Politik

Kritik an offenem Brief Alice Schwarzer und Anton Hofreiter rasseln aneinander

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Hofreiter diskutierte am Sonntagabend mit Alice Schwarzer.

(Foto: dpa)

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Die Debatte nach dem offenen Brief von Alice Schwarzer und anderen geht weiter. Die Feministin erzählt von ihrer Furcht vor einem Weltkrieg, bekommt aber auch klare Worte von Grünen-Politiker Anton Hofreiter zu hören.

Feministin Alice Schwarzer hat Kritik an dem offenen Brief zurückgewiesen, mit dem sie und andere Prominente vor einem Dritten Weltkrieg infolge der Waffenhilfe für die Ukraine warnen. "Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich ernsthaft von der Gefahr eines neuen Weltkriegs überzeugt", sagte die Publizistin bei "Bild TV". Zwar sei Hilfe für die Ukrainer bei der Selbstverteidigung richtig, doch gehe es "um die sehr schwierige Grenzziehung zwischen Unterstützung zur Verteidigung und Lieferung von Waffen, die von Herrn Putin als Angriffswaffen verstanden werden können“. In der Sendung debattierte sie mit Grünen-Politiker Anton Hofreiter, der ihr zwischenzeitlich vorwarf, russische Propaganda zu verbreiten.

Schwarzer und andere Prominente wie der Schriftsteller Martin Walser hatten in dem am Freitag veröffentlichten Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz appelliert, weder direkt noch indirekt schwere Waffen an die Ukraine zu liefern, um dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kein Motiv für eine Ausweitung des Krieges auf die NATO-Staaten zu geben. Vielmehr möge Scholz alles dazu beitragen, "dass es so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand kommen kann; zu einem Kompromiss, den beide Seiten akzeptieren können".

Grünen-Politiker Anton Hofreiter wies das in der Sendung zurück: "Nach allem, was ich weiß, haben die Ukrainer Putin sehr weitreichende Kompromisse angeboten. Nur hat Putin keinen einzigen Kompromiss akzeptiert. Er verlangt die komplette Zerstörung der Ukraine, die komplette Kapitulation." Als Schwarzer sagte, in Wahrheit werde zwischen den USA und Russland verhandelt, entgegnete er, das sei "1 zu 1 russische Propaganda".

Ukrainische Erfolge nur "punktuelle Siege"?

Bis Montagmorgen wurde der Brief Schwarzers von rund 140.000 Menschen digital unterzeichnet. Wenn die russische Führung die Gefahr eines mit Atomwaffen geführten Konfliktes als sehr konkret bezeichne, "dann müssen wir das einfach ernst nehmen und sehr genau abwägen", sagte Schwarzer in der Talksendung. Zugleich dürfe man die "bewundernswerten" militärischen Erfolge der Ukraine bei der Verteidigung gegen Putins Truppen nicht überbewerten: "Solche punktuellen Siege sind eines. Die zweite Atommacht der Welt gesamt in die Knie zu zwingen, ist etwas anderes."

Nach der Veröffentlichung des Briefes war rasch breite Kritik daran laut geworden. So sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann in einem Interview der "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten": "Wo sollen 'Kompromisse' sein, wenn Putin völkerrechtswidrig ein freies europäisches Land überfällt, Städte dem Erdboden gleichgemacht, Zivilisten ermordet werden und Vergewaltigung systematisch als Waffe gegen Frauen eingesetzt wird?" In der Sendung sagte Hofreiter: "Es ist langsam an der Zeit, dass wir unsere Arroganz, unsere Überheblichkeit ablegen und den Menschen, die direkt betroffen sind, glauben."

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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