Politik

In Berliner Flüchtlingsheim Amri-Freund stellte Hinrichtung nach

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Die Flüchtlingsunterkunft an der Motardstraße in Spandau ist inzwischen geschlossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Über einen engen Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri werden immer mehr Details bekannt: Bilal Ben Ammar zeigte demnach in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft Kindern, wie die Terrormiliz IS Hinrichtungen durchführt.

In einer Berliner Flüchtlingsunterkunft hat ein enger Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nachgestellt. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Bilal Ben Ammar, der als enger Vertrauter Amris beschrieben wird, hielt die Szene demnach am 13. September 2016 in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße in einem Video fest.

Es zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. Ben Ammar verglich dies mit der Folterung von Muslimen in Myanmar und forderte das Kleinkind auf, zuzuschlagen. Die Ermittler notierten: "Danach forderte Ben Ammar das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen und zeigte, wie man einen "gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes" befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht." Zuletzt habe er an dem Jugendlichen eine Enthauptung imitiert.

Treueeid für IS

Frühere Bewohner der Unterkunft sagten dem Vermerk zufolge aus, er habe sich als Islamist zu erkennen gegeben. Im Kontakt mit der Heimleitung und den Sozialarbeitern habe sich Ben Ammar aber "kooperativ verhalten" und sei nicht aufgefallen. Dem Berliner "Tagesspiegel" zufolge gibt es einen Facebookeintrag von Ben Ammar, in dem er 2015 einen Treueeid auf den Kalifen des IS, Abu Bakr al-Baghdadi veröffentlicht. Zudem wurden auf seinem Mobiltelefon Bilder vom Breitscheidplatz gefunden, die vor dem Anschlag entstanden sind.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und den Fahrer umgebracht. Mit dem Fahrzeug raste der Tunesier auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, wo elf weitere Menschen starben. Nach dem Attentat floh er nach Italien, wo ihn die Polizei erschoss.

Am Vorabend des Anschlags aß er mit Ben Ammar. Ben Ammar wurde am 1. Februar nach Tunesien abgeschoben, wo seine Ehefrau mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte. In Deutschland war er durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug aufgefallen. Außerdem stuften ihn die Behörden als islamistischen Gefährder ein.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa