Politik

Kritik an Türkei und AfD AKK umgarnt Junge Union mit Kampfrede

Auf den Affront folgt die Versöhnung: Zwei Tage nach dem deutlichen Ja für eine Urwahl zur Kanzlerkandidatur jubelt die Junge Union nun doch der CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer zu. Die Verteidigungsministerin revanchiert sich mit Schmeicheleien und einem kampfeslustigen Auftritt.

Die CDU-Vorsitzende und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Saarbrücken eine kämpferische Rede gehalten und dem Unionsnachwuchs bescheinigt, inhaltlich Vorreiter zu sein. "Wir müssen Schrittmacher sein und nicht die, die im Bremserhäuschen sitzen", rief die wegen schlechter Umfragewerte unter Druck stehende Kramp-Karrenbauer den etwa 1000 Delegierten und Gästen zu.

Ungeachtet des internen Unmuts über die Arbeit Kramp-Karrenbauers begrüßten die Delegierten die Vorsitzende mit großem Beifall fast wie einen Popstar. JU-Chef Tilman Kuban hatte Kramp-Karrenbauer zur Begrüßung mit Blick auf die Landtagswahl in Thüringen Ende des Monats versichert, wenn Wahlkampf anstehe, könne sie sich auf den Unions-Nachwuchs verlassen. Am Freitag hatten die Delegierten entgegen Kramp-Karrenbauers Willen einen Antrag auf eine Urwahl des Unions-Kanzlerkandidaten beschlossen.

Kramp-Karrenbauer versuchte schon zu Beginn, die jungen Unionsleute für sich einzunehmen. Sie sei lange selbst für die JU aktiv gewesen und wisse, dass bei einem Deutschlandtag der Sonntagmorgen nach der Party des Vorabends das Härteste sei, was man erleben könne.

Ohne die gefeierten Auftritte ihrer Konkurrenten wie etwa Friedrich Merz direkt anzusprechen, nahm Kramp-Karrenbauer Bezug auf die vergangenen zwei Tage des JU-Bundeskongresses. Man habe teilweise den Eindruck gehabt, es habe sich eher um das Format "Germany's next Topmodel" gehandelt, sagte sie ironisch. Sie habe den Deutschlandtag aber auch live vom Baltikum aus verfolgt und gesehen, wie hart die Delegierten inhaltlich gearbeitet hätten.

Kritik an Türkei-Offensive

Als Kramp-Karrenbauer von ihren jüngsten Auslandsreisen als Verteidigungsministerin berichtete und verlangte, die Bundeswehr müsse so ausgestattet werden, dass die deutschen Soldaten wieder gesund zurückkommen könnten, erhielt sie rhythmischen Beifall.

Zudem warnte sie die Türkei davor, als Besatzungsmacht in Nordsyrien bleiben zu wollen. "Die Türken sind ein Nato-Partner. Und die Nato ist ein Bündnis, das auf Werten beruht", sagte sie. "Der Nato-Partner Türkei, wie jedes andere Nato-Land, muss für Stabilität, für Frieden sorgen. Und er darf sich nie als Besatzungsmacht aufführen. Das ist eine Grenze, die die Türkei nicht überschreiten darf."

Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei bezeichnete sie als einen Schlüssel, um nach 2015 die Migranten-Zahlen massiv zu reduzieren. "Wir haben der Bevölkerung versprochen: 2015 wird sich nicht wiederholen. Dieses Versprechen werden und müssen wir halten", rief Kramp-Karrenbauer den Delegierten zu.

AfD als "politischer Arm des Rechtsradikalismus"

Den tödlichen Anschlag in Halle an der Saale nahm Kramp-Karrenbauer zum Anlass, die AfD scharf anzugreifen. Diese im Bundestag sitzende Partei sei "der politische Arm des Rechtsradikalismus", sagte sie. Rechtsradikalismus sei ein wirkliches Problem in Deutschland. Die antisemitische Attacke von Halle sei "eine Schande" und "ein Alarmzeichen, das niemanden von uns kalt lassen darf", sagte sie.

Gegen Ende des Auftritts in ihrer saarländischen Heimat monierte Kramp-Karrenbauer eine "Hysterie" in der Klimadebatte. Die CDU müsse ein "heißes Herz" haben, wenn es ums Klima geht, sagte sie. Nötig sei aber auch "der kühle Kopf, der weiß, mit Technologie kann man die Probleme besser lösen".

Immer wieder wurde ihre Rede von Applaus unterbrochen. Die CDU dürfe sich nicht in internen Debatten verlieren und bei den wichtigen politischen Themen nicht hinterherhinken, sondern Schrittmacher sein, mahnte Kramp-Karrenbauer.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP