Politik

Türkische Dissidenten in Gefahr Anwalt der deutschen Botschaft verhaftet

83823036.jpg

Die deutsche Botschaft in Ankara.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Botschaft in Ankara heuert einen Anwalt an, der Informationen über Erdogan-Gegner sammelt, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Der Jurist wird in Ankara festgenommen, seine Dossiers beschlagnahmt, berichtet der Spiegel. Berlin fürchtet nun um die Sicherheit von rund 50 Türken.

Eine politisch brisante Verhaftung in Ankara bringt prominente Türken in Deutschland in Gefahr. Laut einem Bericht des "Spiegel" hat die Türkei bereits Mitte September einen Anwalt der deutschen Botschaft in Ankara wegen Spionageverdachtes festgenommen. Dieser "Vertrauensanwalt" der Botschaft verfügte demnach über die Akten von rund 50 türkischen Staatsbürgern, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Das Material könne nun in die Hände des türkischen Geheimdienstes gelangt sein, fürchtet die Bundesregierung laut dem Magazin.

Die Botschaft hatte den türkischen Anwalt dem Bericht zufolge beauftragt, in der Türkei Informationen für Asylverfahren einzuholen, die türkische Staatsbürger in Deutschland beantragt hatten. Der Jurist erkundigte sich laut "Spiegel" bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ob gegen die Personen Verfahren in der Türkei liefen oder ob ihnen bei der Rückkehr in ihre Heimat Haft drohe. Die Hinweise des Anwalts leitete das Auswärtige Amt dann an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), damit es über die Asylbescheide entscheiden könne.

Bei der Festnahme des Anwalts beschlagnahmte der türkische Geheimdienst MIT mutmaßlich Daten und Akten von rund 50 türkischen Asylsuchenden. Darunter seien prominente Kurden und Anhänger der Gülen-Sekte, die nun von der Türkei drangsaliert oder gar bedroht werden könnten. Der Staatsschutz hat laut dem Magazin mehrere Betroffene bereits gewarnt, dass der Geheimdienst nun detaillierte Informationen zu ihrem Fall bekommen habe.

Das Auswärtige Amt verurteilte die Festnahme des Anwalts als "nicht nachvollziehbar". Auf Anfrage des "Spiegels" hieß es, der Jurist habe legal und offen in der Türkei Informationen recherchiert. Man sei deswegen mit der Türkei im Gespräch und bemühe sich um seine Freilassung.

Quelle: ntv.de, mau