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Systematischer Terror der Taliban Armee erobert Kundus vollständig zurück

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Afghanische Sicherheitskräfte stoßen zum Zentrum von Kundus vor.

dpa

In einer Blitzoffensive erobern die Taliban Kundus. Menschenrechtler berichten von Gräueltaten an der Bevölkerung. Nach tagelangen Kämpfen hat nun die Armee nach eigenen Angaben wieder die Kontrolle.

Vier Tage nach der Einnahme von Kundus durch die Taliban haben die afghanischen Truppen die nördliche Provinzhauptstadt nach eigenen Angaben vollständig zurückerobert. "Unsere Sicherheitskräfte sind in ganz Kundus aufgestellt", sagte Polizeisprecher Sajed Sarwar Hassaini.

Die radikalislamischen Taliban hatten Kundus, wo die Bundeswehr jahrelang stationiert war, am Montag in einer Blitzoffensive erobert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bei Kämpfen bis zum Freitag mindestens 60 Menschen getötet.

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Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von hunderten Verletzten.

(Foto: dpa)

Am Dienstag startete die afghanische Armee mit Unterstützung des US-Militärs eine Gegenoffensive. Tagelang wurde erbittert gekämpft, am Donnerstag waren Sondereinheiten wieder bis ins Zentrum vorgestoßen. Anwohner meldeten noch an diesem Freitagmorgen einzelne Häuserkämpfe. Sie sagten, Taliban hätten sich in Wohnhäusern verschanzt. Viele Menschen trauten sich aus Sorge vor Heckenschützen nicht auf die Straßen oder ins Krankenhaus.

"Wir suchen in den Gassen der Stadt und in Wohnhäusern nach Taliban", sagte Provinzpolizeisprecher Hassaini. "Wir werden sie finden und töten." Die Sicherheitskräfte seien in allen Vierteln der Stadt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärte allerdings, in den Krankenhäusern sei die Belegschaft wegen der Kämpfe noch nicht zurückgekehrt, es herrsche ein akuter Mangel an Personal und medizinischen Gütern.

Morde und Vergewaltigungen

Amnesty International warf den Taliban vor, mit Morden an Zivilisten, Gruppenvergewaltigungen, Entführungen und dem Einsatz von Todesschwadronen in kürzester Zeit eine "Schreckensherrschaft" in der Stadt errichtet zu haben.

Unter Berufung auf Augenzeugen und Bürgerrechtler erklärte die Menschenrechtsorganisation, die Islamisten hätten kleine Jungen auf Erkundungstouren durch die Häuser geschickt, um ihre Opfer, vor allem Frauen, ausfindig zu machen. Familienangehörige von afghanischen Polizisten und Soldaten, darunter auch Kinder, seien gezielt ermordet, weibliche Verwandte vergewaltigt worden.

Der afghanische Amnesty-Vertreter Horia Mosadik forderte die afghanischen Sicherheitsbehörden auf, die Bevölkerung viel besser zu schützen. Außerdem müsse es einen Sicherheitskorridor geben, damit die Menschen die Stadt verlassen können.

Das US-Militär hat inzwischen die Behauptung der Taliban zurückgewiesen, dass diese ein Militärflugzeug der Amerikaner abgeschossen haben wollen. Bei dem Absturz der Maschine waren sechs US-Soldaten und fünf Zivilisten ums Leben gekommen.

Ein Militärsprecher sagte, das Flugzeug sei aber höchstwahrscheinlich nicht abgeschossen worden. Die US-Militärmaschine vom Typ C-130 war in der Nacht zum Freitag nahe Dschalalabad abgestürzt. Bei den zivilen Opfern handelt es sich den Angaben nach um Mitarbeiter der Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support".

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/rts

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