Panorama

Wo startete die Pandemie? Wuhans Bio-Labor weist Vorwürfe zurück

Nicht nur US-Präsident Trump verbreitet die Idee, dass das Coronavirus in Wirklichkeit aus einem bestimmten chinesischen Labor stammt. Der Leiter der Einrichtung, die die größte Virusbank Asiens beheimatet, wehrt sich gegen die Unterstellungen.

Der Laborleiter des Instituts für Virologie im chinesischen Wuhan hat Vorwürfe, seine Einrichtung könnte der Ursprung der Corona-Pandemie sein, zurückgewiesen. "Ich weiß, dass dies unmöglich ist", sagte Yuan Zhiming dem staatlichen Sender CGTN am Samstag. Keiner seiner Mitarbeiter habe sich infiziert. Sein Team wisse genau, "welche Art von Forschung am Institut stattfindet und wie das Institut mit Viren und Proben umgeht".

Nach den bisherigen Erkenntnissen war das neuartige Corona-Virus in Wuhan - wie schon 2002 das Sars-Virus - von einem Tiermarkt ausgegangen, wo erste Erkrankungen aufgetreten waren. Experten gehen davon aus, dass es von Fledermäusen stammt und auch über ein anderes Tier als Wirt verbreitet worden sein könnte. Zwischen den USA und China hat sich aber ein Schlagabtausch um die Herkunft des Virus entwickelt. Die US-Regierung schließt nach eigenen Angaben nicht aus, dass das Virus aus dem außerhalb der Millionen-Metropole gelegenen Bio-Labor stammt.

Weil das Labor in dem Ort sei, wo das Virus im Dezember erstmals aufgetreten war, wecke dies bei den Menschen automatisch Assoziationen, sagte Yuan. Einige Medien versuchten aber "absichtlich, die Menschen in die Irre zu führen". Die Berichte von US-Medien beruhten "ausschließlich auf Spekulationen", nicht auf "Beweisen oder Wissen".

Der Streit um Zeitpunkt und Ursache des Corona-Ausbruches hat eine politische Dimension. In den USA hatte es in den vergangenen Tagen angesichts der stark steigenden Zahlen an Corona-Infizierten erhebliche Vorwürfe gegen China gegeben. US-Präsident Donald Trump hatte in diesem Zusammenhang einen Zahlungsstopp an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkündet, weil diese zu eng mit China zusammenarbeite. US-Außenminister Mike Pompeo hatte China am Donnerstag vorgeworfen, die Welt nicht rechtzeitig über den Corona-Ausbruch informiert zu haben.

Mehr als 1500 Erregerstämme

Das Institut hatte bereits im Februar die damals kursierenden Gerüchte zurückgewiesen. Demnach erhielten die Laboranten in Wuhan am 30. Dezember erstmals Proben des noch unbekannten Virus und entschlüsselten sein Genom am 2. Januar. Die Informationen über den Krankheitserreger seien dann am 11. Januar der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übergeben worden.

Das Wuhan Institut für Virologie beheimatet die größte Virusbank Asiens: das chinesische Zentrum für die Sammlung von Viruskulturen. Mehr als 1500 verschiedene Erregerstämme sind laut der Website des Instituts dort vorhanden. Das Zentrum ist das erste Bioforschungslabor der höchsten Sicherheitsstufe in ganz Asien. In solchen Laboren dürfen hochansteckende Krankheitserreger der Klasse vier - etwa Ebola-Viren - aufbewahrt werden. Das US-Magazin "Forbes" erinnerte unlängst daran, dass die USA beim Aufbau des Labors geholfen hätten.

Quelle: ntv.de, ter/AFP