Politik

Kurden enthüllen "Assads Plan B" Syrien droht die Teilung

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Syrien droht zu zerfallen: Für diese Demonstranten in Al-Hasakah scheint der Traum eines selbstbestimmten Lebens in Kurdistan zum Greifen nah.

(Foto: REUTERS)

Der Bürgerkrieg in Syrien reißt weitere Konfliktlinien auf, die das fragile Gleichgewicht in der gesamten Region durcheinanderwirbeln könnte: In den kurdischstämmigen Teilen der Bevölkerung wächst die Hoffnung auf einen eigenen Staat im Grenzgebiet zum Irak und der Türkei. Angeblich ziehen sich Assads Truppen bereits zurück.

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Ein Name, eine große Hoffnung: Pro-kurdische Demonstranten bei einer Kundgebung im April in Straßburg.

(Foto: REUTERS)

Die syrischen Kurden wollen Berichten zufolge den Konflikt in Syrien nutzen, um einen unabhängigen Staat im Nordosten des Landes zu errichten. Die in Deutschland verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat nach Angaben der syrischen "Kurdischen Zukunftsbewegung" in Nordsyrien bereits die Kontrolle übernommen. Der Europasprecher der Organisation, Siamend Hajo, sagte im Deutschlandradio Kultur, er befürchte Spannungen im syrisch-türkischen Grenzgebiet.

Die PKK kämpft in der Türkei für ein autonomes Kurdengebiet. Im unmittelbar angrenzenden Vielvölkerstaat Syrien kämpft das Regime unter Präsident seit Monaten gegen den drohenden Machtverlust und setzt dazu auch schwere Waffen gegen die eigene Bevölkerung ein. Während die regierungstreuen Truppen vor allem in den großen Städten des Landes gegen die vorgehen, scheint unterdessen im Schatten des Konflikt eine neue Allianz zu entstehen.

Einem Bericht des "Focus" zufolge haben sich verschiedene Kurden-Organisationen, darunter die PKK-Mitglied kommt vor Gericht , auf Verhandlungen mit Assad über die Bildung eines eigenen Staates im Norden Syriens geeinigt. "Der neue Staat muss Teil eines föderativen Verbundes werden, in dem die Rechte der Minderheiten gegenüber der Zentralregierung besser geschützt werden", sagte der Präsident der syrisch-kurdischen Nationalversammlung, Scherkoh Abbas, dem Münchner Magazin.

In der Kleinstadt Kamishli unweit der türkischen Grenze soll demnach eine sogenannte Regionalregierung von Nordsyrien-Kurdistan eingerichtet werden. Kamishli liegt in nordöstlichsten Provinz des Landes, dem bisherigen syrischen Regierungsbezirk al-Hasaka.

Letzter Ausweg für Assad?

Der Zerfall der territorialen Integrität droht Syrien jedoch auch von ganz anderer Seiet: Auch die schiitische Minderheit der Alawiten strebe einen eigenständigen Staat entlang der Mittelmeerküste an, sagte Abbas. Das sei Assads "Plan B", erklärte der Kurdenführer.

Die Regierungstruppen sollen sich Berichten zufolge in den vergangenen Tagen bereits aus mehreren von Kurden bewohnten Städten wie Afrin, Ain al-Arab, Amuda und Malikija zurückgezogen haben.

Die kurdische Minderheit des Landes lebt vor allem im Norden Syriens und hat sich in dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen die von den Alawiten dominierte Regierung bisher zurückgehalten. Eine eigene Autonomie in Teilen Syriens dürfte auch entsprechenden Bestrebungen im Süden und Osten der Türkei droht mit Militäreinsatz neues Leben einhauchen.

In den kurdischen Exilgemeinden in Deutschland lösten die jüngsten Entwicklungen bereits neue Hoffnung aus: In Berlin demonstrierten PKK-Anhänger am Wochenende Kurden kapern Elbfähre für eine Freilassung des in der Türkei inhaftierten PKK-Gründers Öcalan legt Friedensplan vor .

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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