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Im September vergangenen Jahres wurden in dem Gebiet des Testgeländes seismische Aktivitäten gemessen.
Im September vergangenen Jahres wurden in dem Gebiet des Testgeländes seismische Aktivitäten gemessen.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 26. April 2018

Experten uneins über Zustand: Atomtestgelände in Nordkorea kollabiert?

Erst kündigt Machthaber Kim Jong Un überraschend an, sämtliche Atom- und Raketentests auf Eis zu legen. Dann wird bekannt: Das nukleare Versuchsgelände ist infolge eines Atomtests im September offenbar eingestürzt.

Nordkorea ist laut chinesischen Geologen derzeit nicht in der Lage, Atomtests auf seinem Versuchsgelände im Nordosten des Landes durchzuführen. Das Gelände namens Punggye-ri wurde seit 2006 für insgesamt sechs atomare Tests genutzt. Das Bergmassiv über der Anlage sei nach dem letzten Atomtest im September teilweise eingestürzt, berichteten die Wissenschaftler der Chinesischen Universität der Wissenschaften und Technik in einer Studie, die in Auszügen auf der Website der Hochschule veröffentlicht wurde. Die gesamte Studie soll laut BBC in den kommenden Tagen in einem Journal der "American Geophysical Union" veröffentlicht werden.

Die chinesischen Forscher hatten Messdaten mehrerer Erdbeben ausgewertet, die sich nach dem bisher größten Atomtest Nordkoreas ereignet hatten. Sie erklärten daraufhin: "Aufgrund des Zusammenbruchs der nordkoreanischen Testanlage ist es notwendig, die Messung von radioaktiver Strahlung, die möglicherweise entwichen ist, fortzusetzen."

Experten der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite "38 North" des US-Korea-Instituts der Johns-Hopkins-Universität widersprachen jedoch. Pjöngjang habe nach dem Atomtest das Nordportal zu seiner unterirdischen Anlage zwar aufgegeben. Bis Anfang März sei jedoch am Westportal ein "signifikanter neuer Tunnelbau" entdeckt worden. Es gebe deshalb keine Grundlage für die Behauptung, dass das Gelände nicht mehr für künftige Atomtests geeignet sei. Der Berg Mantap auf dem Testgelände im Nordosten des Landes sei "nicht eingestürzt und es gibt keinen Beweis, dass er unbenutzbar ist", schrieb auch Jeffrey Lewis vom kalifornischen Middlebury Institute of Strategic Studies auf Twitter.

In der vergangenen Woche hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un überraschend eine Einstellung der Atom- und Raketentests sowie die Aufgabe des nordkoreanischen Atomtestgeländes angekündigt. Kim begründete dies mit der Vollendung des Atomprogramms. Bei ihrem ersten Gipfeltreffen am Freitag wollen sich Nordkoreas Machthaber und Südkoreas Präsident Moon Jae In auf atomare Abrüstung und eine langfristige Friedenslösung konzentrieren.

Experte Lewis erklärte, selbst wenn Teile des für Atomtests genutzten Tunnelsystems in dem Berg eingestürzt seien, gebe es Ausweichmöglichkeiten in anderen Bergen. Kim habe wegen der Gipfeltreffen eingewilligt, die Atomtests auszusetzen, "nicht weil sein nuklearer Testberg kollabiert ist".

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Quelle: n-tv.de