Panorama

"Monolog eines Faschisten"Zuschauer greifen Schauspieler in Bochum auf der Bühne an

17.02.2026, 15:44 Uhr
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Blick auf den Haupteingang des Schauspielhauses in Bochum. (Foto: picture alliance/dpa)

Wie weit sollte künstlerische Darstellung gehen dürfen? Teil eines Stückes in Bochum ist eine minutenlange faschistische Rede. Einige Zuschauer verlieren deswegen die Fassung und stürmen auf die Bühne. Auch in anderen Ländern hat es schon heftige Reaktionen gegeben.

Bei einer Premiere am Schauspielhaus Bochum ist es zu Tumulten und einem tätlichen Angriff auf einen Schauspieler auf der Bühne gekommen. Mehrere Zuschauer hatten zuvor bereits lautstark ihren Unmut über den gut zehnminütigen "Monolog eines Faschisten" geäußert, der zum Ende des Stücks "Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten" kommt. Schließlich hätten zwei Zuschauer versucht, Schauspieler Ole Lagerpusch von der Bühne zu zerren, um den Monolog zu beenden, sagte ein Theatersprecher. "Es wurde handgreiflich."

Der Zwischenfall ereignete sich bereits am Samstag bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks in Bochum. Das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues sei bereits in einigen anderen Ländern gezeigt worden und habe auch dort teils heftige Zuschauerreaktionen provoziert. "Aber es ist noch nie vorgekommen, dass Zuschauer den Schauspieler tatsächlich körperlich angegangen sind", sagte der Sprecher des Schauspielhauses.

In dem Schlussmonolog hält ein faschistischer Regierungschef eine Rede, die immer radikaler wird, Fremdenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit bedient. Aus dem Publikum habe es Buh-Rufe gegeben. "Doch der Faschist gibt nicht klein bei, er redet und redet, so lange, bis ein Pfeifkonzert durch den Saal hallt. "Halt die Fresse", ruft einer, während ein anderer Besucher entgegnet: "Das gehört zum Spiel dazu, du Idiot"", berichtet die "WAZ" von der Premiere.

Keine Verletzten

Schließlich seien zwei Männer aus dem Zuschauerraum auf die Bühne gestürmt und seien den Schauspieler körperlich angegangen, sagte der Sprecher des Schauspielhauses. Ein Kollege sei ihm zu Hilfe gekommen und habe die Situation vorerst klären können. Der Schauspieler sei nicht verletzt worden, auch die Polizei sei nicht eingeschaltet worden.

In einem Statement verteidigte das Theater die Inszenierung: "Das Schauspielhaus Bochum versteht sich als Ort der künstlerischen Auseinandersetzung, an dem kontroverse Themen und ästhetische Zumutungen verhandelt werden". Dass ein Schauspieler "in Ausübung seiner künstlerischen Arbeit körperliche Angriffe erfahren musste, hat uns zutiefst erschreckt, wir erachten diese Übergriffigkeit als vollkommen inakzeptabel".

Quelle: ntv.de, rog/dpa

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