Politik

AKK bei Wolfram Weimer "An mir ist gar nichts mini!"

Sie sei die "Mini-Merkel", sagt manch ein Konservativer in der CDU über Annegret Kramp-Karrenbauer. Das weist die empört zurück. Von der Kanzlerin distanzieren will sie sich nicht. Ihren eigenen Stil nennt sie "eiserne Faust, aber im Samthandschuh".

Ein bisschen erinnert Annegret Kramp-Karrenbauer schon an die Bundeskanzlerin, wie sie da sitzt und ihre Antworten abwägt, gelegentlich witzig ist, doch insgesamt eher nüchtern. Angesprochen auf die Unterstellung, sie sei eine "Mini-Merkel", reagiert sie indessen kühl. "Ich bin 56 Jahre, ich habe drei erwachsene Kinder, ich habe eine veritable Karriere hingelegt. An mir ist gar nichts mini!"

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Dem Publikum gefällt die Antwort, es spendet kräftig Beifall. Kramp-Karrenbauer setzt noch einen drauf. Sie könne sich nicht vorstellen, dass einem Mann eine solche Frage gestellt würde. "Niemand käme auf die Idee, einen Jens Spahn zu fragen, ob er ein Mini-Merz ist."

Der Termin an diesem Abend in der Berliner Microsoft-Niederlassung stand schon fest, als Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz noch nicht um den Vorsitz ihrer Partei konkurrierten. Bis zum 7. Dezember läuft der parteiinterne Wahlkampf, dann entscheiden 1001 Delegierte auf einem Parteitag in Hamburg, wer die CDU in die Nach-Merkel-Ära führt. Die Nähe zur Bundeskanzlerin ist für Kramp-Karrenbauer Vorteil und Nachteil zugleich: Wenn der Parteitag einen klaren Neuanfang wünscht, wird er sich für Merz oder Spahn entscheiden. Sind die Delegierten der Meinung, dass unter Angela Merkel nicht alles schlecht war, dann hat "AKK" die Nase vorn.

n-tv.de Kolumnist Wolfram Weimer, der Moderator des Abends, fragt, ob es ihr nicht nutzen würde, auf Abstand zur Kanzlerin zu gehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich künstlich von Angela Merkel distanziere, um bessere Chancen auf dem Parteitag zu haben", antwortet diese. Sie wolle schließlich danach "noch in den Spiegel gucken können".

"Ich bin sehr dafür, dass man führt"

Dass es die Sehnsucht nach einem habituellen Wechsel an der CDU-Spitze gebe, sei normal, so Kramp-Karrenbauer, das habe es auch nach Helmut Kohl gegeben. Und sie will diesem Wunsch offenbar auch entsprechen. "Ich bin sehr dafür, dass man klare Ansprachen wählt, dass man führt, dass man schwierige Themen bei den Hörnern packt." Zugleich sei sie auch der Meinung, dass so etwas "nicht immer auf krawallige Art" geschehen müsse. Ihr Stil sei "eiserne Faust, aber im Samthandschuh".

Als sozialpolitisch "links" sieht sie sich nicht. Sie komme aus einem Landesverband, dessen Bundesland von der Industrie geprägt sei. Da müsse sie den Manager ebenso ansprechen wie den Ford-Arbeiter, "denn sonst habe ich keine Chance, im Saarland 40 Prozent zu erreichen". Das ist ihr Anspruch: Volkspartei. Als Innenministerin habe sie auch Abschiebungen von Familien "sehr konsequent angeordnet". Das Etikett "Law-and-Order-Frau" weist sie nicht zurück, im Gegenteil. "Das gehört sicher zu mir dazu."

