Panorama

Stellenanzeige der Polizei Zivilisten sollen Kinderpornos sichten

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Die Polizei in NRW kommt bei steigenden Datenmengen nicht mehr mit der Auswertung hinterher.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Es ist eine emotional sehr belastende Aufgabe, kinderpornografisches Material im Internet zu erfassen, um die Täter zu schnappen. Doch genau dabei braucht die Polizei in Nordrhein-Westfalen Unterstützung und setzt auf eine ungewöhnliche Stellenausschreibung.

Zum Sichten von kinderpornografischem Material sucht die Polizei in Nordrhein-Westfalen neue Mitarbeiter, auch ohne kriminalistische Erfahrung. Das Landeskriminalamt (LKA) stellt 24 Arbeitskräfte ein. Hintergrund sind laut LKA immer weiter steigende Datenmengen, bei deren Bewertung man nicht mehr hinterherkomme. Darüber hatte die "Rheinische Post" zuerst berichtet.

Sven Schneider vom Cybercrime-Kompetenzzentrum des LKA sagte der "Rheinischen Post": "Das sind keine Polizisten. Es sind Leute, die wir vom freien Arbeitsmarkt nehmen und als Tarifbeschäftigte einstellen." Das LKA schaffe damit einen neuen Tätigkeitsbereich, den es zuvor noch nicht gegeben habe.  In der Ausschreibung wurde unter anderem eine abgeschlossene Ausbildung im IT-, Büro-, oder Verwaltungsbereich mit guter Abschlussnote oder ein Studium verlangt. Das Auswahlverfahren läuft laut LKA noch, es soll aber bald abgeschlossen werden.

Fast 150 Bewerbungen sind für die Stellen eingegangen. Unter den Bewerbern seien auch Juristen und Bürofachangestellte. Da das Erfassen von kinderpornografischem Material als sehr belastend gelte, habe man auch einen Seelsorger für das künftige Team bereitgestellt. "Wir müssen auch Rahmenbedingungen schaffen, die die Leute nicht krank machen", sagte Schneider. Das LKA gehe mit der Stellenausschreibung auf den personellen Engpass ein, für den es zuletzt viel Kritik gab. "Der Innenminister sagt immer: Wir können uns keine Polizisten backen. Und da hat er auch recht", so der Cyber-Experte.

Laut LKA gab es Pläne für diese Initiative bereits vor dem Bekanntwerden des massenhaften Missbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde bei Bielefeld. Auf einem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Dem 56-jährigen Hauptverdächtigen wirft die Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vor. Untersucht werden in dem Fall viele Tausend Bild- und Videodateien.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa