Panorama

Zwei Jahre spurlos verschwunden "Wir suchen weiter nach Rebecca"

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Auch zwei Jahre nach dem Verschwinden von Rebecca bleibt der aufsehenerregende Fall rätselhaft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor zwei Jahren verschwindet die 15-jährige Rebecca aus dem Haus ihrer Schwester. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Der Verdacht der Polizei gegen Rebeccas Schwager hat sich bis heute nicht aufgelöst. Doch die Familie will nach wie vor an seine Unschuld glauben.

Mit dem Verstreichen von Monaten und Jahren sinkt die Hoffnung weiter. Direkt nach dem Verschwinden der 15-jährigen Rebecca aus Berlin zeigten sich Verwandte und Freunde zunächst noch optimistisch, dass das blonde Mädchen wieder auftauchen könnte. Vielleicht ist sie weggelaufen, sagten die einen. Oder sie wurde entführt, vermutete die Familie, die bis heute die Hoffnung nicht aufgegeben hat, Rebecca irgendwann wieder in die Arme schließen zu können.

Nun jährt sich der verhängnisvolle Tag allerdings schon zum zweiten Mal, und es sind kaum noch Stimmen außerhalb der Familie zu hören, die auf ein gutes Ende des aufsehenerregenden Falls hoffen. "Unterm Strich gibt es nichts Neues", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Und dennoch: In Rebeccas Zimmer hat sich nichts verändert. Alles ist noch genauso, wie an jenem Tag vor zwei Jahren, als sie es verlassen hat. Ihre Mutter pflege es noch und habe nichts angerührt, erzählt RTL-Reporter Heinz Kegl, der die Familie in der schweren Zeit begleitet hat. "Immer in der Hoffnung, Rebecca kommt wieder und wird das Zimmer weiter nutzen. So als wäre nichts gewesen."

Die Jahre der Ungewissheit zehrten an den Angehörigen, sagt Kegl. "Die Mutter sagte zu mir einmal in einem sehr engen Moment: Wenn ich wenigstens wüsste, was passiert ist. Auch, wenn sie tot wäre, würde ich es leichter verkraften, als diese momentane Situation der Ungewissheit." Die Familie klammere sich bis heute an die Vorstellung, dass Rebecca noch lebt. "Sie glauben, irgendwo wird Rebecca festgehalten und man muss sie nur finden, um sie wieder gesund nach Hause zu bringen." Eine These, die der Familie Halt geben kann. Doch Ermittlungen der Polizei und intensive Recherchen zweier Journalistinnen erhärten den Mordverdacht der Kriminalpolizei gegenüber Rebeccas Schwager.

Die Fakten zum Fall Rebecca

Was bisher bekannt ist: Das Mädchen wird seit dem Vormittag des 18. Februar 2019 vermisst. Zuletzt war sie im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers im Stadtteil Britz in Berlin-Neukölln. Sie kommt an dem Tag nicht in der Schule an und meldet sich auch sonst nicht mehr. Die Polizei und Helfer suchen aufwendig die Umgebung ab, finden aber nichts. Schnell verdächtigt die Polizei den 27-jährigen Mann von Rebeccas Schwester, der an dem Morgen alleine mit der Schülerin im Haus war.

Er wird zweimal festgenommen und wieder freigelassen. Er bestreitet, etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben. Auch die Familie stand immer hinter ihm. Der Schwager sagt, Rebecca habe das Haus verlassen. Das konnte die Mordkommission anhand der Handydaten nicht feststellen. Sie geht davon aus, "dass Rebecca das Haus des Schwagers nicht lebend verlassen hat", wie die Staatsanwaltschaft mehrfach betonte. Dennoch ist die Familie bis heute fest von der Unschuld des Schwagers überzeugt. "Sie sehen ihn als Opfer und verteidigen ihn", erklärt Reporter Kegl.

Selbst als das Auto der Familie am 18. und 19. Februar auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen erfasst wird. Der Schwager hatte als einziger zu diesen Zeitpunkten Zugang zu dem Wagen, kann aber nicht plausibel erklären, warum er dort unterwegs war. Mehr als 2000 Hinweise gehen ein. Die Polizei sucht wochenlang in Wäldern und an Seen im dünn besiedelten Brandenburg 50 Kilometer südöstlich von Berlin nach der Leiche von Rebecca. Hunderte Polizisten, Leichenspürhunde, Taucher sind im Einsatz - und finden nichts. Rebecca bleibt verschwunden, bis heute.

