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Tödliche Keime in Fleischwaren Wurst-Hersteller Wilke beantragt Insolvenz

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Das Unternehmen geht auf eine Dorfmetzgerei zurück.

(Foto: dpa)

Der Konsum von Wilke-Wurst endet für zwei Menschen tödlich. Nachdem die Produktion geschlossen und Produkte weltweit zurückgerufen werden, beantragt das Unternehmen Insolvenz. Auch Wurst mit anderem Namen soll betroffen sein.

Nach zwei Todesfällen durch keimbelastete Wurst ist der nordhessische Hersteller Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Unternehmen habe die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. In einem solchen Verfahren werde geprüft, ob die Voraussetzungen zur Durchführung eines Insolvenzverfahrens vorliegen.

Behörden bringen zwei Todesfälle in Südhessen und 37 Krankheitsfälle mit Wilke-Wurst in Verbindung. In den Produkten waren mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen worden, die für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein können. Man sei "aufgrund der Daten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss gekommen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht", sagte Hartmut Wecker, Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg. Für Wilke-Produkte läuft derzeit ein weltweiter Rückruf. Am Dienstag schlossen Behörden die Produktion.

Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei, die vor mehr als 80 Jahren gegründet wurde, zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf seiner Homepage rund 200 Mitarbeiter und exportiert Waren weltweit.

Foodwatch wirft Behörden Versäumnis vor

Derweil wird bekannt, dass entgegen der Darstellung von Behörden offenbar doch auch Wilke-Fleisch unter anderem Namen verkauft wurde. Man habe alle Produkte der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus dem Sortiment genommen, sagte eine Sprecherin des Großhändlers Metro. Darunter seien auch Metro-Eigenmarken gewesen.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Aufsichtsbehörde hatte am Mittwoch noch erklärt, es gebe keine Wilke-Waren unter anderem Namen. Daher sei keine Liste der Produkte nötig, die aktuell weltweit zurückgerufen werden. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte das und hatte erklärte, dass Wilke auch der Hersteller einiger Produkte sei, die Metro unter der Eigenmarke "Aro" vertreibe. Foodwatch wirft den Behörden und dem Wurstproduzenten "schwere Versäumnisse" vor. Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen.

Metro betonte, auf eigene Initiative tätig geworden zu sein. Bereits am Mittwoch habe man vor Eintreffen des Rückrufs alle Wilke-Produkte aus den Regalen genommen und die Kunden direkt informiert. Metro nehme zudem bei Eigenmarken zusätzliche Stichproben. Dabei sei Wilke in den vergangenen sechs Monaten nicht auffällig gewesen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Wilke selbst hatte in einer Mitteilung vom Mittwoch alle Waren mit der Kennzeichnung DE EV 203 EG zurückgerufen. Produkte seien aber auch in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert worden. Laut Behörden wurden die betroffenen Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin. Dieser richte sich aber noch nicht gegen eine konkrete Person.

Listerien-Tote auch in den Niederlanden

Auch in den Niederlanden werden Todesfälle durch die Keime gemeldet - ohne Bezug zu Wilke: In den vergangenen zwei Jahren waren in den Niederlanden drei Menschen durch Listerien in Wurstwaren gestorben, eine Frau hatte eine Fehlgeburt erlitten. Das teilte das Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt RIVM in Utrecht mit. Der Aufschnitt kam danach von einer Firma in Aalsmeer. Der Betrieb wurde vorläufig stillgelegt. Insgesamt soll es 20 Fälle von Infektionen durch Waren dieser Firma gegeben haben, so das RIVM.

Erst seit Kurzem gibt es eine technische Methode, mit der man die Quelle der Verunreinigung ermitteln kann. Dabei hatte die niederländische Gesundheitsbehörde durch DNA-Analysen den genauen Typus der Bakterie identifizieren können. Die Daten wurden wiederum mit den DNA-Proben der Aufsichtsbehörde für Nahrungsmittel verglichen - und die Spur führte zu der Firma in Aalsmeer. "Wir hatten schon den Eindruck, dass da Dinge nicht in Ordnung waren", sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde dem niederländischen Radio.

Das Unternehmen soll zwar Maßnahmen gegen die Bakterie unternommen haben, aber offenbar nicht genug. Denn am Donnerstag musste es Dutzende Produkte aus Supermärkten und Großhandel zurückrufen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte der Direktor des Unternehmens Offerman, Arjen Vonk, dem niederländischen TV-Sender NOS. "Wir wollen kein einziges Risiko eingehen". Zu dem Bericht der Gesundheitsbehörde, dass drei Menschen durch Waren seines Betriebes gestorben seien, wollte er sich nicht äußern. In den Niederlanden gibt es jährlich etwa 80 Fälle von Infektionen mit Listerien.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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