Panorama

Unfälle mit Rollern häufen sich Wie gefährlich sind die E-Scooter?

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Viele Fahrer unterschätzen die Gefahren der schnellen Roller.

(Foto: imago images / Ralph Peters)

Seit Mitte Juni sind E-Scooter in Berlin und anderen deutschen Städten erlaubt. Vor allem Touristen nutzen die Roller gerne, um neue Orte zu erkunden. Doch immer wieder kommt es zu Unfällen. Was kann man dagegen tun?

Hunderte E-Scooter fluten derzeit die Straßen von Berlin. In anderen Ländern sind die Roller schon länger unterwegs, seit etwas mehr als zwei Wochen dürfen sie auch in Deutschland und damit auch in der Hauptstadt fahren. Die Mobilitätsoffensive hat ihren Preis, denn Polizei und Krankenhäuser melden bereits die ersten Unfälle mit dem neuen Verkehrsmittel.

Nach Angaben der Berliner Polizei gab es bereits zwei schwere Verkehrsunfälle mit den neuen Scootern und mehrere kleine mit Leichtverletzten. Kliniken sprechen allerdings von deutlich mehr. Annika Wichmann, Ärztin am Unfallkrankenhaus Berlin, erklärte gegenüber dem RBB, dass die Patienten erschreckt seien, wie unkontrollierbar die E-Scooter seien. Durch die Unfälle gebe es eine ganze Bandbreite von Verletzungen, beispielsweise leichte Gehirnerschütterungen und Knochenbrüche. Laut Wichmann ist es nur "eine Frage der Zeit", bis weitere schwere Verletzungen passieren würden. Bereits zwei Tage nach dem Scooter-Start in Berlin seien die ersten Verunfallten in dem Krankenhaus eingetroffen.

Bei einem Vorfall gab es einen E-Scooter-Zusammenstoß mit einer Straßenbahn, bei dem glücklicherweise nur Sachschaden entstand. Nach Angaben der Polizei könnte die Anzahl der Unfälle noch höher liegen, denn nicht jeder dieser Zusammenstöße werde auch bei der Polizei gemeldet.

Roller wird unterschätzt

Anscheinend unterschätzen die Verkehrsteilnehmer den elektrischen Roller. "Es ist ein relativ neues Verkehrsmittel und die Gefahr ist groß, dass die Leute denken 'naja, ich habe ja einen Führerschein, dann werde ich auch mit einem solchen Tretroller zurechtkommen' ", erklärt Polizeihauptkommissar Oliver Woitzik n-tv.de.

Viele Roller-Fahrer düsen dann einfach drauflos - ohne das Gerät vorher getestet zu haben. Die Polizei warnt deshalb explizit vor zu großer Sorglosigkeit: "Die Leute müssen sich erst einmal mit dem Fahrzeug vertraut machen und die Bremsen testen. Man sollte Kurven und einen Ausweichhaken fahren", rät Woitzik. Eine weitere Maßnahme würde ebenfalls deutlich mehr Sicherheit bringen: "Auch wenn es nicht vorgeschrieben ist, ist es wichtig, einen Schutzhelm zu tragen. Man kann immer mal stolpern oder ein Schlagloch übersehen."

*Datenschutz

Dabei sind die Regeln für E-Scooter-Fahrer überschaubar: Sie müssen mindestens 14 Jahre alt und dürfen nur auf Radwegen und Fahrradschutzstreifen unterwegs sein. "Sie dürfen nicht auf Busspuren, auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen fahren", heißt es auf dem offiziellen Info-Flyer der Polizei Berlin. Sind keine Radverkehrsflächen vorhanden, dürfen sie auf der Fahrbahn möglichst weit rechts fahren, lautet die weitere Anweisung.

Woitzik hofft, dass sich die Lage normalisieren wird: "Kamikaze-artige Unfälle hatten wir bislang noch nicht und wir setzen auch auf den gesunden Menschenverstand. Wir erwarten, dass die Menschen sich so verhalten, dass sie sich selbst nicht schädigen." Andere sprechen jedoch von einem hohen Gefahrenpotenzial: "Wir wissen aus internationalen Studien und Daten, dass das Verletzungspotenzial beim E-Scooter-Fahren sehr hoch ist", sagte Christopher Spering von der Klinik für Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen der dpa.

Unterschiedliche Regeln in EU-Ländern

In Berlin sind die Roller vor allem bei Touristen beliebt - das führt zu ganz speziellen Problemen. Denn in anderen Ländern sind die Scooter schon länger erlaubt, allerdings unter anderen Bedingungen, an die sich die Touristen gewöhnt haben: "Die Personen, die wir angetroffen haben, waren teilweise Touristen aus dem EU-Ausland. Die kennen die Verhaltensregeln aus ihrem Land", sagt Woitzik. "Wenn das Gehweg-Fahren beispielsweise in Paris und Barcelona erlaubt ist, dann nehmen sie diese Regeln auch mit und setzen sie hier in Berlin um. Aber bei uns ist das anders: Die Gehwegnutzung ist bei uns tabu." 

Außerdem wurden schon mehrere alkoholisierte Fahrer auf den Scootern erwischt. "Das sind die gleichen Promillegrenzen wie beim Autoverkehr. Ab 0,5 Promille ist es eine Ordnungswidrigkeit mit Fahrverbot", erklärt der Polizist. In fünf polizeilich gemeldeten Vorfällen standen die Fahrzeugführenden unter Alkoholeinfluss, wobei zwei Alkoholfahrten mit einem Verkehrsunfall endeten.

Die Polizei kann nur aufklären, um weitere Unfälle zu verhindern. Denn kaum ein Roller-Fahrer liest die Nutzungsbedingungen in den jeweiligen Ausleih-Apps der Unternehmen. So sollen demnächst mehrsprachige Flyer dabei helfen, ausländische Touristen in Berlin-Mitte aufzuklären. Auch ein Youtube-Tutorial der Polizei Berlin soll die Nutzer aus dem In- und Ausland informieren. "Wir wollen uns auch nochmal mit den vier offiziellen Verleihern in Berlin in Verbindung setzen", erklärt Woitzik. Inzwischen sind die E-Scooter ganz normal in die tägliche Verkehrsüberwachungsarbeit aufgenommen.

Quelle: ntv.de