Politik

Hamburger FDP in der Bürgerschaft Achtungserfolg, aber keine Wiedergeburt

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FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding.

(Foto: dpa)

Die Hamburg-Wahl ist kein Beleg dafür, dass die Liberalen wieder da sind. Sie haben immer noch mit ihren drei Kernproblemen zu kämpfen.

Sie haben es also geschafft. Die Liberalen sind wieder in die Hamburger Bürgerschaft eingezogen, sogar mit einem für ihre Verhältnisse deutlichen Ergebnis. Zu sehr freuen sollten sie sich dennoch nicht: Hamburg ist kein Beleg für die Wiedergeburt der FDP, denn die grundlegenden Probleme der Partei sind immer noch da.

Ihren Wahlerfolg in Hamburg haben die Liberalen vor allem ihrer Frontfrau Katja Suding zu verdanken. Die PR-Frau und ihr Team haben im Wahlkampf für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit dem Slogan "Unser Mann für Hamburg" zum Beispiel, der unter dem Porträt der Spitzenkandidatin prangte. Oder mit der Fotostrecke im People-Magazin "Gala", in der sich Suding mit zwei liberalen Mitstreiterinnen in "Drei Engel für Charlie"-Pose ablichten ließ. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt sie dadurch, dass ein Kameramann der ARD lange ihre Beine ins Visier nahm.

Mit solchen Dingen kann man in der Groß- und Medienstadt Hamburg punkten. Doch gerade diese PR-Gags ziehen nicht in der Provinz, wie im vergangenen Herbst die Brandenburger Liberalen lernen mussten. Und dass derlei Rückfälle in die Ära der Spaßpartei FDP ausreichen, um etwa wieder in den bayerischen Landtag einzuziehen, ist mehr als zweifelhaft. Vor allem aber kämpfen die Liberalen immer noch mit den gleichen Problemen wie vor der Hamburg-Wahl.

Kernprobleme werden sich nicht ändern

Das Personal. Bundesweit fehlen der FDP attraktive Köpfe. Wahrgenommen wird sie lediglich durch ihren smarten Vorsitzenden Christian Lindner, hinter ihm ist Ödnis. Und zwar auf allen Ebenen. Dass es Lindner gelingen wird, bis zur nächsten Bundestagswahl in zweieinhalb Jahren zugkräftiges Personal aufzubauen, käme einem Wunder gleich.

Die Themen. Seit sie aus dem Bundestag gekickt wurden, haben die Liberalen kein einziges politisches Thema für sich entdecken können. Die Grünen haben immer noch den Umweltschutz, die AfD hat den Kampf gegen den Euro, bei der FDP - Fehlanzeige. So geschliffen Lindner im Auftritt ist, inhaltlich hat er nicht geliefert. Selbst die Hamburger FDP-Wähler konnten bei einer Nachwahlbefragung kein konkretes Thema nennen, das sie dazu verleitet hätte, den Liberalen ihre Stimme zu geben. Sie wollten lediglich eine Partei in der Bürgerschaft sehen, die irgendwie für Marktwirtschaft ist.

Die Präsenz. Dass die FDP nur in ein paar Landtagen vertreten ist, nicht aber im Bundestag, ist für die Partei verheerend. Bei Themen wie Mindestlohn oder Vorratsdatenspeicherung ist ihre Meinung nicht gefragt. Medial zählt sie zur außerparlamentarischen Opposition. Denn Berliner Politikjournalisten sind es in der Regel nicht gewohnt, Politiker anzurufen, deren Telefonnummer eine andere Vorwahl hat als 030.

An diesen drei Kernproblemen der FDP wird sich trotz Hamburg so rasch nichts ändern. Parteichef Lindner ist dies mehr als bewusst. So sagt er selbst über den Hamburger Wahlerfolg: "Die Freude ist groß, aber wir bleiben auf dem Teppich." Zu recht.

Quelle: n-tv.de

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