Panorama

Corona-Krise in den USA "Wir nehmen ununterbrochen Patienten auf"

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Am Mount Sinai Krankenhaus ist kaum noch ein Bett frei.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Corona-Krise hat auch die Vereinigten Staaten voll im Griff - und die Lage verschärft sich zunehmend. Mittlerweile sind über 245.000 Menschen dort mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 6059 und steigt tagtäglich an. Allein in New York liegt die Zahl der bekannten Fälle bei 92.381, erklärte Gouverneur Andrew Cuomo. 2373 starben demnach hier an dem Virus. Um die New Yorker Krankenhäuser zu unterstützen, wurde im Central Park ein Feld-Krankenhaus aufgebaut. Der deutsche Intensivmediziner Dr. Nils Hennig ist Spezialist für Infektionskrankheiten am Mount-Sinai-Krankenhaus in New York und schildert die Situation in der Stadt.

ntv: Herr Hennig, wir stehen hier direkt vor dem Feld-Krankenhaus, das hier im Central Park aufgebaut wurde. Wie ist denn die Situation momentan bei Ihnen im Krankenhaus?

Dr. Nils Hennig: Wir kämpfen mit den Patienten, die wir hier ununterbrochen aufnehmen. Bei uns im Krankenhaus haben wir die Bettenzahl verdoppelt. Wir haben in der Lobby, in der Caféteria und in den Gängen vom Krankenhaus Betten aufgebaut, damit wir das Patientenaufkommen auch bewältigen können.

Wie sind Sie beim medizinischen Personal aufgestellt?

Es wurden auch alle Leute rekrutiert, die sonst in Forschung und Lehre tätig sind. Wir haben die nicht Covid-19 orientierte Forschung eingestellt. So können die Leute, die sonst in der Forschung sind, sich auch um die Patienten kümmern. Ärzte, die sonst unterrichten, sind ebenso rekrutiert worden.

Amerika ist immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. New York ist so eine schillernde Stadt. Jetzt sehen wir diese Bilder aus den Krankenhäusern. Wie lässt sich erklären, dass die USA so langsam auf die Pandemie reagieren?

Das hat damit zu tun, dass das Gesundheitssystem in Amerika auf solche Infiziertenzahlen nicht vorbereitet ist. In jedem Fall sind die USA viel schlechter vorbereitet als andere Gesundheitssysteme in entwickelten Ländern. Zum Beispiel gibt es in Deutschland neun Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner, in Amerika sind das nur 2,8. Das heißt also, wenn so etwas wie eine Pandemie passiert, gibt es da kaum noch Kapazitäten.

Welche Rolle spielen die Unterschiede bei der Krankenversicherung?

Viele Leute sind nicht krankenversichert. Und die Menschen, die krankenversichert sind, müssen sehr hohe Zuzahlungen leisten, wenn sie sich in ärztliche Behandlung begeben. Deswegen gehen sie nicht so gerne zum Arzt und haben folglich mehr Grunderkrankungen. Genau die machen sie aber besonders anfällig für schwerwiegende Verläufe des Virus. Deswegen sehen wir mehr Schwerkranke.

Mit Niels Hennig sprach Hanna Klouth

Quelle: ntv.de

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