Politik

Neuer Präsident bestimmt 76-Jähriger beendet Machtvakuum in Peru

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Nach dem Tod zweier Studenten halten Demonstranten ein Schild mit der Aufschrift "Es hätte mein oder dein Sohn sein können" in die Höhe.

(Foto: AP)

Er ist der dritte Staatschef innerhalb einer Woche: Zentrumspolitiker Francisco Sagasti folgt auf Manuel Merino, der sich keine Woche im Amt halten konnte. Gegen ihn wird nun ermittelt, nachdem zwei Menschen bei blutigen Protesten ums Leben kamen.

Das peruanische Parlament hat den Zentrumspolitiker Francisco Sagasti zum neuen Präsidenten des Landes bestimmt. Mit der Wahl beendeten die Volksvertreter ein Machtvakuum, das nach dem Rücktritt von Übergangspräsident Manuel Merino und Parlamentspräsident Luis Valdez an der Spitze des südamerikanischen Staates entstanden war. Der 76-jährige ausgebildete Ingenieur soll das Land nun aus der politischen Krise führen.

Der ehemalige Beamte der Weltbank wurde von den Abgeordneten zunächst zum Parlamentspräsidenten gewählt. Dieser wird nach der peruanischen Verfassung automatisch Staatsoberhaupt, wenn das Präsidentenamt unbesetzt ist. Sagasti bleibt nun bis zum Ablauf der Legislaturperiode am 28. Juli 2021 im Amt.

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Menschen tragen den Sarg eines getöteten Studenten durch Lima.

(Foto: AP)

Sagasti ist bereits der dritte Präsident des lateinamerikanischen Landes innerhalb von nur einer Woche. Am Montag waren die Abgeordneten des Parlaments zunächst gescheitert, einen Nachfolge-Kandidaten für Merino zu bestimmen. Bei einer ersten Abstimmung über eine Nachfolgerin Merinos verfehlte die linke Abgeordnete und frühere Menschenrechtsaktivistin Rocío Silva Santisteban in der Nacht zum Montag die nötigen 60 Stimmen im Parlament.

Untersuchung wegen "vorsätzlicher Tötung"

Der bisherige Parlamentspräsident Merino von der Mitte-Rechts-Partei Acción Popular hatte am vergangenen Dienstag nach der Absetzung seines Vorgängers Martín Vizcarra kommissarisch das Präsidentenamt des südamerikanischen Landes angetreten. Am Sonntag gab Merino dann seinen Rücktritt in einer Fernsehansprache bekannt.

Derweil eröffnete die Staatsanwaltschaft in Lima ein Ermittlungsverfahren gegen Merino, nachdem bei gewaltsamen Protesten gegen den Übergangspräsidenten am Samstag zwei Demonstranten getötet worden waren. Die Untersuchungen wegen "Amtsmissbrauchs und vorsätzlicher Tötung" richten sich demnach auch gegen Merinos Stabschef Ántero Flores Aráoz und seinen Innenminister Gastón Rodríguez. Die Staatsanwaltschaft versprach, dass der Tod der beiden Demonstranten "nicht ungestraft" bleiben werde. Es wird angenommen, dass die beiden Männer von Sicherheitskräften getötet wurden.

Viele Demonstranten errichteten in der Innenstadt von Lima und im Miraflores-Park behelfsmäßige Altäre zum Gedenken an die Toten. Die beiden peruanischen Aktivisten waren 22 und 24 Jahre alt. "Durch die Proteste, die wir jungen Leute angestoßen haben, ist Merino zurückgetreten, aber die politische Klasse kann sich noch immer nicht auf einen neuen Präsidenten einigen", sagte der 20-jährige Student Ángel Lozano.

Quelle: ntv.de, chf/AFP