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"Marionette des Militärs" Algeriens Präsident krallt sich an die Macht

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Schwerste Krise seit der Unabhängigkeit von Frankreich. Vor allem Studenten gehen in Algier auf die Straße.

(Foto: picture alliance/dpa)

Algeriens Präsident sitzt nach einem Schlaganfall im Rollstuhl, doch von der Macht will er nicht lassen. Massenproteste in den Straßen hindern den greisen Dauerregenten nicht daran, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Die Demonstranten halten Bouteflika für eine Marionette der Militärs.

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika kandidiert trotz massiver Proteste im ganzen Land erneut für das höchste Staatsamt. Zugleich versprach der 82-Jährige, im Falle seines Sieges bei der Wahl am 18. April werde er nicht die ganze Amtszeit regieren. Es werde vorgezogene Wahlen geben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur APS. Einen genauen Termin für die mögliche Neuwahl nannte die Agentur nicht, aber sie zitierte aus einem Schreiben Bouteflikas: Bei einer solchen Wahl werde er nicht mehr antreten.

Bis zum Abend waren wieder Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen eine erneute Kandidatur des gesundheitlich schwer angeschlagenen Präsidenten zu protestieren. Die Polizei rückte zu einem Großeinsatz am Sitz des Verfassungsrats aus, wo bis Mitternacht die Unterlagen für die Wahl am 18. April abgegeben werden konnten. Straßen zu dem Gebäude wurden gesperrt, Wasserwerfer hielten Demonstranten fern. Journalisten, die über die Ankunft von Kandidaten berichten wollten, wurden in ein Zimmer gesperrt.

Bouteflikas Hauptrivale Ali Benflis, Ex-Regierungschef und früherer Generalsekretär von Bouteflikas Partei Nationale Befreiungsfront (FLN), kündigte einen Wahlboykott an. "Das Volk hat noch nicht das letzte Wort gesprochen", erklärte er. Die jetzige Krise sei die schwerste seit der Unabhängigkeit von Frankreich. Auch in mehreren französischen Städten demonstrierten am Wochenende zahlreiche Menschen gegen Bouteflika.

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Im Rollstuhl: Trotzdem will Bouteflika noch einmal Präsident werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bouteflika ist seit 1999 Präsident des größten afrikanischen Landes. Seine Ankündigung, bei der Präsidentschaftswahl noch einmal antreten zu wollen, hatte zu den größten Protesten in Algerien seit mehr als zehn Jahren geführt. Bouteflika ist gesundheitlich schwer angeschlagen und tritt kaum noch öffentlich auf. Seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren hat sich der 82-Jährige weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sitzt im Rollstuhl. Viele Demonstranten werfen Bouteflika vor, eine Marionette von Militärs, Familienclans und der einflussreichen Wirtschaftselite des Landes zu sein.

In dem autoritär geführten Maghreb-Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Zwar kündigte Bouteflika Reformen an, als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte. Menschenrechtsgruppen kritisieren aber weiterhin eine Unterdrückung von Opposition und Medien.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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