Panorama

Abriegeln und abwarten Wie das Coronavirus Europa in Schach hält

Nach der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 in Italien hält das europäische Präventionszentrum ECDC das Infektionsrisiko für Europäer für niedrig bis moderat. Das geht aus einer Risikobewertung hervor, die das ECDC auf seiner Website veröffentlichte. Das Risiko, dass anderswo in Europa ähnliche Cluster wie in Italien auftreten könnten, werde zurzeit als moderat bis hoch betrachtet. Einmal importiert könne sich das Virus schnell übertragen. Wie ist die aktuelle Lage? Ein Überblick.

Wie weit ist das Coronavirus in Europa verbreitet?

Das neue Coronavirus, das ursprünglich aus der chinesischen Großstadt Wuhan stammt, hat sich inzwischen in mehreren europäischen Ländern ausgebreitet. Neben Deutschland sind auch Italien und Frankreich betroffen.

Der erste Coronavirus-Fall in Deutschland wurde am 28. Januar in Bayern diagnostiziert. Der Mann, der geschäftlichen Kontakt nach China hatte, erkrankte nicht schwer und ist aktuell symptomfrei. Insgesamt wurden bislang rund 16 Infektionen in Deutschland gemeldet, 12 Patienten sind geheilt.

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In Italien ist die Lage deutlich dramatischer: Dort haben sich 219 Menschen mit dem Virus infiziert, 5 Menschen sind an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben. Allerdings wissen die Behörden nicht, woher das Virus kommt und welche Person es aus China eingeschleppt haben könnte. Das macht das Virus umso unberechenbarer.

In Frankreich haben sich 12 Menschen mit dem neuartigen Virus infiziert, ein Mensch ist daran gestorben.

Weitere Infektionen sind in Europa nicht bekannt, allerdings fürchten die Gesundheitsbehörden eine weitere Ausbreitung speziell aus Italien. Die Österreichische Bundesbahn stoppte am Sonntag sogar zeitweise die Verbindung mit Italien. Es wurde vermutet, dass sich in einem Zug zwei Frauen mit Coronavirus-Verdacht aufhielten. Der Verdacht bestätigte sich nicht, der Zug-Stopp wurde kurze Zeit später wieder aufgehoben.

Was tut Deutschland, um das Virus einzudämmen?

Deutschland setzt bei den bisherigen Coronavirus-Fällen vor allem auf Quarantäne: Personen, die aus der chinesischen Stadt Wuhan ausgeflogen worden sind, mussten 14 Tage lange in Quarantäne, um die Ausbreitung der möglichen Erkrankung zu verhindern. Auch die Passagiere, die auf Kreuzfahrtschiffen in Asien waren, werden nach ihrer Ankunft in Deutschland isoliert.

Das Bundesgesundheitsministerium teilt mit, dass Deutschland bestmöglich auf das Virus vorbereitet sei. "Vor allem das Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken in Deutschland ist international beispiellos. Wir verfügen über ein sehr gutes Krankheitswarn- und Meldesystem und Pandemiepläne. Außerdem werden in Deutschland regelmäßige Notfallübungen an Flughäfen durchgeführt", schreibt das Ministerium in einer Erklärung zur neuen Epidemie. Die Koordinierung und Informationen übernehme bundesweit das Robert-Koch-Institut (RKI).

Das RKI ist eine selbstständige Bundesbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Aus der Sicht der Experten seien Erkrankungen mit neuartigen Erregern allerdings schwer einzuschätzen. "Bislang gibt es in Deutschland nur wenige bestätigte Fälle oder kurze Infektionsketten, die ursprünglich mit einer Exposition in Wuhan in Zusammenhang standen", erklärt das RKI auf seiner Homepage.

Was tun andere EU-Staaten?

Italien:

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Italien verhängt drastische Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der Coronavirus-Fälle zu stoppen. Elf Städte in der Lombardei sind von den italienischen Behörden abgeriegelt worden. Auch der berühmte Karneval in Venedig fiel dem Virus zum Opfer, Spiele der ersten Fußball-Liga wurden abgesagt. Außerdem war die Mailänder Modewoche vom Virus betroffen. Die Schauen fanden zwar statt, doch die Unternehmen konnten selbst entscheiden, ob sie ihre Laufsteg-Shows absagen würden.

Frankreich:

Ebenso wie Deutschland setzt auch Frankreich auf Quarantäne-Maßnahmen. Bei den Infizierten handelt es sich vor allem um Wuhan-Rückkehrer, die das Virus aus der Krisen-Provinz Hubei eingeschleppt haben.

Spanien:

Auch die bisher nicht betroffenen europäischen Nachbarländer schauen nun genau hin. Der Leiter für gesundheitliche Notfälle in Spanien erklärte aber, dass bisher keine Grenzschließungen erwogen würden. In Spanien habe man überhaupt keine Probleme mit dem Virus, sagte Fernando Simón von der Behörde. Man stehe allerdings in engem Kontakt mit den italienischen Kollegen.

Griechenland:

In Griechenland sind bislang keine Coronavirusfälle erfasst. Doch der heftige Ausbruch in Italien hat Folgen: Bereits am Sonntag hatte Athen alle künftigen Klassenfahrten nach Italien verboten. Die Schüler von zehn Schulen, die sich zurzeit in Italien befinden, sollten zurück nach Griechenland kommen, teilte das Bildungsministerium mit. "Wir treffen alle diese Maßnahmen vorbeugend. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung", erklärte die griechische Bildungsministerin Niki Kerameos. Zudem werden seit heute die Besatzungen von Fähren, die zwischen Italien und Griechenland pendeln, informiert, welche vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden müssen, damit mögliche Verdachtsfälle rasch isoliert werden.

Wie kann eine Ansteckung vermieden werden?

Das RKI hält auf seiner Webseite spezielle Tipps für Italien-Reisende bereit: "Reisende, die mit einer der in Italien an COVID-19 erkrankten Personen einen persönlichen Kontakt hatten, sollten sich umgehend an ihr Gesundheitsamt wenden. Alle anderen Reisenden aus italienischen Regionen mit Erkrankungsfällen, die innerhalb von 14 Tagen nach Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten nach telefonischer Anmeldung und unter Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen", erklären die Experten. Zudem sollten die üblichen Hygienestandards eingehalten werden.

Welche Probleme gibt es bei den Verdachtsfällen?

Es ist unklar, ob sich in Europa weitere Menschen mit Coronavirus-Verdacht befinden, die noch nichts von ihrer möglichen Infektion wissen. Weil die Virus-Übertragung teilweise ohne Symptome verläuft, könnten weitaus mehr Menschen davon betroffen sein, als die europäischen Behörden derzeit wissen.

Quelle: ntv.de, mit dpa