Politik

Notabschaltung nach Stromausfall AKW Saporischschja weiter vom Netz abgeschnitten

Nach einem Brand müssen im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja auch die beiden letzten Reaktoren heruntergefahren werden. Bisher ist es nicht gelungen, das AKW wieder ans ukrainische Stromnetz anzuschließen. Die Lage vor Ort ist zunehmend undurchsichtig.

Die Sorge vor einem nuklearen Zwischenfall im größten Atomkraftwerk Europas wächst. Nachdem zwei laufende Reaktoren des von russischen Truppen besetzten AKW in Saporischschja am Donnerstag wegen eines zweimaligen Ausfalls der Stromversorgung heruntergefahren wurden, ist das Kraftwerk nach Angaben des Betreibers Energoatom weiter vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte verstärkten internationalen Druck auf Russland, um eine Räumung des AKW zu erreichen.

Die Lage in und am Kernkraftwerk ist undurchsichtig. Durch Brände in Aschegruben in dem angrenzenden Wärmekraftwerk war die letzte noch verbliebene Anschlussleitung zwischen dem AKW und dem ukrainischen Stromnetz am Donnerstag unterbrochen worden. Drei weitere Leitungen seien nach Angaben des Betreibers bereits zuvor "durch terroristische Angriffe" der russischen Seite beschädigt worden. Derzeit stünden nach ukrainischen Angaben alle sechs Reaktoren still, hieß es aus Kiew. Die russische Besatzungsverwaltung teilte dagegen mit, ein Reaktorblock sei wieder angefahren worden.

Selenskyj forderte angesichts der Situation, die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und andere internationale Organisationen müssten viel schneller handeln als bislang. "Jede Minute, die das russische Militär im Kernkraftwerk bleibt, bedeutet das Risiko einer globalen Strahlenkatastrophe."

Streit um Mission von IAEA

IAEA-Direktor Rafael Grossi bekräftigte seine Bereitschaft, binnen Tagen mit Experten nach Saporischschja zu fahren. Ein russischer Diplomat bei den Vereinten Nationen nannte Ende August oder Anfang September als Zeit für eine Reise. Er sehe die Vorbereitungen optimistisch, sagte er im russischen Fernsehen. Über den Reiseweg der Delegation und die notwendigen Sicherheitsgarantien beider Seiten wird allerdings seit Wochen gestritten.

Laut Energoatom war Saporischschja wegen des Stromausfalls erstmals in seiner Geschichte vom Netz der Ukraine abgeschnitten. Es gibt auch Befürchtungen, dass Russland die Stromproduktion des AKW in sein Netz einspeisen könnte. Dies wäre inakzeptabel, hieß es aus den USA. "Um es ganz klar zu sagen: Das Atomkraftwerk und der Strom, den es produziert, gehören der Ukraine", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums.

Indes hat das britische Verteidigungsministerium Satellitenfotos veröffentlicht, die angeblich russische Militärlastwagen neben einem Reaktor zeigen. Vergangene Woche zeigte ein nicht verifiziertes Video Militärfahrzeuge auch in einer der großen Maschinenhallen. Der anhaltende Beschuss rund um das AKW hat Befürchtungen ausgelöst, dass es in Saporischschja zu einer ähnlichen Atomkatastrophe kommen könnte wie 1986 im ukrainischen Tschernobyl.

Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP

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