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Bezug zur Frankfurter Polizei? Anwältin erhält Drohfax mit Lübcke-Hinweis

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Hat mindestens sechs Morddrohungen bekommen: Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz im August auf einer Dresdner Demonstration gegen rechts.

(Foto: imago images / epd)

Eine Anwältin erhält mehrfach Todesdrohungen mit dem Absender "NSU 2.0". Das jüngste Fax nimmt Bezug auf den Lübcke-Mord und droht der Frau dasselbe Schicksal an. Die Ermittler tappen seit Monaten im Dunkeln. Besonders beunruhigend: Eine der Spuren führt zur Frankfurter Polizei.

Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz hat einem Medienbericht zufolge ein Drohfax mit Bezug zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bekommen. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks ging das Schreiben am 5. Juni bei der Juristin ein. Lübcke war am 2. Juni erschossen worden. Eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Die Ermittlungen zu den verschiedenen Drohschreiben gegen die Anwältin liefen mit großem personellen Aufwand und dauerten noch an. Zwischenstände würden nicht vermeldet.

Der CDU-Politiker Lübcke war Anfang Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen bei Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der rund zwei Wochen nach der Tat festgenommene Hauptverdächtige Stephan E. hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses später aber widerrufen. Ihm wird Mord vorgeworfen.

In dem Schreiben soll Basay-Yildiz nach Angaben des Senders drei Tage nach dem Mord damit gedroht worden sein, dass ihr dasselbe wie Lübcke passieren könne. Sinngemäß schrieb der Absender: Wir haben Walter Lübcke getötet. Bald bist Du dran! Das Datum ist deshalb bedeutsam, weil zu diesem Zeitpunkt der rechtsextreme Hintergrund der Tat noch nicht bekannt war. Ebenso wie mehrere andere Drohschreiben an die Rechtsanwältin war dem Bericht zufolge auch dieses Fax aus dem Juni mit "NSU 2.0" unterschrieben.

Nebenkläger im NSU-Prozess vertreten

Basay-Yildiz hatte im NSU-Prozess Nebenkläger aus den Familien der Opfer der rechtsextremen Mordserie vertreten. Seit dem vergangenen Jahr erhält sie Drohschreiben, in denen ihr und ihren Angehörigen der Tod angedroht wird. Bei den Ermittlungen nach den ersten Schreiben stellte sich heraus, dass persönliche Daten der Anwältin von einem Computer in der Dienststelle des 1. Polizeireviers in Frankfurt abgerufen worden waren. Auch eine Chatgruppe mehrerer Beamter mit mutmaßlich rechtsextremen Inhalten wurde entdeckt. Mehrere Polizisten wurden daraufhin vom Dienst suspendiert.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Drohschreiben wurde ein Polizist aus Mittelhessen vorübergehend festgenommen. Er kam noch am selben Tag wieder auf freien Fuß, da ihm kein dringender Tatverdacht nachgewiesen werden konnte.

Inzwischen hat die Anwältin mindestens sechs Drohschreiben erhalten, die mit NSU 2.0 unterzeichnet wurden und alle verschlüsselt über das Darknet versandt wurden. Basay-Yildiz erhielt nach hr-Informationen am 10. Juli das bisher letzte Drohfax. Zwei Tage danach rief eine Gruppierung im Darknet zum Mord an der Frau auf, berichtete der Sender weiter. Per Mail wurden einige Journalisten darüber informiert. Unterschrieben wurde die Mail mit "Sieg Heil und Heil Hitler! Mit freundlichen Grüßen Die Musiker des Staatsstreichorchesters".

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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