Die Kriminalpolizei hält weiter den Schwager für den Mörder. Beweisen kann sie ihm das aber nicht. Das dürfte auch in Zukunft nicht einfacher werden. Von einer Leiche in einem Wald oder See bleibt nach mehreren Jahren oft nicht mehr viel übrig, was die Suche nach Todesursache und Spuren fast unmöglich macht.

Podcast bringt neue Hinweise ans Licht

Für neue Debatten sorgten in den vergangenen Monaten intensive Recherchen von zwei Journalistinnen, die einige Informationen zum Fall Rebecca zutage förderten, die in der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt waren. Sie stießen bei der Arbeit für ihren Podcast "Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch" auf eine Zeugin, die der Polizei einen Hinweis zu einem bestimmten Waldgebiet gegeben hatte. Bekannt war schon, dass ein anderer Zeuge ein Auto, das aussah wie der weinrote Renault Twingo des Schwagers, nahe einem Wald beim Ort Kummersdorf südlich der Autobahn gesehen hatte.

Die Frau schilderte den Journalistinnen, wie sie und zwei Freundinnen einen auffälligen jungen Mann im Wald sahen. Zu dritt seien sie mit Pferden in dem Waldstück unterwegs gewesen, sagte die Frau laut dem Podcast-Bericht. Zwischen den Bäumen hätten sie den Mann mit Baseballkappe gesehen. Er sei direkt aus dem Wald gekommen und habe sich ständig in alle Richtungen umgesehen. Als er die Reiterinnen bemerkt habe, sei er schneller gegangen, habe seine Richtung geändert und nur noch nach unten gesehen. Durch Smartphone-Fotos hätten sie später den Zeitpunkt bestimmen können: 18. Februar 2019, kurz vor Mittag. Die Polizei habe sie dann mehrfach zu dem Vorfall befragt.

Ein wenig günstiges Licht auf den verdächtigen Schwager warfen Berichte von zwei Ex-Freundinnen, die laut dem Podcast mit den Journalistinnen sprachen und schrieben. Rebeccas Familie und Bekannte hatten ihn immer als liebevollen Familienvater geschildert. Die beiden Frauen, die längst keinen Kontakt mehr zu ihm haben, sagten unabhängig voneinander, er habe sie damals immer wieder geschlagen, brutal verprügelt und auch mal eingesperrt, wenn es Streit gab. Beweise dafür gibt es nicht, angezeigt haben sie ihn nicht. Die Vorwürfe sind der Polizei bekannt, wie Ermittler bestätigen.

Polizei und Eltern geben Hoffnung nicht auf

Neue Informationen zum Fall Rebecca brachte der Podcast "Im Dunkeln" allerdings nur für die Hörer. Die Polizei kannte die Zeugen und hatte damals mit ihnen gesprochen. Ihre Konzentration auf den verdächtigen Schwager wird so jedoch noch verständlicher, auch wenn eben nur Indizien und keine Beweise vorliegen. Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner sagte kürzlich in einer aktuellen Stellungnahme: "An den Verdachtsmomenten hat sich nichts verändert. Es ist ein Verdacht, nicht mehr und nicht weniger."

Von den Ermittlern ist zu hören, dass der Fall so kompliziert ist, weil zwei ungewöhnliche und ungünstige Faktoren zusammenkommen. "Es gibt keine Leiche. Und wir haben keine Spuren gefunden, weder im Haus noch im Auto", heißt es aus der Staatsanwaltschaft. Beides zusammen sei für Ermittlungen ganz schwierig. Sprecher Steltner betonte aber: "Wir suchen weiter nach Rebecca." Viele Mordfälle und andere Tötungsdelikte könnten noch nach Jahren aufgeklärt werden. "Darauf bauen wir. Auch im Fall Rebecca."

Für die Eltern von Rebecca ist das kein Trost. "Seit zwei Jahren stellen sich Tag und Nacht immer die gleichen Fragen: Wo ist Rebecca? Was ist passiert? Wie wird das Ganze enden? Und wann wird es enden?", erzählt Reporter Kegl. Die Mutter habe ihm einmal gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. "Und das ist auch das Credo, das sie noch immer verfolgen."

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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