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"Vorher einen Ausländer töten" Abschiedsbrief offenbart rassistisches Motiv

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Das Opfer, ein 26-jähriger Eritreer, überlebte die Tat schwer verletzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im hessischen Wächtersbach schießt ein Mann mehrfach auf einen jungen Eritreer und verletzt ihn schwer. Anschließend tötet sich der 55-Jährige selbst. Bei einer Hausdurchsuchung findet die Polizei mehrere Waffen. Ein Abschiedsbrief liefert weitere Details zur Tat.

Nach dem Mordversuch auf einen Eritreer in Hessen hat die Polizei im Haus des mutmaßlichen Täters Roland K. einen Abschiedsbrief gefunden, der ein rassistisches Motiv offenbaren soll. Der Schütze habe beschrieben, er wolle sich selbst töten und einen Ausländer mit in den Tod ziehen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Ein Ermittler habe der Zeitung gesagt, K. habe "mit seinem Leben schon abgeschlossen". Anwohner hatten ebenfalls berichtet, dass K. in Biebergemünd angekündigt hatte, sich umbringen zu wollen, aber vorher noch einen Ausländer zu töten. "Wir gehen momentan ganz klar von einem fremdenfeindlichen Motiv aus", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft.

Bei der Durchsuchung seines Einfamilienhauses wurden zudem drei weitere Waffen sichergestellt: eine halbautomatische Pistole, die auch die Tatwaffe war, zwei Langwaffen und tausend Schuss Munition. Der 55-Jährige habe eine weitere halbautomatische Waffe kurz vor der Tat verkauft. Der Käufer sei ermittelt und die Waffe sichergestellt, hieß es. "Die Waffen waren alle legal beim Main-Kinzig-Kreis angemeldet", sagte Manfred Weber, der Bürgermeister von Biebergemünd.

K. soll Mitglied eines Schützenvereins gewesen sein. Der allein lebende Mann sei seit 2017 in dem Ort im Main-Kinzig-Kreis gemeldet und nicht auffällig gewesen. "Er lebte zurückgezogen", sagte Weber über seine Informationen. Während er am Vereinsleben des Ortes nicht teilnahm, soll er einem Schützenverein in der Umgebung angehört haben.

Eritreer war ein Zufallsopfer

Der 55 Jahre alte mutmaßliche Schütze soll am Montagmittag im nahe gelegenen Wächtersbach auf einen 26-jährigen Eritreer geschossen und diesen schwer verletzt haben. Daraufhin soll er sich in seinem Auto mit einem Kopfschuss getötet haben. Bei dem deutschen Staatsangehörigen wurden zwei halbautomatische Waffen gefunden.

Hinweise aus der Durchsuchung erhärteten dem Behördensprecher zufolge die Vermutung, das verletzte Opfer sei "aufgrund seiner Hautfarbe" ausgewählt worden. Es gebe nach derzeitigen Ermittlungen jedoch "keine belastbaren validen Erkenntnisse, dass Kontakte in die rechtsnationale oder rechtsextreme Szene bestanden". Allerdings stünden die Ermittlungen noch ganz am Anfang. Das Umfeld und die Vergangenheit des mutmaßlichen Schützen würden nach entsprechenden Kontakten durchleuchtet.

Der mutmaßliche Schütze habe wohl gezielt nach einem Opfer gesucht und der Eritreer sei offenbar ein Zufallsopfer gewesen. Laut Oberstaatsanwalt Alexander Badle sei K. zunächst ohne konkretes Ziel in seinem Auto herumgefahren, bis er auf eine Person mit ausländischem Aussehen stieß. Der 26-Jährige sei nach seinen Informationen nach einer Notoperation außer Lebensgefahr, sagte der Behördensprecher weiter.

"Aus Hetze wird Gewalt, aus Hass irgendwann Mord"

Die Stadt Wächtersbach rief am Abend am Tatort zu einer Mahnwache auf. Nachdem sich herumspreche, dass das Opfer wohl aufgrund seiner Hautfarbe gewählt worden sei, mache sich im Ort Betroffenheit bemerkbar, sagte der SPD-Bürgermeister Andreas Weiher: "Gestern wurde noch spekuliert, es könne sich um eine Tat unter Asylbewerbern oder eine Milieu-Straftat handeln."

Die CDU-Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, forderte via Twitter ein konsequentes Vorgehen gegen Rassismus und Rechtsextremismus. "Aus Hetze wird Gewalt, aus Hass irgendwann Mord. Das können und dürfen wir nicht hinnehmen!", schrieb sie. Landrat und Bürgermeister der Kommunen des Main-Kinzig-Kreises, zu dem Wächtersbach gehört, sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einer Attacke "nicht nur gegen einen Einzelnen, sondern willkürlich gegen alles Fremde".

Sollte der Täter aus rechtsradikaler Weltanschauung heraus und aus Fremdenhass gehandelt haben, müsse auch beleuchtet werden, ob es "einen Kreis Gleichgesinnter" gegeben habe, der die Tat beförderte, forderten die Politiker. "Hier muss die Gesellschaft als Ganzes mit ihrem Rechtsstaat klare Kante zeigen."

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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