwarten Meteorologen am Morgen laut Vorhersage leichten Schneefall. Die Temperaturen sollen im Laufe des Tages an einigen Orten auf bis zu plus sechs Grad ansteigen. Im Norden und Nordosten muss hingegen weiterhin auch tagsüber mit Dauerfrost gerechnet werden.

Viele Gewässer in der Region sind mit einer Eisschicht bedeckt, darunter auch küstennahe Bereiche der Ostsee. Die Behörden warnen allerdings dringend davor, sich auf noch nicht sicher durchgefrorene Eisflächen vorzuwagen. Dabei bestehe akute Lebensgefahr, hieß es. Im Ostseebad Haffkrug im Kreis Ostholstein etwa brachen vor dem Wochenende mehrere Menschen ins Eis ein. Sie hatten an der Seebrücke versucht, das Eis zu betreten und seien dabei ins hüfttiefe Wasser gestürzt, wie die Polizei mitteilte.

Nach der klirrenden Kälte wird es zwar etwas milder - doch vielerorts dürfte es dadurch erst richtig ungemütlich werden. Gefrierender Regen und Schnee können am Wochenende Autofahrern in ganz Deutschland Schwierigkeiten bereiten. Glatte Straßen erwarteten Wetterexperten zunächst vor allem für das Saarland. Für Deutschlands kleinstes Flächenland und Teile des benachbarten Hunsrücks galt am Freitag bereits eine Unwetterwarnung. In der Region könnte bis zum Sonntag leichter Regen oder Sprühregen fallen, der auf gefrorenen Böden und Straßen zu gefährlichem Blitzeis anfrieren kann.

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 Im Münsterland wurde eine Autofahrerin schwer verletzt, als sich vom Anhängerdach eines entgegenkommenden Lastwagens eine Eisplatte löste und ihre Windschutzscheibe durchschlug. Die 54-Jährige wurde schwer am Kopf verletzt.

In der kommenden Woche erreicht ein Hauch von Vorfrühling Deutschland. Mildere Luftmassen ziehen von Südwesten heran, wie n-tv Meteorologe Björn Alexander erklärte. Dann sollte auch der Regen nachlassen. Am Montag dürfte es bei Temperaturen zwischen vier und neun Grad vor allem im Südosten schon wieder sonnig werden. Am Dienstag lockert die Bewölkung dann auch im Westen und der Mitte auf. Die Temperaturen pendeln dabei um den Gefrierpunkt - Anfang März sei das "ganz normal", wie Wetterexperten erklärten.

Europaweite Kältewelle

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Zweistellige Minusgrade herrschen derzeit nicht nur in einigen Regionen Deutschlands, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern. Die Menschen in Großbritannien etwa erlebten den kältesten Märzanfang seit Beginn der Aufzeichnungen: Tausende Schulen blieben vor dem Wochenende geschlossen, Züge und Flugzeuge standen still. Zahlreiche Autofahrer blieben auf eingeschneiten Straßen liegen.

Nach dem Wetterchaos der vergangenen Tage hatten die Menschen auch in Italien mit Glatteis zu kämpfen. Vor allem im Norden und in der Mitte des Landes gab es zahlreiche Unfälle. Unter anderem die stark befahrene Autobahn zwischen Mailand und Bologna wurde zeitweise gesperrt. Auch in der Region Ligurien um Genua gab es weiter Probleme mit Glätte und Schneeregen. Zugverbindungen zwischen der Hafenstadt Genua und Mailand und Turin wurden eingestellt.

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Glatteisgefahr galt auch in Bulgarien: Die Behörden riefen am Freitag für die Region der Hauptstadt Sofia und für den Süden des Balkanlandes die höchste Warnstufe Rot aus, wie das Staatsradio berichtete. Besonders gefährliche Autobahn- und Landstraßenabschnitte könnten kurzfristig gesperrt werden, hieß es. Angesichts eines bis Montag verlängerten Wochenendes um Bulgariens Nationalfeiertag am 3. März wurde ein intensiver Reiseverkehr erwartet.

In Tschechien stieg die Zahl der Erfrorenen seit Beginn des aktuellen Kälteeinbruchs auf mindestens neun. Ein 56 Jahre alter Obdachloser wurde in einem Waldstück bei Pribram, rund 60 Kilometer südwestlich von Prag, tot aufgefunden. Am kältesten war es nach Angaben des tschechischen Wetterdienstes (CHMU) im Isergebirge im Norden des Landes unweit der deutschen Grenze, wo in der Nacht zu Freitag minus 26,6 Grad gemessen wurden. Schnee und Glatteis sorgten vielerorts für Verkehrsbehinderungen.

Probleme im Flugreiseverkehr

Schnee und Glätte schränkten den Flugverkehr am Brüsseler Flughafen vor dem Wochenende stark ein. "Verspätungen und sogar Stornierungen möglich", teilte der Airport auf Twitter mit. Wegen mangelnder Sicht und Glätte könne das Rollfeld nicht benutzt werden, sagte ein Flughafensprecher der belgischen Nachrichtenagentur Belga mit Blick auf die Bedingungen am Freitagabend. Dutzende Maschinen blieben auf dem Boden. Auf den belgischen Straßen sorgte das Winterwetter am Freitagabend laut Belga für mehr als 400 Kilometer Stau.

Heftiger Schneefall legte auch den Flughafen in Genf den zweiten Tag in Folge lahm. Mehrere Flüge wurden am Freitag gestrichen, ehe Start- und Landebahnen von den Schneemassen geräumt waren und der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Angestellte verteilten Wasserflaschen an gestrandete Passagiere. Es waren die ersten anhaltenden Schneefälle der Wintersaison in Genf. Die Stadt am westlichen Zipfel des Genfersees erlebt oft milde Winter, während es in anderen Landesteilen zu Tiefsttemperaturen und Schneechaos kommt.

Quelle: n-tv.de