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4310 Notrufe bei Münchner Amoktat Wie sich Einzelne mit Fehlinfos profilieren

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München steht unter Schock: Vor dem Olympia-Einkaufszentrum wurden etliche Blumen niedergelegt.

dpa

Bei dem Amoklauf in München kursieren etliche Falschmeldungen. Sie zeigen Tote von anderen Schauplätzen, berichten von Schüssen in der ganzen Stadt. Die Polizei ermahnt die Öffentlichkeit mehrfach. Andererseits nutzt sie Fotos und Handyvideos für die Ermittlungen.

Am Freitag geht um 17.52 Uhr der erste Notruf bei der Polizei München ein. In einem Schnellrestaurant nahe des Olympia-Einkaufszentrums sollen Schüsse gefallen sein. Bis Mitternacht wird es insgesamt 4310 Notrufe geben. An normalen Tagen sind es 1000 bis 1100, so die Polizei München.

Unter den Anrufern sind viele besorgte Bürger, die alle dasselbe gesehen haben: Ein Mann schießt erst in einem Schnellrestaurant und dann im OEZ um sich. Aber es gibt auch noch andere Meldungen. Sie lauten: "Schüsse am Stachus". "Schüsse am Marienplatz". "Schüsse am Isartor". Diese Meldungen werden nicht nur telefonisch, sondern auch über soziale Netzwerke verbreitet.

Etliche Meldungen stellen sich später als falsch heraus. Sie sorgen für Verunsicherungen und Spekulationen. Menschen in Todesangst verbarrikadieren sich im Zentrum von München in Restaurants und Geschäften. Polizisten rücken aus und suchen nach weiteren Tätern. Es sieht zunächst nach geplanten Terroranschlägen an mehreren Schauplätzen aus, wie im November 2015 in Paris. Am Ende des Tages kristallisiert sich heraus: Es ist der Amoklauf eines Einzeltäters.

Falschmelder wollen eigenen Account hervorheben

*Datenschutz

Vor allem das Netz schürt mit Spekulationen die Verunsicherungen. Wie viele Täter sind unterwegs? Wie viele sind es? Wo sind sie? Es kursieren erschütternde Bilder von Toten. Joachim Krause, Terror-Experte und Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, erklärt in einem Interview: Die ersten Bilder, die von dem Einkaufszentrum gezeigt worden seien, seien Bilder aus Beirut gewesen. "Da machen sich manche Leute den Spaß und stellen bei Facebook oder Twitter irgendwelche Meldungen ein und freuen sich, wenn das im Fernsehen erwähnt wird." Etliche nutzen die unübersichtliche Situation während des Amoklaufs, um mit gefälschten Bildern ihren eigenen Account hervorzuheben. Die Seite Buzzfeed zeigte eine Übersicht zu etlichen Fake-Postings.

*Datenschutz

Eine genaue Zahl, wie viele Falschmeldungen auf diese Weise verbreitet wurden, gibt es nicht. Irgendwann versucht die Polizei nicht nur die Menschen über Twitter zu informieren, sondern auch die Spekulationen und Falschmeldungen zu unterbinden: In mehreren Sprachen heißt es: "An alle, die Bilder von Opfern veröffentlichen: HÖRT AUF DAMIT!" Andererseits nutzt sie die sozialen Netzwerke auch für die Ermittlung: "Bitte keine Bilder und Videos von 'Schießerei 'München veröffentlichen. Stellt sie uns zu Verfügung", heißt es etwa.

Missbrauch von Notruf ist strafbar

Am Ende schaltet sich Innenminister Thomas de Maizière ein. Er zeigt sich besorgt über den "Beschleunigungseffekt für Gerüchte und Falschmeldungen", der von sozialen Medien in der Amoknacht ausgegangen sei. "So etwas beeinträchtigt am Ende auch die Effektivität der polizeilichen Arbeit und bindet Kräfte, die an anderer Stelle gebraucht würden."

Der Minister verweist auf das deutsche Strafrecht, das den Missbrauch von Notrufen und die Behinderung von Rettungsmaßnahmen unter Strafe stellt. Andererseits rief de Maizière die Bürger aber auch dazu auf, die Sicherheitsbehörden bei der Verhinderung von Amokläufen zu unterstützen. In der Bevölkerung solle der eine auf den anderen Acht geben und im Zweifel den Sicherheitsbehörden "mal einen Hinweis" geben. Das betont auch die Polizei. Wer etwas Verdächtiges beobachtet, der solle sich melden. Nach wie vor. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Aber allen, die gezielte Falschinformationen streuen, werde man klarmachen, dass das kein Spaß ist.

Quelle: n-tv.de

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