Politik

Buchvorstellung in Göttingen Aktivisten blockieren de Maizières Lesung

Knapp 100 Demonstranten beteiligten sich an der Aktion gegen Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Knapp 100 Demonstranten beteiligten sich an der Aktion gegen Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

(Foto: picture-alliance)

Thomas de Maizière will in Göttingen aus seinem neuen Buch lesen. Doch die Zuhörer der ausverkauften Veranstaltung müssen draußen bleiben. Der Grund: Linke Demonstranten blockieren den Weg zur Lesung.

Linke Aktivisten haben beim Göttinger Literaturherbst eine Lesung des früheren CDU-Bundesinnenministers Thomas de Maizière verhindert. Wie die Polizei mitteilte, beteiligten sich knapp 100 Demonstranten an der unangemeldeten Aktion. Den rund 300 Zuhörern blieb der Zutritt zu der ausverkauften Veranstaltung verwehrt. Dutzende Aktivisten hatten die Eingänge blockiert und waren auch auf Bäume geklettert.

Der Geschäftsführer des Literaturherbstes, Johannes-Peter Herberhold, wurde nach eigenen Angaben von Demonstranten attackiert. Dabei seien Teile seiner Kleidung zerrissen worden. Verletzte gab es nach Angaben der Polizei aber nicht. De Maizière wollte beim Literaturherbst aus seinem Buch "Regieren" lesen und anschließend mit den Zuhörern diskutieren. Von dem früheren Innen- und Verteidigungsminister gibt es bisher keine Stellungnahme.

Die Teilnehmer der Blockade-Aktion hätten jede Kommunikation mit der Polizei abgelehnt, sagte eine Polizeisprecherin. Auch bei einer Zwangsräumung hätte die Lesung nicht mehr termingerecht beginnen können. Erst nach der Absage hätten die Blockierer das Rathaus und den Marktplatz verlassen. Die Polizei habe strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Kritik an de Maizières Flüchtlingsabkommen

Der Göttinger Literaturherbst, bei dem noch bis zum 28. Oktober zahlreiche prominente Autorinnen und Autoren auftreten, ist mit 80 Veranstaltungen eines der größten Lese-Festivals in Europa. Die Blockade der Lesung de Maizières sei ein Protest gegen den Angriff der Türkei auf Nordsyrien, erklärte die Gruppe "Basisdemokratische Linke" in einer Pressemitteilung. De Maizière, der von 2013 bis 2018 Innenminister war, sei mitverantwortlich für das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, das "zu einer beispiellos zahnlosen Haltung der Bundesregierung" gegenüber Ankara führe.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius von der SPD verurteilte die Aktion als "nicht hinnehmbar" und "Bärendienst an der Demokratie." Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte sich auf Twitter empört. Literaturherbst-Geschäftsführer Herberhold sagte, die Veranstaltungsreihe sei seit 28 Jahren "ein Fest der Kunst, des Wissens und der Meinungsfreiheit". Eine vergleichbare Aktion gegen einen Autoren habe es nie zuvor gegeben. Der Literaturherbst will de Maizières Lesung kurzfristig am gleichen Ort nachholen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Quelle: ntv.de, fge/dpa