Politik

Deutsche Mittelschicht schrumpft Armut und Reichtum verfestigen sich

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"Die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fallen immer weiter auseinander", warnt Sozialforscherin Dorithee Spannagel.

(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

Die Zahl gut verdienender Menschen in Deutschland nimmt zu. Noch stärker allerdings wächst die Gruppe derjenigen, die als arm gelten. Sorgen macht Sozialwissenschaftlern dabei vor allem, dass sich Armut und Reichtum verfestigen. Die soziale Mobilität nimmt ab.

In Deutschland verfestigen sich einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge Armut und Reichtum. Diese Entwicklung nage an der Stabilität der Demokratie, erklärte Studienautorin Dorothee Spannagel. "Nicht nur geht die Einkommensschere auf, auch die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fallen immer weiter auseinander", warnte sie.

Für die Studie wertete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Stiftung Einkommensdaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel von 1991 bis 2015 aus. An dieser Befragung nehmen jährlich 11.000 Haushalte teil. Spannagel teilte diese in arm und reich ein und analysierte, wie sich die Anteile über die Zeit verändern.

Als arm gilt ein Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. 2015 lag die Armutsgrenze bei einem Netto-Jahreseinkommen von weniger als 12.192 Euro für einen Single-Haushalt. Als reich gelten im Sinne der Studie demnach Haushalte, die mindestens das doppelte des mittleren Einkommens erzielen. Das galt etwa für einen Alleinstehenden, der im Jahr 2015 mindestens über 40.639 Euro netto verfügen konnte.

Große Mehrheit der Armen im Osten

Dabei zeigte sich, dass die Mittelschicht immer weiter schrumpft, während die Ränder zunehmen. Waren 1991 rund 11 Prozent aller Menschen in Deutschland einkommensarm, stieg die Quote bis auf knapp 16,8 Prozent. Bei den Reichen stieg die Quote von 5,6 auf 7,5 Prozent.

Besonders problematisch ist laut Spannagel, dass sich die Ränder verfestigen. Dafür analysierte sie, wie viele Haushalte über einen Zeitraum von fünf Jahren unter der Armuts- oder oberhalb der Reichtumsgrenze lagen. Für den Zeitraum 1991 bis 1995 blieben 3,1 Prozent der Bevölkerung über die gesamte Zeitspanne arm. 2011 bis 2015 waren es 5,4 Prozent. Die Quote der dauerhaft Reichen stieg hingegen von 2,3 Prozent auf 3,4 Prozent - bezogen auf Westdeutschland.

Das liegt laut der Studie aber nah am Gesamtschnitt, da 95 Prozent der dauerhaft Reichen im Westen leben. Hingegen leben knapp 62 Prozent der dauerhaft Armen in den neuen Ländern, obwohl dort nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ansässig ist. In den letzten Jahren sei der Anstieg unter anderem auf den Zuzug aus dem Ausland zurückzuführen. Dagegen sei die Armutsquote unter in Deutschland Geborenen stabil geblieben.

Etwa drei Viertel der dauerhaft Einkommensreichen sind Männer. Unter den dauerhaft Armen stellen dagegen Frauen die Mehrheit: 54 Prozent sind weiblich, 46 Prozent männlich.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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