Politik
Im Januar 2015 wurden zwölf Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" bei einem Anschlag ermordet. Am gefährlichsten leben Reporter in Mexiko und Afghanistan.
Im Januar 2015 wurden zwölf Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" bei einem Anschlag ermordet. Am gefährlichsten leben Reporter in Mexiko und Afghanistan.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 30. Oktober 2017

Unesco beklagt steigende Gewalt: 930 Journalisten in zehn Jahren ermordet

Die Zahlen erschüttern: 930 Journalisten sind in den letzten zehn Jahren wegen der Ausübung ihres Berufes getötet worden - allein im vergangenen Jahr gab es der Unesco zufolge 102 Opfer. Besonders gefährlich leben Lokaljournalisten.

Zwischen 2006 und Ende 2016 wurden 930 Journalisten wegen ihres Berufes getötet, wie die Unesco aus Anlass des Internationalen Tags gegen die Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten (2. November) mitteilte. Allein im vergangenen Jahr wurden 102 Medienvertreter umgebracht.

Die für die Reporter gefährlichsten Länder waren 2016 den Angaben zufolge Afghanistan und Mexiko: Dort wurden jeweils 13 Journalisten getötet. Im Jemen starben elf Journalisten, im Irak neun und in Syrien acht. Der Anteil der getöteten Frauen habe sich innerhalb von zehn Jahren von fünf Prozent auf zehn Prozent 2016 verdoppelt. Der jüngste Fall, der international für Entsetzen sorgte, ist der Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta. Sie kam ums Leben, als an ihrem Auto eine Bombe explodierte.

Lediglich zehn Prozent der Todesfälle zwischen 2006 und 2016 wurden laut Unesco aufgeklärt. Auch ein steigender Trend: 2016 seien 94 Prozent der Opfer Lokaljournalisten gewesen. Die Hälfte der Todesfälle erfolgte in Ländern, in denen kein Krieg herrschte.

"Mord an Journalisten, willkürliche Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen und die Beschlagnahmung von Recherchematerial - diese Straftaten müssen geahndet werden", betonte Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission. "Eine Aufklärungsrate der Journalistenmorde von zehn Prozent ist dabei viel zu gering. Nur mit einer Presse, die nicht bedroht wird, kann eine reflektierte öffentliche Meinungsbildung gelingen."

Laut Unesco ist zudem ein erheblicher Anstieg von Gewalt gegen Journalisten zu verzeichnen. Dazu zählen unter anderem Entführungen, willkürliche Verhaftungen und Folter. In der arabischen Region sei die Anzahl der von Extremisten entführten Journalisten massiv angestiegen. Bedroht sei auch die digitale Sicherheit von Journalisten - durch Überwachungsmaßnahmen, Cyberattacken, Desinformationskampagnen und Einschüchterung.

Quelle: n-tv.de

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