Politik

Von Bischkek bis Ulan Bator Auf Asienrundfahrt mit der Bundeskanzlerin

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Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde mit militärischen Ehren empfangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schöne Landschaft, wenig Wirtschaft - das ist Kirgisistan. Ökonomisch mag das Land für Deutschland uninteressant sein. Politisch allerdings sieht das anders aus. Bundeskanzlerin Merkel weiß das. Aber ihre Reise hat eigentlich ein anderes Ziel.

Angela Merkel ist ein Fan sogenannter stiller Ankünfte. Das heißt übersetzt: Raus aus dem Flugzeug, rein in die Limousine, Abfahrt zum Hotel. Beim Staatsbesuch in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek allerdings bleibt ihr das volle Protokoll nicht erspart. Nach sechs Stunden Flug, um Mitternacht Ortszeit, wird sie noch in der Ankunftshalle des Flughafens mit militärischen Ehren empfangen. Und man kann sagen, sie macht das Beste daraus. Guckt interessiert, nickt wohlgesonnen und schreitet brav die Ehrenformation ab. Präsident Almazbek Sharshenovich Atambaev freut's. Ihm war die offizielle Begrüßung wichtig. Schließlich schaut nicht alle Tage eine deutsche Bundeskanzlerin vorbei.

Genauer gesagt ist es das erste Mal. Noch nie in der Geschichte war ein deutscher Regierungschef zu Gast in Kirgisistan. Im elften Jahr ihrer Kanzlerschaft erlebt Angela Merkel damit noch etwas Neues. Ihr 76. Besuchsland. Ein Staat mit Bergen im Himalaya-Format, gesegnet mit wilden Flüssen und wasserreichen Seen, Sehnsuchtsort vieler DDR-Bürger mit staatlich begrenztem Reisehorizont. 

Zwei große Einnahmequellen

Angela Merkels Tourenplaner blicken ganz unsentimental auf diesen zentralasiatischen Sechs-Millionen-Einwohner-Staat, der früher zur Sowjetunion zählte. Schöne Landschaft, wenig Wirtschaft, so etwa lautet die Kurzformel. Das deutsch-kirgisische Handelsvolumen beträgt 64 Millionen Euro. Das macht Platz 146 im deutschen Handelsranking. Das Pro-Kopf-Einkommen der Kirgisen liegt bei bescheidenen 1.200 US-Dollar pro Jahr. Rücküberweisungen kirgisischer Wanderarbeiter hauptsächlich aus Russland machen knapp ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus. Zweite große Einnahmequelle ist eine von Kanadiern betriebene Goldmine. Das war's.

Wirtschaftlich betrachtet ist das Land mithin ziemlich uninteressant. Politisch allerdings umso bedeutender. Umgeben von ungemütlichen halb- bis volltotalitären Nachbarn wie Tadschikistan, Kasachstan, China und Usbekistan, nicht weit entfernt von Russland und Afghanistan, ist es die einzige echte Demokratie weit und breit. Zur "Anerkennung", wie es in deutschen Diplomatenkreisen heißt, habe man deshalb Bischkek mit auf die Reiseroute genommen. Und die deutsche Unterstützung noch etwas ausgebaut.

Hauptziel Ulan Bator

Seit 1992 flossen 345 Millionen Euro Aufbauhilfe aus Deutschland nach Kirgisistan. Weitere 37,95 Millionen wurden zuletzt zugesagt. Vor allem für die Wirtschaftsförderung, aber auch für das Gesundheitswesen. Deutschland ist der mit Abstand größte Geldgeber der EU.

Das Hauptziel der kleinen Asienrundfahrt Merkels ist am Freitag Ulan Bator. In der Hauptstadt der Mongolei findet der 11. ASEM-Gipfel statt, ein Zusammenschluss von 53 europäischen und asiatischen Staaten. Entschieden wird in diesem Asia-Europe-Meeting nichts, aber viel palavert. Merkel wird davon dankbar Gebrauch machen. Mit Ländern wie Bangladesch, Laos, den Philippinen und Pakistan beispielsweise kann sie sich so austauschen, ohne gleich um die halbe Welt gondeln zu müssen. 

Und zu reden gibt es mit allen Beteiligten viel. Der Brexit dürfte Fragen nach dem Zusammenhalt Europas aufwerfen, die explosive Lage im Südchinesischen Meer eine Rolle spielen. Viele der Teilnehmer, von Japan bis Vietnam, erleben chinesische Expansionsgelüste in Echtzeit. Und vor allem keinerlei Kompromissbereitschaft.

Umso mehr wird Merkel die junge Demokratie Kirgisistans zu schätzen wissen. Dafür unternimmt sie auch gerne Mal einen Abstecher - und erträgt stoisch das volle Protokoll zu mitternächtlicher Stunde.  

Quelle: n-tv.de

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