Politik

Einkommen der "Corona-Helden" Applaus gab es, Einkommenszuwächse nicht

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Halten den Laden am Laufen, bekommen aber nicht viel dafür: Kassiererinnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu Beginn der Pandemie gab es Applaus und Lob von der Kanzlerin für die Beschäftigten in der Pflege und im Einzelhandel. Auf den Gehaltszetteln macht sich die Systemrelevanz nicht bemerkbar - und das wird wohl auch so bleiben.

Beschäftigten im Einzelhandel sowie Krankenschwestern und Pflegern drohen in den nächsten Jahren reale Einkommensverluste. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die die Lohneinkommensentwicklung bis ins Jahr 2025 prognostiziert.

Damit sind ausgerechnet zwei Branchen betroffen, deren Beschäftigte zu Beginn der Pandemie in Deutschland als "Corona-Helden" gefeiert wurden: Im Bundestag wurde Kassiererinnen und Pflegern applaudiert, Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte ihnen in einer Fernsehansprache dafür, dass sie "buchstäblich den Laden am Laufen halten".

Der Studie zufolge werden die durchschnittlichen Bruttojahresverdienste im Gesundheits- und Sozialwesen in fünf Jahren um 4.400 Euro unterhalb des dann durchschnittlichen Einkommens liegen. Im Einzelhandel werden es sogar rund 10.200 Euro sein. Im Vergleich zu heute bedeutet diese Entwicklung für die unteren Einkommensgruppen reale Einkommensverluste. "Die geringe Inflation frisst die noch geringeren Lohnzuwächse auf", sagt Studienleiter Torben Stühmeier. Bis 2025 wird das verfügbare reale Einkommen der unteren Einkommensgruppen um etwa zwei Prozent zurückgehen, so die Prognose.

Alleinerziehende werden noch stärker abgehängt

Im Durchschnitt werden die Bruttoverdienste von 2017 bis 2025 der Studie zufolge um gut 400 Euro pro Jahr zunehmen. Diese Lohndynamik von 1,3 Prozent jährlich entspreche ungefähr der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsdynamik. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: Am stärksten nimmt der Bruttoverdienst mit einem Plus von rund 750 Euro jährlich im Kraftwagenbau und in der chemischen Industrie zu.

Für Beschäftigte mit Spezialwissen, in Branchen mit Tarifbindung sowie in kapitalintensiven Sektoren sagt die Studie die stärksten Lohnzuwächse voraus. In den arbeitsintensiven Branchen des Gesundheitswesens oder des Einzelhandels werde das Wachstum der Arbeitsproduktivität bis 2025 hingegen nur etwa halb so hoch ausfallen wie im verarbeitenden Gewerbe und der Chemie- und Elektroindustrie. Entsprechend geringer sei der Spielraum für Lohnerhöhungen.

Sowohl Gutverdienende als auch Paare mit und ohne Kinder profitieren besonders stark von dieser Entwicklung. Alleinerziehende würden dagegen "noch stärker abgehängt", so die Autoren.

Quelle: ntv.de, hvo