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Demonstranten fordern Hinrichtung Assad-Großneffe erzürnt Lattakia

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Ein zerschossenes Poster mit dem Porträt von Baschar al-Assad in der syrischen Provinz Hama, wo Milizen die Macht übernommen haben.

(Foto: REUTERS)

Er benimmt sich wie ein Warlord und düst mit seinem Hummer durch die syrische Regime-Hochburg Lattakia. Leiden konnten die meisten Menschen Sulaiman al-Assad nie. Doch jetzt hat der Großneffe des Präsidenten einen Offizier auf dem Gewissen.

Auch Mitglieder des Assad-Clans können sich in der syrischen Regimehochburg Lattakia nicht alles erlauben. Das erlebt gerade ein Großneffe des Präsidenten, der die halbe Stadt gegen sich aufgebracht hat. Am Wochenende sollen mehr als tausend Menschen in der syrischen Mittelmeerstadt gegen Sulaiman al-Assad demonstriert und dessen Hinrichtung gefordert haben.

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Lattakia ist die Heimat des Clans von Präsident Baschar al-Assad. Die vorwiegend von Alawiten bewohnte Provinz ist vom Krieg bisher weitgehend verschont geblieben, weil sie vor Rebellen und Dschihad-Milizen besonders geschützt wird. Die syrische Armee gibt eher andere Gebiete auf als das Kernland der Herrscherfamilie. Dennoch sind der Islamische Staat und andere Milizen bereits auf wenige Kilometer an die Stadt herangerückt.

Sulaiman al-Assad hat Berichten zufolge vergangene Woche einen ranghohen Offizier erschossen. Der Anlass war nichtig. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nannte ein Überholmanöver als Ausgangspunkt. Danach habe Assad den Offizier mit seinem Hummer verfolgt und ihm dann an einer Kreuzung den Weg abgeschnitten.

Für Menschen in Lattakia ist das Maß voll

Der junge Assad stieg aus, es gab lauten Streit. Dann feuerte Assad mit seiner Maschinenpistole auf Hassan al-Scheich und tötete ihn mit einer ganzen Salve. Al-Dschasira berichtete, es seien sieben Schüsse gewesen - und das laut Bericht vor den Augen der Kinder des Opfers.

Der etwa 18-Jährige ist in Lattakia bekannt als einer, mit dem man sich nicht anlegen sollte. Der Sohn von Baschar al-Assads Cousin Hilal, der vergangenes Jahr bei Kämpfen ums Leben kam, führe sich in seiner Heimatstadt wie ein Warlord auf, berichtet der "Spiegel".

Für die überwiegend zum Regime loyal bis pragmatisch eingestellten Menschen in Lattakia ist mit dem Mord am Kreisverkehr jedenfalls das Maß voll. Die Demonstranten haben laut Beobachtungsstelle angekündigt, nicht vom Tatort zu weichen, bis Sulaiman al-Assad bestraft ist. Der behauptet zwar, gar nicht geschossen zu haben. Doch für die wütenden Lattakianer komme nur die Todesstrafe in Frage, weil Assad voll absichtlich gehandelt habe.

Quelle: n-tv.de, nsc

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