Panorama

Eine(r) für alleWie Phönix aus der Asche

12.07.2026, 06:43 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecEine Kolume von Sabine Oelmann
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Diese Kollektion geht weit über Mode hinaus. Sie wurde zum Spiegel einer Zeit voller Schmerz, Verlust und Veränderung, aber ebenso zum Ausdruck von Stärke, Aufbruch und dem Wiederfinden von Mut. (Foto: IMAGO/Pacific Press Agency)

Ich war in der vergangenen Woche bei der Fashion Week. Glitzer, Glimmer, Funkel, Heititei? Ja, auch, is' halt 'ne Bubble, aber da geht noch mehr. In den Shows wird vieles gezeigt, was vom Alltag ablenkt - gut so -, es wird aber auch der "Alltag" - das Leben - verarbeitet. Was ein Designer besonders eindrucksvoll gezeigt hat.

Kollegen klatschten anerkennend, Käuferinnen und Käufer wollen haben, Influencende waren begeistert, Stars wie Céline Dion, Lady Gaga, Jennifer Lopez, Gwen Stefani, Queen Latifah, Ciara, Kylie Minogue und Heidi Klum bestellen: Als Kilian Kerner seine Show "Burning Symphony" in der Skatehalle auf dem zum Abriss befindlichen RAW-Gelände in Berlin gezeigt hat, war nichts, wie es sonst ist. Es herrschte vor allem Ruhe im Karton. Selbst meiner Sitznachbarin und mir verschlug es die Sprache, fast vergaßen wir, unsere Handys zu zücken, um auch alles später posten zu können. Was ich dann sowieso jedes Mal vergesse, aber egal. Uns war klar, dass draußen das Leben tobt, die Sonne scheint, und hier einer seine Seele über den Laufsteg schickt: "'Burning Symphony' ist meine emotionalste und intimste Kollektion und meine Art, das zu verarbeiten, was mein Leben in den vergangenen Monaten aus den Fugen gerissen hat", erzählt der Designer ntv.de.

Was ist denn passiert um Himmels Willen? "So viel", sagt er. "Es waren schlimme, anstrengende, aber eben auch die wohl prägendsten Monate meines Lebens." Körperliche und seelische Schmerzen, ein schwerer Krankheitsverlauf (die letzte Fashionweek erlebte Kerner nur im Nebel von Medikamenten, weil er kaum noch laufen konnte vor Schmerzen) und der Verlust seiner großen Liebe stellten den Designer vor die größte emotionale Herausforderung seines Lebens.

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36 Looks für Damen und Herren sind das Zeugnis der vergangenen Monate und eine intensive, emotionale und bildgewaltige Kollektion, die innere Gegensätze spürbar machten. (Foto: IMAGO/Pacific Press Agency)

Gleichzeitig feiert er berufliche Erfolge wie nie zuvor - die Mode des Berliner Designers wurde bereits auf den Bühnen New Yorks, in London, Barcelona, Los Angeles und zuletzt in Paris präsentiert. Mit seinem offiziellen Debüt auf der Paris Fashion Week in der legendären Opéra Garnier präsentierte er seine Kollektion erstmals bei einer der wichtigsten Fashionshows der Welt: "Manchmal konnte ich das alles gar nicht so richtig genießen", sagt er, "aber langsam dringt es zu mir durch." Er lacht. Das ist gut, denn er hat sich freigestrampelt. Künstler schreiben Bücher oder Songs, geben alles für eine Rolle - Fashiondesigner legen ihr Herzblut in das, was von anderen getragen werden kann.

"Ich habe es geschafft"

In jedem einzelnen Look Kerners stecken Schmerz, Verlust und Verzweiflung - aber genauso Hoffnung, die Kraft, wieder aufzustehen, und der Mut, weiterzugehen: "Noch nie habe ich so viel von mir in eine Kollektion gelegt. Deshalb war ich auch noch nie so stolz auf meine Arbeit. Dass diese Kollektion existiert, ist alles andere als selbstverständlich." Mit den Freunden, der Familie und Weggefährten an seiner Seite konnte er zu alter, vielleicht zu besserer, neuer Form auflaufen. Kerners Looks sind vielleicht nicht für jeden, und schon gar nicht immer alltagstauglich, aber sie sind das Ergebnis eines enormen Kraftakts: "Ich habe es geschafft."

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Zwischen innerer Zerrissenheit, Chaos, Leere und Stille begann Kilian Kerner, seine Gedanken in einem Buch festzuhalten. Seite für Seite schrieb er alles nieder, was ihn beschäftigte. Als das Buch gefüllt war, verbrannte er es und vergrub die Asche vor seinem Haus. Daraus entstanden ist "Burning Symphony". (Foto: IMAGO/Pacific Press Agency)

Fest steht: Das war seine bislang persönlichste und intimste Kollektion, "Burning Symphony" taut jede und jeden Eisblock auf. Schmerz, inneres Chaos und Verlust zeigte der Designer so deutlich, dass es, zumindest in der Frontrow, die ich mir mit so großartigen Frauen wie Annabelle Mandeng und Florence Kasumba teilen durfte, körperlich spürbar war. Ich zumindest hatte den Wunsch, einzelne Models auf meinen Schoß zu ziehen, um sie zu trösten und zu sagen, dass alles wieder gut wird. Das hat der Designer aber bereits selbst erledigt, denn im zweiten Teil der Show schimmerten, trotz der weiterhin dramatischen Musik, ganz deutlich Hoffnung, Heilung und Mut durch. "Heute kann ich sagen: Mir geht es wieder gut. Alles ist gut. Ich blicke mit Hoffnung, Mut und großer Dankbarkeit nach vorne."

Das bedeutet allerdings auch, dass er Deutschland erstmal den Rücken kehren wird, es zieht ihn in die "Stadt der Engel". Los Angeles ist der Ort, der für ihn Aufbruch, Freiheit und eine neue Perspektive symbolisiert. Dort wird er in sich hören, den Blick weiten, seine Mama und seine Liebsten vermissen. Und sich zu neuen Höhen aufschwingen.

Ein Ortswechsel - immer gut. Und damit viel Spaß und neue Einblicke für alle, die jetzt verreisen, der Sommer ist endgültig da, die Ferien beginnen und damit auch die Möglichkeit, sich selbst und das, was man hat, infrage zu stellen. Oder zu bestätigen.

Quelle: ntv.de

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