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Erinnerung an extreme Dürre 1540 Wie viel Regen fehlt eigentlich?

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Bei Niedrigwasser wie hier auf dem Rhein bei Köln können Schiffe weniger laden.

(Foto: dpa)

Nach sieben "Sommermonaten" kämpfen Schiffer deutschlandweit mit Niedrigwasser. In den Alpen ist es dagegen selbst für die Produktion von Kunstschnee zu warm. Und wann zieht man in solch einem verrückten Wetterjahr die Winterreifen auf?

Mit dem Oktober erleben wir derzeit bereits den siebten "Sommermonat" in Folge. Die Temperaturabweichung des Oktober 2018 beträgt aktuell fast 3,7 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. Gleichzeitig ist das Sonnensoll fast voll und die Regenbilanz dementsprechend desaströs. Landesweit sind im Oktober durchschnittlich noch keine zehn Liter pro Quadratmeter gefallen. Das alleine wäre nicht schlimm, wenn es in den Wochen und Monaten zuvor nassere Witterungsphasen gegeben hätte. Doch seit April waren alle Monate zu trocken oder sogar deutlich zu trocken.

Sinnbildlich für diese extreme Trockenheit stehen inzwischen die Stauseen und Flüsse. Nahezu an allen Bächen, Flüssen und Strömen herrscht Niedrigwasser. Elbe, Oder und Rhein bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau bis hin zu Rekord-Tiefstständen. Das gilt aktuell beispielsweise am Niederrhein, wo im Prinzip täglich neue Allzeit-Rekorde vermeldet werden können.

Selbst negative Pegelstände könnten zum Beispiel in Emmerich in den kommenden Tagen gemeldet werden, denn die Pegelprognose liegt in den nächsten zehn Tagen bei einer Spanne von 0,25 bis -0,15. Das heißt zwar nicht, dass das Rhein dort austrocknet. Doch der Referenzwert an der Messstation geht unter seinen Nullwert. Die Schifffahrtsrinne ist hingegen deutlich tiefer ausgebaggert, so dass der Pegelwert nicht direkt auf die tatsächliche Wassertiefe schließen lässt, die im Rhein bei Emmerich noch über zwei Meter sein dürfte. Nichtsdestotrotz hat dieses Niedrigwasser natürlich Auswirkungen auf die Schifffahrt: die Zuladung ist geringer und damit erhöht sich das Schifffahrtsaufkommen.

Dutzende Liter Regenwasser

Bleibt die Frage: Wie viel müsste es eigentlich regnen, um eine Normalisierung der Verhältnisse zu schaffen? Betrachtet man das Wasserdefizit des Jahres 2018 bisher, dann müssten es flächendeckend und deutschlandweit um die 150 Liter pro Quadratmeter sein. Ein wahrer Fabelwert, wenn wir die Prognosen der Wettermodelle bis Mitte nächster Woche damit vergleichen. Erst zum Monatsende könnte es tatsächlich deutlich nasser werden. Aber ob es in diesem unglaublichen Wetterjahr tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten.

Wesentlich sicherer ist dagegen, dass es zu Beginn der nächsten Woche spürbar kühler wird. Zumindest berechnen zur Zeit alle namhaften Wettermodelle einen Vorstoß kälterer Luft aus nordwestlichen Richtungen. Ob die tatsächlich nachhaltig ist, ist noch völlig offen. Allerdings gibt es Ansätze, die zeigen, dass auch ein richtiger Wintervorstoß mit Schnee in den Mittelgebirgen zum Monatsende oder Beginn des Novembers im Bereich der Möglichkeiten liegt.

Zeit, an Winterreifen zu denken

Insofern ist es gar nicht abwegig, an Winterreifen zu denken - auch wenn es in Deutschland keinen bestimmten Zeitraum gibt, ab dem man mit Winterreifen fahren sollte. Ab wann man diese braucht, ist nämlich wirklich rein wetterabhängig. Wenn Schnee, Schneematsch oder Glatteis aber erstmal da sind, darf man nur mit entsprechender Ausrüstung fahren. Wer reine Sommerreifen drauf hat, muss das Auto stehenlassen.

Und apropos "Stehen": Stillstand herrscht momentan ebenfalls in den hochgelegenen Skiregionen der Alpen, wo es selbst für die Kunstschneeproduktion zu warm ist. Angesichts der näher rückenden Saisonstarts dürfte man dort mindestens genauso eifrig auf die Wetterentwicklung schauen wie die Flussschiffer oder die Landwirte, die - nach einem schwierigen Jahr bisher - sicherlich mit Sorge auf die Aussaat der Wintergetreide blicken.

Zum Schluss noch die Frage: Hat es eine vergleichbare Trockenperiode bei uns schon einmal gegeben? Ja. Das Jahr 1540 hat in Mitteleuropa eine bis dato unvergleichbare Trockenheit gebracht. Damals regnete es elf Monate lang nicht, so dass selbst die Wissenschaft von einer "Mega-Dürre" spricht. Hoffentlich ein Szenario, das den Geschichtsbüchern vorbehalten bleibt.

Quelle: n-tv.de

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