Politik

Keine medizinische Grundlage Ärztepräsident kritisiert Corona-Maßnahmen

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Ärztepräsident Klaus Reinhardt hätte sich mehr Lockerungen vorstellen können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch bis Anfang Mai gilt die Kontaktbeschränkung als Teil des Pandemieplans. Der Chef der Bundesärztekammer hält die beschlossene Verlängerung teilweise für ungerechtfertigt. An ein frühes Ende der Corona-Krise glaubt er allerdings nicht.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat Teile der Beschlüsse zur Lockerung der Corona-Maßnahmen kritisiert. "Insgesamt hätte ich mir aber einige Lockerungen mehr vorstellen können", sagte der Chef der Bundesärztekammer der "Rheinischen Post". Es brauche vor allem einen klaren Stufenplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs, sagte Reinhardt.

Für die Fortsetzung der Kontaktbeschränkung bis zum 3. Mai gebe es keine konkrete wissenschaftliche oder medizinische Grundlage. "Im Moment gibt es überhaupt keinen Hinweis darauf, dass wir auf eine Überforderung der Krankenhäuser zusteuern", sagte Reinhardt. Es gebe keinen Grund, die Kontaktsperre in diesem Umfang zu verlängern.

Dennoch warnte der Mediziner vor einem Wiederanstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. "Wenn wir wieder mehr soziale Kontakte zulassen, wird es unter Umständen auch zu einem messbaren Anstieg der Infektionszahlen kommen können". Die Zahl der Tests solle erhöht werden, daher werde es automatisch zu höheren Infektionszahlen kommen.

Corona-Krise erst mit Impfstoff vorbei

Reinhardt glaubt nach eigener Aussage nicht daran, dass Deutschland das Thema Coronavirus im Mai oder Juni hinter sich haben werde. "Wir sind erst dann wirklich durch, wenn wir einen wirksamen Impfschutz für die Bevölkerung haben", sagte er.

Reinhardt forderte zugleich Patienten dazu auf, auch in Zeiten der Corona-Krise Arztpraxen bei Zeichen von Erkrankungen oder Schmerzen aufzusuchen. "Es gibt tatsächlich eine Vielzahl von chronisch Erkrankten, die aktuell nicht in den Praxen erscheinen, obwohl sie das normalerweise tun würden", sagte Reinhardt. Die Zahlen der Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten seien rückläufig. "Es ist zu befürchten, dass diese Menschen Praxen und Kliniken aus Angst vor einer Corona-Infektion meiden."

Quelle: ntv.de, imi/AFP