Bei HilfsversuchWolf biss Frau in Hamburg ins Gesicht

In Hamburg kommt es am Montagabend mutmaßlich zum ersten Wolfsangriff auf einen Menschen in Deutschland seit Jahrzehnten. Eine Frau muss verletzt ins Krankenhaus gebracht. Nun gibt es neue Details zu dem Zwischenfall.
Rund einen Tag nach dem Wolfsangriff auf eine Frau in einer Hamburger Einkaufsstraße werden neue Details zu dem Vorfall und den erlittenen Verletzungen des Opfers bekannt. Medienberichten zufolge biss der Wolf der Frau ins Gesicht. Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR) musste die Wunde in einem Krankenhaus genäht werden. Anschließend habe die Frau die Klinik aber wieder verlassen können. Die Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank bestätigte diese Informationen bei einer Pressekonferenz am Nachmittag.
Das Tier - mutmaßlich ein Jungwolf, der von seinem Rudel verstoßen wurde - war im Hamburger Bezirk Altona in einer mit gläsernen Automatiktüren gesicherten Einkaufspassage gefangen gewesen. Fegebank sprach von einem Supermarkt. Mehrmals sei der Wolf gegen eine Glasscheibe gelaufen, schrieb der NDR. Die Frau habe versucht, ihn aus der Passage zu führen und sei daraufhin verletzt worden. Warum er sich in der Stadt aufhielt, ist unklar.
Nach dem Angriff auf die Frau verschwand der Wolf zunächst. Am späten Montagabend zogen Polizisten das geschwächte Tier dann mit einer Schlinge aus der Binnenalster, einem See in der Hamburger Innenstadt. Inzwischen ist der Wolf im Wildgehege Klövensteen sicher untergebracht und wird tiermedizinisch versorgt. Über den weiteren Verbleib des Tieres und den Umgang mit ihm soll die Umweltbehörde zeitnah entscheiden.
Der Vorfall sei ein Präzedenzfall, wie es ihn nach Informationen der Umweltbehörde in Deutschland noch nicht gegeben habe, sagte Fegebank. Das Tier sei bereits am Samstag in Hamburg gesichtet worden, am Sonntag habe die Behörde davon erfahren. Bis Montagabend habe der Wolf das arttypische scheue Verhalten gezeigt. "Gestern Abend kam es dann zu einer unerwarteten und auch sehr überraschenden Verhaltensänderung."
Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete den präventiven Abschuss eines streng geschützten Tieres, betonte sie. Eine aktive Treibjagd wäre ein unkalkulierbares Risiko gewesen. Es hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen kommen können. Zum weiteren Umgang mit dem gefangenen Wolf sagte Fegebank: "Wir werden sehr zeitnah eine Lösung finden."
In den Niederlanden attackierte ein Wolf Ende Juli vergangenen Jahres ein Kind. Der sechsjährige Junge hatte in der Nähe der Pyramide von Austerlitz, einem Wahrzeichen in der Region Utrecht im Zentrum des Landes, gespielt. Dann habe sich der Wolf auf seinen Sohn gestürzt, diesen an der Achselhöhle gepackt und in ein Gebüsch gezerrt, schilderte der Vater des Jungen dem Sender RTL. Augenzeugen verscheuchten den Wolf demnach mit Stockschlägen. Der Sechsjährige kam mit Bisswunden ins Krankenhaus.