Panorama

Tief bläst Polarluft weg Winter bleibt nur übers Wochenende

Weiße Flocken versöhnen zurzeit viele Menschen mit dem grauen, dunklen Winter. Auch am Wochenende können sich Schneefreunde freuen. Doch dann kommt ein Atlantiktief und bereitet der Pracht vorerst ein Ende. Abschreiben sollte man den Winter aber noch lange nicht.

ntv.de: Schnee, eiskalte Nächte - der Winter ist gekommen. Will er denn auch länger bleiben?

Björn Alexander: Am Wochenende auf jeden Fall. Am Sonntag könnte es sogar für die bisher noch schneefreien Tieflagen im Westen unseres Landes für einen kleinen weißen Anstrich reichen. Aber der ist nicht von langer Dauer. Denn in der nächsten Woche übernehmen die Tiefs vom Atlantik her wieder die Wetterregie, und die Winterluft wird weit weggeblasen.

Wie weit denn?

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Wie hier in Garmisch-Partenkirchen kommt zurzeit vielerorts ganz schön was runter.

(Foto: dpa)

Ganz schön weit weg. Derzeit liegen wir im Bereich von kalter Polarluft. Ein bisschen weiter östlich streift sogar richtig eisige Winterluft aus Sibirien durch. Eigentlich eine gute Ausgangslage für alle Winterfreunde, da der Hochwinter damit gar nicht so weit weg ist. Doch selbst der kollabierte Polarwirbel kann uns den Winter nicht sichern. Stattdessen wird die Hochwinterluft von Westen bis weit nach Russland zurückgeblasen. Auch Südosteuropa bekommt einen kurzen Winterstreifschuss, bevor sich die letzte europäische Winterbastion in Skandinavien bildet.

War es das dann mit dem Winter?

Davon ist vorerst einmal nicht auszugehen. Schlussendlich sind wir im Januar und Februar mitten im Hochwinter. Und zumindest steigen auch ab Mitte der kommenden Woche die Chancen auf kältere Luft wieder etwas an. Wobei die richtige Kaltluft dann ziemlich weit weg sein wird.

Der Polarwirbel ist kollabiert. Was bedeutet das denn grundsätzlich?

Dass die Wahrscheinlichkeit von Wetterlagen mit Strömungen aus nördlichen oder östlichen Breiten erhöht ist. Das zeigte zuletzt beispielsweise der massive Wintereinbruch in Spanien. Und auch die aktuelle Wetterlage mit der sibirischen Kaltluft bis an die Grenzen Europas kann als eine Folge des zerstörten Polarwirbels gesehen werden.

Aber das scheint kein richtiger Winter-Garant zu sein, oder?

So ist es. Und das werden wir in der nächsten Woche ganz schön zu spüren bekommen. Von Tauwetter und Regen mit steigenden Pegelständen bis hin zu einer ausgewachsenen Sturmlage ist alles möglich. Das Ganze bei bis zu 10 Grad am Rhein. Zumindest hat der Wetterwechsel aber auch ein Gutes. Unsere Trinkwasserspeicher und Böden, die fürs Frühjahr unbedingt noch Wasser brauchen, könnten bis zum Monatsende noch reichlich Wasser bekommen.

Wie viel Regen wird uns der Januar 2021 denn noch bringen?

Wenn es so kommt, wie es das Amerikanische Wettermodell momentan für die zweite Januar-Hälfte berechnet, dann wären es im Osten 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Ansonsten verbreitet 60 bis an die 100 Liter. In den Staulagen der Mittelgebirge und insbesondere am Schwarzwald bis zu 150 Liter. Allerdings ist natürlich fraglich, ob es nicht zwischendrin im Bergland wieder vermehrt für Schnee reichen wird. Dann hätten wir zumindest mal eine kurze Zwischenspeicherung des Wassers.

Ist damit auch ein Hochwasser möglich?

Nächste Woche werden die Pegelstände sicherlich deutlich ansteigen. Da aber die Ausgangslage jetzt vielerorts entspannt ist, ist auch noch viel Platz in den Flussbetten vorhanden. Aber gerade am Rhein und seinen Nebelflüssen oder an der Donau könnte natürlich bei Tauwetter und Regen einiges an Wasser hinzukommen. Auf jeden Fall werden die Flüsse deutlich anschwellen.

Wie sind denn die Details vorm großen Tauwetter?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Am Samstag erwartet uns nach teilweise eisiger Nacht ruhiges Winterwetter mit zeitweiligem Sonnenschein. Höchstens vom Erzgebirge bis in den Südosten könnten noch ein paar Schneeflocken fallen. Dazu gibt es verbreitet Dauerfrost bei maximal minus 6 bis 0 Grad. Einzig im Nordwesten und vom Niederrhein bis runter ins Rhein-Main-Gebiet sind leichte Plusgrade bis zu 2 Grad drin.

Welches Wetter bringt uns der Sonntag?

In der Nacht zu Sonntag beginnt es im Westen zu schneien, auch am Rhein könnte es somit am Sonntag ein weißes Erwachen geben - zum ersten Mal seit Jahren. Jedoch ist zum Schneemannbauen früh aufstehen die Devise. Tagsüber geht der Schnee in den tieferen Lagen nämlich schon schnell in Regen über. Stellenweise mit der Gefahr von Glatteis und gefrierendem Regen. Trocken und freundlich bis sonnig geht es im Osten weiter. Die Temperaturen: minus 5 bis plus 4 Grad. Hierbei wird es aus Westen allmählich milder.

Und am Montag?

Da müssen wir vor allem in der Osthälfte und im Bergland mit Glätte durch Schnee, Schneeregen oder gefrierenden Regen rechnen. Je nach Timing könnte es eine durchaus brenzlige Glättelage werden. Für Details ist es allerdings noch zu früh. Sicher ist auf jeden Fall, dass der Westen markantere Plusgrade bis 5 Grad bekommt, während sich weiter ostwärts die Winterluft hält mit maximal minus 2 Grad auf den östlichen Mittelgebirgen.

Wie sieht es am Dienstag und Mittwoch aus?

Überwiegend wolkig oder wechselhaft mit weiter ansteigenden Temperaturen. Meistens werden es zwischen 2 und knapp 10 Grad. Der Wind legt weiter zu. Auch eine Sturmlage ist nicht ganz auszuschließen. Aber auch hier ist es für Details noch zu früh.

Ab wann wird es wieder kälter?

Ab Donnerstag steigen die Chancen auf eine Rückkehr der kälteren Luft. Für wie viel Winterfeeling es reichen wird, ist aber noch völlig offen.

Quelle: ntv.de