Ihr ist klar, dass es für die CDU ein Thema ist, ob im Dezember eine Frau auf eine Frau an der Spitze folgt - es wäre eine Premiere. Doch Kramp-Karrenbauer spielt die Relevanz dieser Überlegung herunter. "Die CDU hat es immer problemlos vertragen, dass ein Mann einem Mann nachfolgt. Insofern: Wieso sollte es ein Problem sein?" Dabei blitzt ein Humor durch, der schärfer ist als der, den Merkel öffentlich zeigt. Sie sei froh, eine Frau zu sein, sagt Kramp-Karrenbauer. "Wenn ich etwas nie sein wollte in diesem Leben, dann ist es ein Mann." Auf Weimers Hinweis, so schlecht sei das aber gar nicht, räumt sie ein: "Ich hab schon sehr viele sehr glückliche Männer kennengelernt, da scheint was dran zu sein." Unterm Strich sei die Frage jedoch nicht, "Mann oder Frau". Vielmehr müsse die CDU so aufgestellt werden, "dass sie für Frauen und Männer wählbar ist".

Gibt es ein Arrangement mit Spahn?

Häppchen aus ihrem Privatleben verrät Kramp-Karrenbauer auch. Zum Beispiel, warum sie einen so sperrigen Doppelnamen trägt. Sie habe ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater gehabt, erzählt sie. Der sei gestorben, kurz bevor sie geheiratet habe, daher habe sie den Namen behalten wollen. "Da habe ich allerdings noch nicht gewusst, dass ich mal professionell in die Politik gehe und dass das schwierig auf einem Wahlplakat unterzubringen ist. Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mir das noch mal überlegt."

Ihre Kandidatur als CDU-Vorsitzende sei mit Merkel nicht abgesprochen gewesen, auch über das Vorhaben der Kanzlerin, nach der Hessen-Wahl auf den CDU-Vorsitz zu verzichten, sei sie nicht eingeweiht gewesen. Als Merkel ihr das am Montagmorgen mitgeteilt habe, sei es "eine Riesen-Überraschung" für sie gewesen. "Da ist mir etwas passiert, was mir selten passiert - ich hab mich erst mal gesetzt und war sprachlos."

Dann will Weimer noch wissen, ob sie sich vorstellen könnte, vor dem Parteitag eine Absprache mit Spahn zu treffen; Weimer hält Spahn für chancenlos, er glaubt, das Rennen werde zwischen AKK und Merz entschieden. Sie könne doch ein Arrangement mit Spahn finden, in dem er Generalsekretär wird und sie Vorsitzende. Kramp-Karrenbauer sagt dazu nur, dass sie einen Generalsekretär nicht danach auswählen würde, ob sie damit auf dem Parteitag "zusätzliche Potentiale generieren" könne. Ihr gehe es darum, eine Person zu finden, die für die Partei eine gute Wahl sei.

Das ist ihre zentrale Botschaft: Wie Anfang 2018, als sie Merkel vorschlug, das Amt der Generalsekretärin zu übernehmen, will sie sich jetzt in den Dienst der CDU stellen. Wie damals in ihrer Bewerbungsrede ist ihr Ziel, das Konzept der Volkspartei zu retten. Denn was sei die Alternative, fragt sie und verweist auf Frankreich, wo die Konservativen geschrumpft und die Sozialisten kaum noch vorhanden seien. Wenn Präsident Emmanuel Macron scheitere, "was bleibt dann von diesem System?"

Und was bleibt von AKK, wenn sie in Hamburg unterliegt? Sie gibt nicht die typische Politiker-Antwort, nach der sie darüber derzeit nicht nachdenke. Sie sagt: "Wenn das Ergebnis so wäre, was ich zu verhindern suche, wäre ich zunächst erst mal ein bisschen traurig und auch enttäuscht." Danach würde sie jedoch die Weihnachtszeit genießen und sich Gedanken machen, wie es weitergehe. Keinesfalls würde sie mit ihrer Partei brechen. "Aber ich würde es dann ehrenamtlich machen. Dafür braucht mich dann keiner zu bezahlen."

Quelle: n-tv.de

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