Panorama

Dreieinhalb Jahrzehnte in Haft Zu Unrecht verurteilte Männer freigesprochen

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Ransom Watkins, Alfred Chestnut und Andrew Stewart saßen 36 Jahre unschuldig in einem US-Gefängnis. (Symbolbild)

(Foto: REUTERS)

Im Baltimore der 1980er Jahre wird ein Schüler erschossen, seine Jacke gestohlen - und kurz darauf drei schwarze Jugendliche wegen Mordes verurteilt. Ransom Watkins, Alfred Chestnut und Andrew Stewart verbringen mehr als drei Jahrzehnte im Gefängnis. Nun werden sie freigesprochen.

In den USA sind drei zu Unrecht verurteilte Männer nach 36 Jahren aus dem Gefängnis freigelassen worden. Ein Gericht in Baltimore sprach die drei Schwarzen frei, die in den 80er Jahren wegen Mordes an einem 14-jährigen Jungen zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Der Justizirrtum ist laut der Staatsanwältin Marilyn Mosby auf das "Fehlverhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft" zurückzuführen. "Wir sind demütig und nicht wütend", sagt Ransom Watkins nach seinem Freispruch. "Doch das hätte nie passieren dürfen und jemand wird dafür zahlen müssen."

In einer Highschool in Baltimore war 1983 ein Schüler erschossen und seine Jacke gestohlen worden. Watkins, Alfred Chestnut und Andrew Stewart, die damals 16 und 17 Jahre alt waren, gerieten schnell ins Visier der Ermittler, da sie vor der Tat am Tatort gesehen worden waren und einer der dreien eine identische Jacke wie das Opfer besaß. Die Mutter des Jugendlichen konnte allerdings den Kassenbeleg der Jacke vorlegen.

Vier Zeugen der Tat gaben zunächst an, die drei Jugendlichen nicht zu erkennen und zudem nur einen Schützen gesehen zu haben. Im Laufe des Prozesses wurden die Zeugen jedoch von Polizisten genötigt, die 16- und 17-Jährigen zu beschuldigen, deckte die Staatsanwaltschaft nun auf. Die drei Jugendlichen wurden daraufhin zu lebenslanger Haft verurteilt. Später widerriefen die Zeugen ihre Aussagen.

"Mehr als eine Entschuldigung" nötig

Für den Freispruch der Männer hatte sich die Organisation Innocence Project, die sich um die Aufklärung von Justizirrtümern bemüht, zusammen mit einer Sondereinheit der Staatsanwaltschaft eingesetzt. "Alle, die in den Fall verwickelt waren - Schulleitung, Polizei, Staatsanwälte, Richter, die Medien und die Gesellschaft - urteilten übereilt und ließen durch ihren Tunnelblick offensichtliche Beweisprobleme außer Acht", erklärte Shawn Armbrust vom Innocence Project.

Staatsanwältin Mosby sagte, die drei Männer hätten "mehr als eine Entschuldigung" verdient. "Wir schulden ihnen eine echte Entschädigung - und ich werde dafür kämpfen." Laut der Staatsanwaltschaft kamen durch die Arbeit der Untersuchungseinheit bereits sechs zu Unrecht verurteilte Menschen aus US-Gefängnissen frei.

Quelle: ntv.de, agr/AFP