Panorama

Kölner Missbrauchsgutachten Woelki beurlaubt zwei Mitarbeiter

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Die Gutachter sehen keine Pflichtverletzungen bei Kardinal Woelki.

(Foto: dpa)

Ein zweites Gutachten soll Missbrauchsfälle im Bistum Köln aufarbeiten. Mehrere Pflichtverletzungen werden einem jetzigen Hamburger Bischof vorgeworfen. Der in der Kritik stehende Kardinal Woelki wird hingegen entlastet. Zwei seiner Mitarbeiter beurlaubt Woelki aber sofort.

Der Strafrechtler Björn Gercke hat dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln vorgeworfen. Heße war zuvor in Köln Generalvikar. Beim Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sehen Gercke und sein Team dagegen keine Pflichtverletzungen. Die meisten Pflichtverletzungen werden dem verstorbenen frühere Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zur Last gelegt. Das sagten Gercke und die Rechtsanwältin Kerstin Stirner in Köln bei der Vorstellung ihres Gutachtens.

Gercke und sein Team stellten in dem Gutachten insgesamt Hinweise auf 202 Beschuldigte fest. Dabei handelt es sich um Verletzungen von Aufklärungs-, Anzeige- und Sanktionierungspflichten, aber auch um mangelnde Opferfürsorge und Versäumnisse bei der Verhinderung weiterer Taten. Es sei das erste Gutachten dieser Art, in dem ungeschwärzt auch die Namen von Verantwortlichen genannt würden, sagte Gercke. Dafür wurden in den vergangenen Monaten die Kirchenakten von 1975 bis 2018 ausgewertet.

Die Opfer der sexuellen Übergriffe waren demnach mehrheitlich Jungen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handele es sich um Kleriker, also Priester. In knapp 32 Prozent der Fälle habe es sich um sexuellen Missbrauch gehandelt, in gut 15 Prozent um schweren sexuellen Missbrauch. Die anderen Fälle stuft Gercke unter anderem als Grenzverletzungen und sonstige sexuelle Verfehlungen ein.

Erhebliche Versäumnisse

Gerke fand deutliche Worte für den Umgang mit Missbrauchstaten in der Vergangenheit. Die Auswertung der Akten habe unter anderem ergeben, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen", kritisierte er. Besonders offensichtlich sei geworden, dass die Aktenführung in Verdachtsfällen "lange Zeit äußerst mangelhaft" war. Das Anwaltsteam betonte jedoch, dass während der Erstellung des Gutachtens aus dem Erzbistum viele Akten auf Nachfrage und später auch aus Eigeninitiative nachgereicht wurden.

Als Reaktion auf das Gutachten entband Woelki seinen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Erzbischöflichen Gerichts, Offizial Günter Assenmacher, wegen Pflichtverletzungen mit sofortiger Wirkung vorläufig von ihren Ämtern. Woelki sprach von "Vertuschung" in seinem Bistum. Der Erzbischof hatte bereits angekündigt, mögliche personelle Konsequenzen nach der Veröffentlichung des Gutachtens am Dienstag kommender Woche bekannt zu geben. Dem kam er nun zuvor. Schwaderlapp teilte inzwischen mit, er habe dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten."Ich bitte Papst Franziskus um sein Urteil", schrieb er in einer Stellungsnahme. "Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein."

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war von Kardinal Woelki unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst und führte zu zahlreichen Kirchenaustritten.

Quelle: ntv.de, sba/mli/dpa

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