Politik
Möglicherweise ihr letzter gemeinsamer Auftritt: Lucke und Petry in Essen.
Möglicherweise ihr letzter gemeinsamer Auftritt: Lucke und Petry in Essen.(Foto: AP)
Dienstag, 07. Juli 2015

Nach "Richtungsentscheidung": AfD meldet Hunderte Austritte

Noch ist der abgewählte AfD-Chef Bernd Lucke nicht ausgetreten, viele seiner Mitstreiter haben diesen Schritt dagegen bereits vollzogen. Die AfD gibt sich dennoch gelassen: Gegangen seien nur 2,5 Prozent der Mitglieder.

Nach dem AfD-Parteitag in Essen hat die Zentrale der Partei eigenen Angaben zufolge bis Dienstagmorgen 512 Austritte registriert. Das seien rund 2,5 Prozent der Mitgliedschaft. "Die von vielen befürchtete Austrittswelle aufgrund der Richtungsentscheidung ist ausgeblieben", so AfD-Pressesprecher Christian Lüth.

Datenschutz

Am Montag hatte die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf mehrere Parteifunktionäre aus Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemeldet, dass die AfD vor einer Austrittswelle stehe. Eine Reihe bekannter AfD-Politiker hat die Partei bereits verlassen oder ihren Abgang angekündigt, darunter die Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel, Joachim Starbatty, Ulrike Trebesius, die auch schleswig-holsteinische Landesvorsitzende ist, sowie Bernd Kölmel, der baden-württembergischer Landeschef war. Der bisherige AfD-Chef Bernd Lucke hat seinen Austritt noch nicht erklärt.

Lucke war beim Parteitag am Wochenende abgewählt und ausgebuht worden, gewählt wurde in einer Kampfabstimmung seine bisherige Co-Sprecherin Frauke Petry. Ihr Co-Sprecher ist der weithin unbekannte Wirtschaftswissenschaftler Jörg Meuthen. Aus Sicht des Lucke-Flügels ist Meuthen das einzig gemäßigte Mitglied im neuen Bundesvorstand.

Petry dagegen bestreitet, dass es einen Rechtsruck gegeben hat. Sie appellierte an die Mitglieder: "Geben Sie uns bis Ende des Jahres Zeit, um den Nachweis zu erbringen, dass wir unsere AfD inhaltlich und organisatorisch auf Kurs halten werden."

Die Mitglieder des von Lucke gegründeten Vereins "Weckruf" wollen in den nächsten Tagen entscheiden, wie es weitergehen soll. In Straßburg sagte Lucke, die Neugründung einer Partei sei ein Thema, das "massiv auf uns zukommt".

Unklar ist, wie es mit der AfD-Gruppe im Europaparlament weitergeht. Der österreichische Grünen-Abgeordnete Michel Reimon twitterte am Dienstag ein Foto, dass die AfD in Straßburg bei einer "Gruppentherapie" zeigt, wie er ironisch dazu schrieb. Nur zwei der sieben Europaabgeordneten der Partei gehören zum Petry-Lager.

Quelle: n-tv.de